Erstellt am 28. April 2015, 08:07

von APA/Red

Großbrand eines Altersheims in Baltimore. Baltimore im Ausnahmezustand: Bei massiven Unruhen in der US-Ostküstenmetropole ist ein großes Gebäude im Osten der Stadt in Flammen aufgegangen.

Nach Medienangaben handelt es sich um ein neu errichtetes kirchliches Altersheim. 15 Polizisten wurden laut Behörden verletzt. Es wurden eine Ausgangssperre ab Dienstag um 22.00 Uhr (Mittwoch 04.00 Uhr MESZ) und der Ausnahmezustand verhängt.

Tod eines 25-jährigen Schwarzen als Auslöser

Bereits zuvor setzten Unbekannte einen großen Drugstore in der Innenstadt in Brand. US-Fernsehsender zeigten am Montagabend Bilder des Großbrandes. Mehrere Geschäfte wurden nach Angaben der Polizei geplündert. Die Ausschreitungen waren durch den Tod des 25-jährigen Schwarzen Freddie Grays (25) in Polizeigewahrsam ausgelöst worden.

Der Gouverneur des Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, sagte am Montag, er habe den Ausnahmezustand für Baltimore ausgerufen, um den Einsatz der Nationalgarde zu ermöglichen. Bei den Krawallen wurden mindestens 15 Polizisten verletzt, Randalierer plünderten und legten Brände.

"Die heutigen Plünderungen und Gewalttaten in Baltimore werden nicht toleriert", erklärte Gouverneur Hogan. Nach Polizeiangaben wurden bei den Krawallen mindestens 15 Beamte verletzt, zwei von ihnen seien noch im Krankenhaus. 27 Menschen seien festgenommen worden.

Randalierer bewarfen Polizei mit Steinen und Flaschen

Die Randalierer bewarfen die Polizei mit Steinen und Flaschen oder griffen mit Stöcken an, zündeten mehrere Autos an und demolierten Polizeiwagen. Plünderer räumten Geschäfte aus und fuhren mit der Beute davon, ein Supermarkt sowie ein großes Gebäude wurden angezündet.

"Zu viele Menschen haben über Generationen diese Stadt aufgebaut, um sie von Rowdys zerstören zu lassen", sagte Baltimores schwarze Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Sie verhängte eine einwöchige nächtliche Ausgangssperre. Sie gelte zwischen 22.00 Uhr und 05.00 Uhr und trete am Dienstagabend (Ortszeit; Mittwoch 04.00 Uhr MESZ) in Kraft. Bei Bedarf werde das nächtliche Ausgehverbot verlängert.

Die Bürgermeisterin kündigte zudem an, dass in Baltimore die Nationalgarde eingesetzt werde, "sobald sie bereit" sei. Der Polizeichef von Maryland, William Pallozzi, veranlasste, dass bis zu 5500 Beamte aus Maryland und Umgebung die Polizei in der Ostküstenstadt unterstützen. Die Nationalgarde teilte mit, dass 5000 Beamte für einen Einsatz in Baltimore bereitstünden.

Kriminelle Banden sollen hinter Krawallen stecken

Die Gewalt in der 620.000-Einwohner-Stadt, in der vielerorts Armut herrscht, war nach der Trauerfeier für den 25-jährigen Freddie Gray ausgebrochen, der am 19. April - eine Woche nach seiner Festnahme - an schweren Rückenmarksverletzungen gestorben war. Die genauen Umstände sind noch unklar. Auf Videos ist aber zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Krankenhaus ins Koma.

Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze. Die Behörden leiteten eine Untersuchung ein, sechs Polizisten wurden suspendiert.

Über soziale Netzwerke verbreitete Botschaften legten den Verdacht nahen, dass kriminelle Banden hinter den Krawallen steckten. Die Polizei hatte vor den Krawallen erklärt, es gebe "eine glaubwürdige Drohung", dass die Banden eine "Partnerschaft" eingegangen seien, um die Polizei herauszufordern.