Erstellt am 27. Oktober 2015, 08:36

von APA/Red

Bayerns Mann für alle Fälle - Alaba noch nicht am Zenit. David Alaba entwickelt sich bei Bayern München immer mehr zum unverzichtbaren Baustein. Bis zum Cupschlager am Dienstagabend (20.30 Uhr) in Wolfsburg hat der ÖFB-Star als einziger Bayern-Akteur in allen Pflichtspielen der Saison durchgespielt.

Alaba ist einer der Topleute bei Bayern  |  NOEN, APA (AFP)

Trainer Pep Guardiola schätzt seine Vielseitigkeit. Der 23-Jährige selbst sieht sein volles Potenzial aber noch lange nicht ausgeschöpft.

"Ich bin vielleicht nicht mehr der jüngste Spieler. Aber ich bin schon noch ein junger Spieler, der sich weiterentwickeln kann und alles dafür tut", erklärte Alaba in München gegenüber österreichischen Journalisten. Sein Stellenwert ist ihm durchaus bewusst. "Ich weiß schon, dass ich was drauf hab, dass ich gut bin, sonst wäre ich nicht hier. Aber ich will immer besser werden. Ich versuche, immer dazuzulernen - in allen Belangen."

Entwicklungspotenzial sieht er in seinem starken linken Fuß, im Zweikampf wie im taktischen Verhalten. "Und auch außerhalb des Platzes kann und will ich dazulernen", meinte Alaba, seit 2008 in München. Mit der Ankunft neuer Spieler wächst der Wiener zusehends in eine Führungsrolle. "Ich bin jetzt keiner, der herumschreit oder in der Kabine irgendeinen Wirbel macht. Aber ich versuche, auf dem Platz mit meinem Spiel Verantwortung zu übernehmen."

An die Diskussion um seine beste Position hat er sich mittlerweile gewöhnt. Bei den Bayern kam er in dieser Saison fast ausschließlich im Abwehrzentrum zum Einsatz, in den Jahren davor als linker Verteidiger. Er selbst bevorzugt das Mittelfeld. "Ich weiß, dass ich auf mehreren Positionen spielen kann. Das ist ja nicht erst seit gestern so", sagte Alaba. "Ich habe schon öfter bewiesen, dass ich im Mittelfeld gut spielen kann, auch unter dem jetzigen Trainer."

Im Nationalteam ist er in der offensiveren Rolle gesetzt. Die EM 2016 in Frankreich wird Alabas erstes großes Turnier. Erwartungen ließ er sich nicht entlocken. "Es ist noch ein weiter Weg bis dahin", begründete der Bayern-Star. Der nächste Test steigt am 17. November in Wien gegen die Schweiz. Alaba: "Es ist sehr wichtig, dass wir jetzt nicht aufhören, unseren Weg weiterzugehen. Wir wollen versuchen, als Mannschaft Schritte nach vorne zu machen."

Der Erfolgslauf des ÖFB-Teams wird mittlerweile auch bei den Bayern wahrgenommen. "Am Anfang, als ich zur Nationalmannschaft dazugestoßen bin, bin ich immer mit einer Niederlage zurückgekommen", erinnerte Alaba. "Jetzt komme ich mit Siegen zurück, das ist schön." Von Späßen auf Kosten seiner nicht für die EM qualifizierten Kollegen, etwa des Niederländers Arjen Robben, sieht er aber ab. "Ich weiß ja, wie das ist."

In der FIFA-Weltrangliste stoßen die Österreicher im November erstmals in die Top Ten vor. "Die Qualität bei uns in der Mannschaft ist schon sehr, sehr viel besser als noch vor ein paar Jahren", meinte Alaba. "Ich denke aber, dass wir schon in meiner Anfangszeit Potenzial hatten." Sein Debüt in der ÖFB-Auswahl gab das Ausnahmetalent im Oktober 2009 in Frankreich. Seither habe sich das Team von Jahr zu Jahr weiterentwickelt.

Großen Anteil daran habe Teamchef Marcel Koller. "Er hat aus uns eine Mannschaft gemacht, die auf dem Platz sehr, sehr gut spielt und auch neben dem Platz wie eine Mannschaft dasteht", erklärte Alaba, der neben der individuellen Klasse ("Wir haben Spieler in der Mannschaft, die Spiele alleine entscheiden können") auch die menschliche Komponente hervorstrich. "Wenn man alles zusammentut, dann kommt der Erfolg heraus."

Der Vertrag von Koller beim ÖFB läuft im Sommer allerdings ebenso aus wie jener von Guardiola in München. "Er ist sehr, sehr wichtig. Man sieht ja, wie wir im Moment Fußball spielen. Da hat er schon einen großen Anteil daran", sagte Alaba über seinen Club-Trainer. Entsprechend groß wäre der Verlust, würde der Katalane den Bayern nicht erhalten bleiben.

Alaba selbst ist bis Ende Juni 2018 an die Münchner gebunden. "Ich schaue nicht so weit in die Zukunft. Ich habe jetzt einmal mein Ziel erreicht, nach meiner Verletzung wieder auf dem Platz zu stehen, wieder meine Spiele zu machen und in den Rhythmus zu kommen." Bayern gehöre zu den besten Vereinen der Welt. Auch die Atmosphäre in München gefällt ihm. "Woche für Woche hier zu spielen, das ist schon großes Kino."

Nach dem Schlager in Wolfsburg geht es bereits am Freitag in der Liga in Frankfurt weiter. Der "Nacht des Sports" in Wien, bei der er 2013 und 2014 als Österreichs Sportler des Jahres ausgezeichnet worden ist, kann Alaba am Donnerstagabend daher nicht beiwohnen. Diesmal könnte er die Trophäe Ski-Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher überlassen müssen. Alaba: "Wenn man Sportler des Jahres wird in Österreich, dann ist es immer etwas Besonderes."