Erstellt am 11. Mai 2014, 15:02

Befreiungsfeier in Mauthausen. Die Befreiungsfeier am Sonntag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich ist ganz im Zeichen des diesjährigen Themas "Wert des Lebens" gestanden.

Vertreter von nationalen Häftlingsorganisationen erinnerten, wie menschenverachtend die Nationalsozialisten den Wert von Andersartigen und Arbeitsunfähigen einstuften.

Rund 8.000 Personen aus über 60 Ländern - nach Angaben des Organisators Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) - ließen sich auch durch das schlechte Wetter mit zum Teil heftigen Regenschauern nicht von der Teilnahme an der Gedenkfeier abhalten.

Zahlreiche offizielle ausländische Delegationen wurden von den diplomatischen Vertretern in Österreich angeführt. Die Republik war unter anderem durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Bundeskanzler Werner Faymann (beide SPÖ), Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) repräsentiert.

Der Vorsitzende des MKÖ Willi Mernyi stellte zum heurigen Thema fest, neben der rassistischen Kategorisierung der Nationalsozialisten sei der Wert des Lebens auch am wirtschaftlichen Wert gemessen worden. Somit hätten arbeitsunfähige Menschen sehr bald ihr Anrecht auf Leben verloren. Das KZ-System der Nationalsozialisten zeige die Verbindung zwischen Arbeitsfähigkeit und Lebensrecht sehr deutlich. Sobald dort die Arbeitskraft ausgeschöpft gewesen sei, habe das Menschenleben keinen Wert mehr gehabt.

Auch heute nehme die Bewertung eines Menschen nach seiner ökonomischen Verwertbarkeit beziehungsweise seiner Gewinnträchtigkeit einen immer größeren Platz ein, so Mernyi. In ganz Europa seien derartige Entwicklungen und zusätzlich immer mehr werdende antisemitische und rassistische Übergriffe festzustellen. Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus würden immer salonfähiger. Hier sei Zivilcourage gefordert, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.

In Mauthausen und seinen zahlreichen Nebenlagern haben die Nationalsozialisten mehr als 200.000 Menschen aus der ganzen Welt unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten und zu schwerer Arbeit unter anderem im Steinbruch sowie in der Rüstungsproduktion gezwungen. Nach Schätzungen überlebten rund 90.000 diese Vernichtungsmaschinerie nicht. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges trafen Anfang Mai 1945 die ersten Einheiten der US-Armee im Lager Mauthausen ein. Im kommenden Jahr wird daher der 70. Jahrestag der Befreiung gefeiert werden.