Erstellt am 10. April 2014, 14:34

Ausschreibung für Temelin-Ausbau abgesagt. Der geplante Ausbau des umstrittenen tschechischen Atomkraftwerks Temelin ist vorerst vom Tisch.

Der tschechische Energiekonzern CEZ hat die seit 2009 laufende Ausschreibung für den Bau eines dritten und vierten Blocks in dem südböhmischen AKW aufgehoben, wie der CEZ-Sprecher Ladislav Kriz am Donnerstag mitteilte. Grund dafür sind Zweifel an der Rentabilität des Projektes. Die neue tschechische Regierung hatte am Mittwoch angesichts des unberechenbaren Stromweltmarktes einen garantierten Abnahmepreis für Strom aus den zwei geplanten Reaktoren verweigert.

Der zu zwei Drittel staatliche Energiekonzern CEZ hatte den Ausbau des AKW bereits vor Jahren ausgeschrieben, das Auswahlverfahren des auf 200 bis 300 Mrd. Kronen (7,3 Mrd. Euro bis 10,9 Mrd. Euro) geschätzten Auftrags verzögerte sich jedoch wegen der Debatte über die wirtschaftliche Rentabilität immer wieder, obwohl die Umweltverträglichkeitsprüfung dafür positiv ausgefallen ist. Der Betreiber CEZ hatte daher von der Regierung Preisgarantien für den Strom gefordert.

Seit 2009, als der öffentliche Auftrag ausgeschrieben wurde, habe es im Energiesektor in Europa eine "turbulente Entwicklung" gegeben, erklärte der CEZ-Chef Daniel Benes am Donnerstag. "Während das Projekt ursprünglich angesichts des Strommarktpreises und weiterer Faktoren völlig wirtschaftlich rentabel war, sind heute alle Investitionen in die Stromquellen, deren Erträge vom Verkauf des Stroms auf dem freien Markt abhängig sind, gefährdet", betonte er.

Dies bedeute aber nicht das Ende des Aufbaus atomarer Energiequellen in Tschechien, so Benes. "Die Gefahr, dass wir in 20 Jahren nicht imstande sein werden, den Stromverbrauch unseres Landes zu decken, ist weiterhin akut. Nur müssen wir unsere Pläne den Änderungen anpassen, die nun in Brüssel vorbereitet werden. Es ist offensichtlich, dass man künftig bei der Sicherung der Weiterentwicklung der Atomenergieindustrie eng mit dem Staat kooperieren wird müssen", fügte Benes hinzu.

Alle Bewerber für den 200 Mrd. bis 300 Mrd. Kronen (7,27 Mrd. bis 10,9 Mrd. Euro) schweren Auftrag wurden über die Aufhebung des Auswahlverfahrens bereits informiert, teilte die CEZ mit. Zu den Interessenten zählten der US-japanische Konzern Westinghouse, das tschechisch-russische Konsortium MIR.1200, bestehend aus Skoda JS, Atomstrojexport und Gidropress, sowie die französische Areva, die jedoch von CEZ 2012 aus dem Verfahren ausgeschlossen worden war, weil sie die Bedingungen nicht erfüllt habe.

Aus Österreich, dass die Ausbaupläne von Beginn an kritisiert hatte, kamen am Donnerstag positive Reaktionen. "Wir gratulieren der tschechischen Regierung zu jedenfalls zu ihrem klaren Schritt," erklärte die Initiative "Atomstopp Oberösterreich". Die Regierung stärke damit der Europäischen Kommission den Rücken, sich gegen das Ansuchen aus Großbritannien auf Umgehung des Wettbewerbsrechts auszusprechen.