Erstellt am 20. Juli 2015, 10:17

von APA/Red

Banken in Griechenland nach drei Wochen wieder geöffnet. Nach drei Wochen Pause haben die griechischen Banken am Montag ihre Türen wieder geöffnet.

 |  NOEN, APA (epa)

Vor Geldhäusern in Athen bildeten sich Schlangen, weil viele Kunden an den Schaltern ihre Bankgeschäfte erledigen wollten. Zwar bleibt der Kapitalverkehr beschränkt. Bürger können aber Schecks einlösen, Überweisungen in Auftrag geben, Geld auch ohne Bankkarte abheben und zu ihren Schließfächern gelangen.

Die Beschränkungen wurden aus Angst vor einem Ansturm der Kunden erlassen. Inzwischen hat sich die Regierung mit den internationalen Geldgebern auf kurzfristige Hilfen geeinigt und so eine Staatspleite vorerst verhindert. Die Wiedereröffnung der Aktienbörse lässt indes weiter auf sich warten. Sie wurde wie die Banken am 29. Juni geschlossen.

Lange Warteschlangen vor den Banken

Die Griechen können angesichts des Schuldendramas ihres Landes weiterhin nur 60 Euro täglich bei der Bank abheben. Dies gilt nach neuesten Angaben der Bankenunion sowohl für Schalter als auch am Automaten. Die Kunden können am kommenden Freitag auch gebündelt 300 Euro holen, falls sie in den Tagen zuvor nichts abgehoben haben. Kommende Woche soll dieser Betrag auf 420 Euro (sieben Tage mal 60 Euro) angehoben werden. Vor den meisten Banken bildeten sich am Morgen lange Warteschlangen.

Als zusätzliche Belastung stieg die Mehrwertsteuer für Lebensmittel von bisher 13 auf 23 Prozent. Dies war eine der Forderungen der Geldgeber für ein neues Hilfsprogramm. Mit Spannung wurde zudem erwartet, ob Athen die am Montag fällige EZB-Rate in Höhe von 3,5 Mrd. Euro fristgemäß zurückzahlt.

Erlass griechischer Schulden abgelehnt

Die Euro-Finanzminister hatten am Freitag den Start neuer Verhandlungen über ein weiteres Hilfspaket gebilligt. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte unterdessen klar, dass sie keine weitere Debatte über ein mögliches Ausscheiden des Landes aus der Eurozone will. Auch einen Erlass griechischer Schulden lehnte sie erneut ab. Dies galt auch als Fingerzeig in Richtung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, der einen vorübergehenden "Grexit" verbunden mit einem Schuldenschnitt ins Spiel gebracht hatte.

Griechenland ist mit 313 Milliarden Euro verschuldet und steht kurz vor der Pleite. Das neue Hilfspaket soll nach bisherigen Planungen bis zu 86 Milliarden Euro für drei Jahre umfassen. Im Gegenzug muss Athen harte Spar- und Reformauflagen erfüllen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer war vor wenigen Tagen von einer Mehrheit der Abgeordneten gebilligt worden und ist eine der Voraussetzungen für den Beginn der Verhandlungen.

Forderungen im Wert von 6,8 Mrd. Euro

Der griechische Staat will nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg seine aktuellen Schulden gegenüber großen öffentlichen Gläubigern begleichen. Insgesamt sollen Forderungen im Wert von 6,8 Mrd. Euro bedient werden, hieß es am Montag unter Berufung auf einen Mitarbeiter des griechischen Finanzministeriums.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zwar nach eigenen Worten nicht überzeugt, dass die zugesagten Spar- und Reformmaßnahmen seinem Land aus der Krise helfen werden. Aber er will das Programm dennoch umsetzen. Gegner der Auflagen entließ er aus seiner Regierung und ersetzte sie durch enge Mitarbeiter. Die neuen Minister wurden am Samstag vereidigt.

Am Mittwoch muss das Parlament weitere Reformgesetze beschließen. So sollen Gerichtsverfahren beschleunigt und die Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Banken umgesetzt werden.