Erstellt am 19. August 2014, 11:53

von APA/Red

Aufruf zum Verzehr österreichischer Äpfel. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hat nach dem russischen Importverbot für europäische Lebensmittel nun eine Gegenstrategie parat.

"Wenn jeder einen Apfel pro Woche mehr isst, dann können wir diesen Marktausfall im Obst- und Gemüsebereich schließen", appelliert der Minister am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal" an die Österreicher, zu mehr heimischen Produkten zu greifen.

Auch Krankenhäuser, die Gastronomie und Großküchen sollten regionalen Lebensmitteln den Vorzug geben, ruft Rupprechter zu einem "nationalen Schulterschluss" auf. Minister anderer Länder preschten zuletzt mit ähnlichen Appellen vor. Unter dem Twitter-Slogan "iss Äpfel gegen Putin!" wurde etwa in Polen dazu aufgerufen, sich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu widersetzen und die heimischen Landwirte zu unterstützen. Auch die lettische Regierungschefin Laimdota Straujuma hat die Letten aufgerufen, mehr einheimische Waren zu kaufen.

Ministerium will Infokampagne starten

Die EU hat gestern für die Bauern der Europäischen Union eine Hilfe von 125 Mio. Euro beschlossen. Laut Rupprechter befinden sich 400 Mio. Euro in "Krisenreserve", die man seiner Meinung nach voll ausschöpfen muss. Auch das heimische Ministerium will Geld in die Hand nehmen und eine Infokampagne starten. Eine geplante Exportoffensive soll sich auf den Nahen Osten, Nordafrika und Asien konzentrieren.

Die Einbußen für die gesamte österreichische Agrar- und Lebensmittelbranche bezifferte der Landwirtschaftsminister in der Vorwoche mit 4,5 Mio. Euro. Die Preise für Äpfel sind bereits gefallen, dabei steht die Haupternte erst bevor.

Heuer wird eine österreichweite Apfelernte in der Größenordnung von 217.000 Tonnen prognostiziert, wie es heute auf Anfrage von der LK Österreich hieß. Rund 500 Tonnen heimischer Qualitätsäpfel habe Russland schon zurückgeschickt oder abbestellt, so der steirische LK-Präsident Franz Titschenbacher in einer Aussendung.

Ernte mut Spitzenergebnis

Die gesamte Apfel-Erntemenge in der EU - also in allen 28 Mitgliedsstaaten - dürfte 12 Millionen Tonnen erreichen. Das wäre eine Vollernte, hieß es indes vom Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) in einer Mitteilung. In Südtirol alleine wird eine Ernte von knapp 1,2 Millionen Tonnen heuer erwartet - "ein Spitzenergebnis".

Den aktuell größten "Unsicherheitsfaktor in der Herbstvermarktung" bietet laut VOG die zu erwartende Rekordernte von 3,5 Millionen Tonnen Äpfeln in Polen. Laut VOG-Direktor Gerhard Dichgans ist Russland gerade für Polen der allererste Absatzmarkt bei Äpfeln, bisher habe Moskau jährlich 500.000 bis 700.000 Tonnen Äpfel von dort importiert. Angesichts der zu erwartenden "Vollernte" in Europa würde das "labile Gleichgewicht am europäischen Apfelmarkt" infrage gestellt werden können.

"Andererseits muss Russland die fehlende Importe aus Polen und Europa mit dem Import aus anderen Regionen ersetzen", beruhigte der Südtiroler etwas. Das bedeute, das Mengen von anderen Märkten abgezogen würden. "In der Summe handelt es sich um eine globale Verschiebung der Warenströme, bei der noch nicht klar ist, wer Verlierer und wer Gewinner sein wird."

Eine Schlussfolgerung könne aber schon heute gezogen werden, so Dichgans, "nämlich dass Überseeäpfel in Zukunft immer weniger Platz auf dem europäischen Markt finden werden und sich Europa mehr und mehr selbst versorgen wird". Der Apfelverbrauch pro Kopf belief sich laut aktueller Versorgungsbilanz des Landwirtschaftsministeriums in Österreich zuletzt auf 19,5 Kilo pro Jahr.