Erstellt am 30. August 2015, 12:51

von APA/Red

bauMax-Verkauf ist fix - Supernova bestätigt Deal. Der Verkauf der angeschlagenen Baumarkt-Kette bauMax an den deutschen Heimwerker-Konzern OBI und den Grazer Immobilienentwickler Supernova wurde am Freitag unter Dach und Fach gebracht.

 |  NOEN, Foto: APA/Pfarrhofer
Mit dem heutigen Tag wird einmal mehr ein Stück österreichischer Wirtschaftsgeschichte begraben. Die Heimwerkerkette bauMax, die fast 40 Jahre lang im Besitz der Familie Essl war, wird vom deutschen Heimwerker-Konzern Obi und dem Grazer Immobilienentwickler Supernova übernommen.

Die Verträge sind laut Zeitungsberichten am Freitag unterzeichnet worden, die Mitarbeiter wurden bereits informiert. Obi wird demnach 70 der 106 bauMax-Standorte als Obi-Märkte weiterführen - was mit den restlichen Standorten passieren soll, ist vorerst unklar. Details sollen erst nächste Woche bekannt gegeben werden.

Die Kette wuchs seit ihren Anfängen 1976 rasant und ging 1990 sogar für knapp 15 Jahre an die Börse, um ihre Expansion zu finanzieren. 1992 erfolgte der Markteintritt in Ungarn und Tschechien, 1994 in die Slowakei, ein Jahr später zog es die Kette nach Slowenien. Das schnelle Wachstum machte sich jedoch bereits Ende der 1990er bemerkbar, als die Erträge bröckelten und bauMax als Kandidat für Übernahmen galt. Das schwächelnde Österreich-Geschäft wurde jedoch durch das Auslandsgeschäft kompensiert.

Baumax voll von Wirtschaftskrise erfasst

1999 gab der Gründer und langjährige Vorstandsvorsitzende Karlheinz Essl den Chefsessel an seinen damals 37-jährigen Sohn Martin weiter. Karlheinz Essl soll die Zügel aber nie wirklich aus der Hand gegeben haben. In den folgenden Jahren wuchs die Do-it-yourself-Kette weiter, 2000 erfolgte der Markteintritt in Kroatien, 2006 folgte Rumänien, 2008 Bulgarien. Der letzte Auslandsmarkt, in den bauMax eintrat, war 2010 die Türkei.

2011 beschäftigte die bauMax-Gruppe über 9.000 Personen und betrieb knapp 160 Standorte in neun Ländern, 66 davon in Österreich. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Unternehmen bereits voll von der Wirtschaftskrise in Osteuropa erfasst. bauMax fuhr in allen Auslandsmärkten hohe Verluste ein, 2011 betrug der Gruppen-Verlust 57 Mio. Euro. Auch wurde bekannt, dass die Familie Essl 40 Mio. Euro aus ihrem Privatvermögen in das Unternehmen pumpte.

Nettoverlust 2012 mehr als verdoppelt

In den Jahren danach überschlugen sich bei bauMax die Ereignisse: Der Unternehmensberater Roland Berger erstellte ein umfassendes Sanierungskonzept, die Banken schossen frisches Geld in Höhe von etwa 80 Mio. Euro zu und setzten die Rückzahlung bestehender Darlehen aus. Auch von den Essls kam erneut eine Geldspritze, zudem wurde der Handelsexperte Michael Hürter geholt.

2012 hatte sich der Nettoverlust der bauMax-Gruppe auf 126 Mio. Euro mehr als verdoppelt, die Bankschulden auf 570 Mio. Euro erhöht. 2013 betrug der Gruppen-Verlust bereits 189 Mio. Euro. Die Wirtschaftsprüfer sahen den Fortbestand des Unternehmens gefährdet. bauMax war inzwischen an die Banken verpfändet worden. Im April 2014 hatten die Banken bei bauMax rund eine Milliarde Euro im Feuer. 2014 zog sich die Familie Essl endgültig aus dem operativen Geschäft zurück und überließ erstmals einem Fremden das Kommando: Michael Hürter.

Für großen medialen Wirbel sorgte im März 2014 die Ankündigung Karlheinz Essls, seine berühmte Kunstsammlung an die Republik Österreich zu verkaufen, um die angeschlagene Baumarktkette zu retten. Der Deal kam nicht zustande, stattdessen übernahm Monate später der Industrielle Hans Peter Haselsteiner um über 100 Mio. Euro über seine Familien-Privatstiftung 60 Prozent an der Sammlung. Den Rest behielten das Ehepaar Karlheinz und Agnes Essl.

Auch wenn das Unternehmen es offiziell stets dementierte, war der Verkaufsprozess zu diesem Zeitpunkt bereits im Gang. Als erster Interessent tauchte Ende 2014 die deutsche Baumarktkette Obi auf. Kurz darauf kamen neue Namen ins Spiel: Der britische Baumarktkonzern Kingfisher, die französische Handelsgruppe Adeo sowie der Grazer Immobilienentwickler Supernova um den Deutschen Frank Albert. Die verlustbringenden Töchter in Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Ungarn und der Türkei wurden nach und nach geschlossen bzw. verkauft.

Supernova-Chef bestätigt Deal mit Obi

Nach dem am Freitag unterschriebenen Verkauf der Baumarktkette bauMax an den deutschen Konkurrenten Obi hat der Grazer Immobilienentwickler Supernova um den Deutschen Frank Albert am Sonntag den Deal bestätigt. "Wir sind die zukünftigen Vermieter", sagte Albert am Sonntag. Die Medienberichte würden grundsätzlich stimmen, auch die Mitarbeiter seien bereits in groben Zügen informiert.

Details könne er aber nicht nennen, so Albert. Er verwies auf umfassende Vereinbarungen in den Verträgen. Wann der mehrheitlich zum Handelsriesen Tengelmann gehörende Obi-Konzern und bauMax mit dem Verkauf offiziell an die Öffentlichkeit gehen, ist ungewiss. Dem Vernehmen nach sind noch "Hausaufgaben" zu machen.

Laut den Samstagsausgaben von "Kurier" und "Krone" wird Obi rund 70 der 106 bauMax-Standorte unter eigener Marke weiterführen. Der Deal soll fünf bauMax-Filialen in Tschechien, 14 Märkte in der Slowakei, zwei in Slowenien und 49 Standorte in Österreich umfassen. In Österreich hat bauMax laut Firmenangaben von vergangener Woche rund 3.800 Mitarbeiter. Laut "Kurier" übernimmt Obi hierzulande 2.800 Mitarbeiter.

Volumen von knapp 200 Mio. Euro

Für die österreichischen bauMax-Filialen hat Obi als Partner Supernova im Boot. Der steirische Fachmarkt-Betreiber kauft den Berichten zufolge kauft fast 40 Standorte und vermietet sie an Obi weiter. Der Immobilien-Deal soll ein Volumen von knapp 200 Mio. Euro haben.

Wie es mit den mehr als 30 restlichen bauMax-Märkten sowie deren Mitarbeitern weitergeht, ist noch unklar. Sie könnten unter anderen Mitbewerbern wie Bauhaus oder Hornbach aufgeteilt werden. Unbekannt ist vorerst auch, ob die Mitarbeiter in der Zentrale in Klosterneuburg ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Weder bauMax noch Obi waren am Wochenende für eine Stellungnahme erreichbar.