Erstellt am 03. Dezember 2015, 10:39

Austria-Jubel über Herbstpokal verhalten: "Momentaufnahme". Alexander Gorgon nahm den Pokal für den Herbstmeister aus den Händen von Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer dankbar entgegen. Überschwänglicher Jubel war im Lager der Wiener dennoch nicht angesagt. Der Kapitän der Austria sprach von einer Momentaufnahme. Teamkollege Alexander Grünwald meinte über seine Gemütslage: "Das ist sehr schön, aber kaufen können wir uns um den Titel nichts."

Innerlich freuen durften sich die Favoritner trotzdem. Nach einem 2:1-Heimsieg gegen Sturm Graz am Mittwochabend liegt die Austria erstmals seit ihrer Meistersaison 2012/13 zur Liga-Halbzeit wieder an der Spitze. Während die Titelfavoriten Salzburg und Rapid auch in Runde 18 Schwächen offenbarten, jubelten die Violetten einmal mehr nach einem späten Treffer.

Minimalismus und ein "Quäntchen Glück" (Gorgon) zeichnete die Austria in diesem Herbst aus. Gegen Sturm hätte sie schon nach 20 Minuten höher als 0:1 in Rückstand liegen können. Tore von Olarenwaju Kayode (39.) und Gorgon (81.) bescherten der Austria aber noch ihren zehnten Saisonsieg, den siebenten mit einem Treffer Unterschied. Plus 8 lautet die derzeitige Tordifferenz des Spitzenreiters.

Von Zufall allein kann dennoch nicht gesprochen werden. Als Bestätigung für ihre harte Arbeit wollten die Austrianer die Tabellenlage interpretiert wissen. "Es kann sehr schnell rauf und runter gehen. Aber wir sind bisher auf jeden Fall sehr zufrieden", meinte Gorgon. Grünwald erinnerte an die völlig verpatzten beiden Vorsaisonen. "Dahingehend hätte uns das wohl keiner zugetraut", sagte der Mittelfeldmann.

Diesbezüglich auf die Schulter klopfen lassen darf sich hauptsächlich Trainer Thorsten Fink. Der im Sommer geholte Deutsche schaffte es, einem verunsicherten Team neuen Mut und die von ihm oft genannte Siegermentalität einzuimpfen. Spiele, welche die Austria in den vergangenen beiden Jahren wohl verloren hätte, gestalten die mit deutlich mehr Selbstvertrauen ausgestatteten Violetten nun erfolgreich.

Dass noch nicht alles Gold ist, was glänzt, wurde auch in der Anfangsphase gegen Sturm offenbart. Danach habe sein Team aber "richtig Eier" gezeigt, wie Fink meinte. Dennoch: Mehr als Platz drei will der Ex-Bayern-Profi als Saisonziel weiter nicht ausrufen. Dabei liegt die Austria voll auf Kurs. Der Abstand zum Vierten Admira beträgt acht Zähler, die als direkte Konkurrenten bezeichneten Grazer sind bereits zehn Punkte zurück.

Auf die Meister-Frage winkte Fink mit Nachdruck ab. "Die Ziele höherzuschrauben wäre der falsche Zeitpunkt, der völlig falsche", sagte der 48-Jährige. Nur einer im Austria-Lager wirkte nach den ersten Erfolg gegen Sturm nach fast exakt zwei Jahren euphorisiert. Aus Stürmer Larry Kayode sprudelte es vor den Mikrofonen nur so heraus. "Es ist möglich, dass wir Meister werden. Im Fußball ist immer alles möglich. Wir müssen weiter pushen, das ist das Wichtigste", sagte der Nigerianer.

Zum Jahresabschluss spielt die Austria noch gegen den WAC (auswärts) und Altach (heim). Am Samstag in Wolfsberg will Fink von seiner Mannschaft eine "Top-Reaktion" auf den Sieg sehen, sprich drei Zähler. Dann könnte bei einem Ausrutscher von Meister Salzburg im ersten Spiel unter Interimscoach Thomas Letsch in Mattersburg auch schon die Winterkrone eingefahren werden.

Sturm startet indes daheim gegen die Admira in die Rückrunde. In Wien war es nur schwacher Trost, gegen einen Vertreter der Top-Drei wieder einmal eine ansprechende Leistung geboten zu haben. "Uns fehlt irgendetwas, sonst würden wir gegen Spitzenteams nicht nur gut spielen, sondern auch etwas mitnehmen", sagte Trainer Franco Foda. In den vergangenen Wochen war Sturm bereits Salzburg (1:3) und Rapid (1:2) unterlegen gewesen.

Mit der Reaktion auf das jüngste Unspiel gegen Mattersburg (0:0) war Foda zufrieden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Grazer nun gegen die Admira anstellen. Die Punkte ließ Sturm im Herbst nämlich auch gegen die sogenannten Kleinen liegen. Gelobt wurde bereits Besserung im neuen Jahr. "Letztes Jahr war der Herbst auch nicht so rosig, das Frühjahr war dann sehr gut. Wir müssen versuchen, das wieder so umzusetzen", sagte Verteidiger Lukas Spendlhofer. Nachsatz: "Es liegt aber an uns."