Erstellt am 17. Januar 2015, 15:04

von APA/Red

Belgien jagt Islamisten-Boss - Weitere Festnahmen. Nach dem Anti-Terror-Einsatz in Belgien haben die Ermittler Medienberichten zufolge den mutmaßlichen Kopf der ausgehobenen Islamistenzelle ausgemacht.

Wie die Zeitung "La Derniere Heure" am Samstag berichtete, wird mit Hilfe der US-Bundespolizei FBI nach dem 27-jährigen Abdelhamid Abaaoud gefahndet, der demnach als "Auftraggeber und Chef" der Islamistenzelle gilt.

Der Belgier mit marokkanischen Wurzeln, der im Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufwuchs, soll sich dem Bericht zufolge in Syrien der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Die belgischen Sicherheitskräfte hatten am Donnerstag bei landesweiten Razzien eine Islamistenzelle in Verviers unweit der deutschen Grenze ausgehoben, die Anschläge auf die Polizei geplant haben soll. Zwei mutmaßliche Extremisten wurden dabei getötet, gegen fünf der 13 Festgenommenen wurden Ermittlungen eingeleitet.

Wie der Fernsehsender VTM berichtete, kamen die Ermittler der Islamistenzelle zwischen Weihnachten und Neujahr über abgehörte Telefonate auf die Spur. Abaaoud kommunizierte demnach über den inhaftierten Bruder eines der beiden am Donnerstag Getöteten mit der Islamistenzelle. Laut VTM wurden die Telefonate von Griechenland aus geführt. Wie "La Derniere Heure" berichtete, könnte sich Abaaoud auch in der Türkei aufhalten. Die belgische Generalstaatsanwaltschaft wollte die Berichte auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.

Abaaoud ist in mehreren IS-Propaganda-Videos zu sehen. Im einem Video fährt er ein Auto, das vier verstümmelte Leichen hinter sich her zieht. Im Sommer sorgten in Belgien Fotos seines 13-jährigen Bruders für Aufsehen, auf denen der Jugendliche mit Waffen posiert. Er soll seinem älteren Bruder nach Syrien gefolgt sein.

Unterdessen nahm die Polizei in Belgien drei weitere Terrorverdächtige in Gewahrsam. Sie hätten Polizisten bedroht, teilten die Behörden am Samstag mit. Zwei Männer seien am späten Freitagabend im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst worden. Ein weiterer Mann sei in der belgischen Hauptstadt festgenommen worden, als er versuchte, auf einen Polizeioffizier zu schießen.

In Brüssel bewachten am Samstag sechs Soldaten das Jüdische Museum, wo ein Attentäter im Mai vorigen Jahres vier Menschen ermordet hatte. Militär unterstützte die Polizei auch in Antwerpen, vor allem im jüdischen und im Diamantenviertel der Stadt. In der Früh hatte die Regierung angekündigt, bis zu 300 Soldaten in den großen Städten einzusetzen.

In Verviers im Osten des Landes waren am Donnerstagabend zwei Terrorverdächtige bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden. Danach wurden in Belgien insgesamt 13 Personen festgenommen, in Frankreich zwei.