Erstellt am 17. März 2015, 17:45

von APA Red

Baby misshandelt: U-Haft für Vater. Ein Richter hat am Dienstag über einen 23 Jahre alten Kärntner Untersuchungshaft verhängt. Der Mann ist verdächtig, seine zwei Monate alte Tochter misshandelt und so schwer verletzt zu haben, dass das Baby am Freitag im Klinikum Klagenfurt starb.

Als Gründe für die U-Haft nannte der Richter Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr, wie Staatsanwältin Antoinette Tröster der APA sagte.

Stellungnahme des Gerichtsmediziners steht noch aus

"Es besteht der Verdacht auf eine schwere Misshandlung des Säuglings mit Todesfolge", sagte Tröster zu dem Fall. Das Landeskriminalamt ermittelt gegen den Vater wegen Quälens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen mit Todesfolge.

Der Paragraf 92 Strafgesetzbuch sieht für einen Fall mit Todesfolge eine Freiheitsstrafe von einem bis zehn Jahren vor. Die Mutter dürfte ersten Erkenntnissen zufolge nichts mit den Verletzungen des Babys zu tun gehabt haben.

Eine Obduktion des Säuglings wurde durchgeführt, "eine abschließende Stellungnahme des Gerichtsmediziners steht noch aus", so die Staatsanwältin. Wann das Gutachten vorliegt, lasse sich noch nicht sagen. Die Verletzungen des kleinen Mädchens deuten auf ein Schütteltrauma hin.

Sechs schwere Misshandlungsfälle seit 2013

Die Kärntner Familie des Babys war seit etwa einem Jahr in Betreuung der Jugendwohlfahrt. Die Leiterin, Christine Gaschler-Andreasch, bestätigte der APA einen Bericht des "Kurier" (online). Die Jugendwohlfahrt wurde wegen eines anderen, sechs Jahre alten Kindes der Mutter, bei dem es Schwierigkeiten gab, hinzugezogen.

In den vergangenen beiden Jahren gab es indes am Klinikum Klagenfurt sechs schwere Misshandlungsfälle mit Säuglingen. Drei Babys trugen massive Folgeschäden davon und bleiben Pflegefälle. Betroffen von Gewalt sind aber auch ältere Kinder.

"2014 mussten wir 15 Kinder nach körperlichen Attacken an meiner Abteilung behandeln, 2013 waren es 16 Patienten", berichtete Günter Fasching, Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie am Eltern-Kind-Zentrum. Insgesamt seien ein bis zwei Prozent der stationären Aufnahmen in seiner Abteilung auf ein Gewaltdelikt zurückzuführen.

"Öffentliche Fälle nur die Spitze des Eisbergs"

Am Klinikum Klagenfurt sind in den vergangenen zwei Jahren insgesamt sechs schwere Säuglingsmisshandlungen aufgedeckt worden. "Drei Babys tragen massive Folgeschäden davon und bleiben Pflegefälle", sagte Primarius Wolfgang Wladika am Dienstag in einer Aussendung des Krankenhausbetreibers Kabeg.

Um den Kindesmisshandlungen entgegenzuwirken, haben Mediziner, Psychologen und Hebammen des Klinikums erst kürzlich eine eigenes Konzept zur Prävention entwickelt. Das Projekt soll Kindern, vor allem aber deren überforderten Eltern oder Erziehungsberechtigten helfen. "Die meisten Übergriffe auf Kinder geschehen aus Überforderung heraus", sagte Psychologin Augustine Gasser.

"Die öffentlich gemachten Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs", erklärte Wladika, Vorstand der Abteilung für Neurologie und Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters. Vor allem im Säuglingsalter wirkten sich Misshandlungen massiv aus. Es entstünden sehr häufig nachhaltige Schäden sowohl körperlicher als auch seelischer Natur, so der Mediziner.

Betroffen von Misshandlungen seien aber auch ältere Kinder. "2014 mussten wir 15 Kinder nach körperlichen Attacken an meiner Abteilung behandeln, 2013 waren es 16 Patienten", berichtete Günter Fasching, Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie am Eltern-Kind-Zentrum. Insgesamt seien ein bis zwei Prozent der stationären Aufnahmen in seiner Abteilung auf ein Gewaltdelikt zurückzuführen.