Erstellt am 25. September 2014, 07:18

Asyl: Rot-Kreuz-Generalsekretär zuversichtlich. Der Generalsekretär des Roten Kreuzes, Werner Kerschbaum, ist nach der Konferenz der Flüchtlingsreferenten der Länder vom Mittwoch vorsichtig optimistisch: "Ich bin nicht euphorisch, aber freue mich schon über einige positive Signale."

"Das Thema der Unterbringung der Asylwerber ist offenbar bei den Verantwortlichen angekommen", meinte Kerschbaum - vor allem bei jenen der Länder. Was mich freut, ist, dass das Thema offensichtlich angekommen ist - auch in den Köpfen der politisch Verantwortlichen, vor allem auf Landesebene und hoffentlich in einem nächsten Schritt auch auf Gemeindeebene", sagte Kerschbaum. "Ich erkenne verstärkten politischen Willen."

Hoffen lässt ihn auch, dass bereits weitere Gespräche vereinbart wurden: "Was mich auch zuversichtlich stimmt, ist, dass es schon einen weiteren Termin im Oktober gibt", so Kerschbaum. Vor allem die geplante Einbindung von Gemeindebund und Städtebund sieht er positiv: "Ganz wesentlich halte ich die viel stärkere Einbindung der Gemeinden." Denn drei Viertel davon würden überhaupt keinen Asylwerber aufnehmen. Wichtig sei auch, dass das Thema auch bei der Landeshauptleute-Konferenz im November auf der Agenda stehen wird: "Das Thema bleibt im Fokus der Aufmerksamkeit."

Für "kleinmaschige Unterbringung und Betreuung"

Zu den bisherigen Gesprächen meinte der Rot-Kreuz-Generalsekretär, es sei positiv, dass man sich über einheitliche Standards für Unterbringung und Verpflegung geeinigt hat. Auch, dass über eine "mögliche Anhebung des Tagsatzes von 19 auf 21 Euro" gesprochen worden sei, freut Kerschbaum. Außerdem sei es gut, dass auch einige weitere Notquartiere, etwa in Polizei-Turnsälen organisiert wurden.

Der Rot Kreuz-Generalsekretär plädiert für eine "kleinmaschige Unterbringung und Betreuung". "Wenn das gelingt, dass man (die Flüchtlinge, Anm.) viel besser auf Gemeinden aufteilt, halte ich das für eine ganz wesentliche Voraussetzung für die Aktivierung der Zivilgesellschaft und für eine nachhaltige Integration." Und diese sei wichtig: Denn man könne davon ausgehen, dass zumindest all jene Flüchtlinge, die aus Syrien kommen, "auch hierbleiben werden", so seine Einschätzung.

"Humanitäre Verpflichtung, zu helfen"

Gleichzeitig betonte Kerschbaum, er wolle den bevorstehenden Flüchtlingsstrom "nicht bagatellisieren". "Wenn heuer 26.000 Asylwerber kommen, ist das natürlich eine Belastung." Von einer "Belastungswelle" wollte er aber nicht sprechen: "Wenn 26.000 kommen, sind das auf 1.000 Einwohner drei Asylwerber." Es sei eine "humanitäre Verpflichtung, zu helfen", sagte er mit Verweis darauf, dass Österreich die Genfer Flüchtlingskonvention ratifiziert hat.

Österreich habe eine "humanitäre Tradition", es sei "immer ohne Zeltstädte gegangen", sagte der Generalsekretär. Im Umgang mit Flüchtlingen hofft Kerschbaum auf einen "Paradigmenwechsel" und einen Abbau der Vorurteile. Seine "Vision" sei es, dass eine "andere Kultur, wie wir mit Flüchtlingen, Ausländern umgehen" entstehe. Eine wichtige Voraussetzung dafür wären jedenfalls "mutige Politiker", so der Generalsekretär.