Erstellt am 16. Juni 2014, 11:14

"Austro-Nobelpreis" 2014 für Genetiker Penninger. Der Wittgenstein-Preis 2014 geht an den Genetiker Josef Penninger vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien.

Das gaben Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und die Präsidentin des Wissenschaftsfonds FWF, Pascale Ehrenfreund, am Montag bekannt. Die auch "Austro-Nobelpreis" genannte Auszeichnung ist mit 1,5 Mio. Euro der höchstdotierte Forschungsförderpreis Österreichs.

Zudem erhielten acht Nachwuchsforscher Start-Preise, die mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotiert sind. In Summe stehen den neun ausgezeichneten Wissenschaftern in den kommenden sechs Jahren 10,5 Mio. Euro für ihre Arbeit zur Verfügung. Ausgewählt wurden die Preisträger von einer aus ausländischen Wissenschaftern zusammengesetzten Jury.

Mit dem vom Wissenschaftsministerium finanzierten Wittgenstein-Preis werden hervorragende und international anerkannte Forscher ausgezeichnet. Die Förderung soll ihnen laut FWF "ein Höchstmaß an Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung ihrer Forschungstätigkeit garantieren, um eine außergewöhnliche Steigerung ihrer wissenschaftlichen Leistungen zu ermöglichen".

Erfolge in der Brustkrebsforschung

Penninger (49) ist Wissenschaftlicher Direktor des IMBA, einem Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), für dessen Aufbau er 2002 aus Kanada zurück nach Österreich geholt wurde. Der Genetiker zählt zu den international herausragendsten Wissenschaftern Österreichs und hat in den vergangenen Jahren zahlreiche viel beachtete Forschungsergebnisse geliefert und Auszeichnungen erhalten.

So ist Penninger einer der wenigen Forscher, die bereits zwei Mal einen mit jeweils mehreren Mio. Euro dotierten "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC) erhalten hat. 2012 bekam er als erster Österreicher einen mit 7,4 Mio. US-Dollar dotierten "Innovator Award" des US-Verteidigungsministeriums für seine Erfolge in der Brustkrebsforschung.

Kontrollmechanismus für Metastasen entdeckt

Zu den herausragendsten Leistungen des IMBA-Chefs zählt die Entschlüsselung der entscheidenden Rolle des körpereigenen Proteins RANKL bei vielen Körperfunktionen bzw. Krankheiten wie Osteoporose oder Brustkrebs. Penninger hat auch Beiträge zur Behandlung von akutem Lungenversagen geliefert, wie es bei Viruserkrankungen wie SARS oder Vogelgrippe auftritt. Das von ihm mitgegründete Biotech-Unternehmen Apeiron arbeitet derzeit auf Basis dieser Entdeckungen an der Entwicklung eines Medikaments. Mit den von ihm entwickelten Stammzellen mit nur einem Chromosomensatz (haploide Stammzellen) lassen sich genetische Veränderungen besser studieren. Erst Anfang dieses Jahres hat Penningers Team einen Kontrollmechanismus für Metastasen entdeckt, der Ziel für zukünftige Therapien werden könnte.

Mit Penninger geht der Wittgenstein-Preis bereits zum dritten Mal an einen Wissenschafter des IMBA: 2005 erhielt der Neurobiologe Barry Dickson die Auszeichnung, 2009 der Molekularbiologe Jürgen Knoblich.