Erstellt am 15. August 2014, 22:12

von APA Red

Benkos Signa übernimmt Karstadt ganz. Die Karten im deutschen Einzelhandel werden mit der Übernahme des Warenhausriesen Karstadt durch den Tiroler Investor Rene Benko neu gemischt.

Benko kontrolliert nun den Essener Traditionskonzern mit seinen Luxus-, Sport- und Warenhäusern komplett - und gebietet auch über eine Reihe der Warenhausimmobilien, die er mit seiner Signa-Gruppe bereits geschluckt hatte.

Benko will zehn Jahre oder mehr bleiben

Mittelfristig könnten 15 bis 20 Häuser der deutschen Kaufhauskette geschlossen werden. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf das Umfeld des Tiroler Immo-Investors. Vor etwaige Schließungen, wolle der neue Eigentümer Benko aber bei Karstadt Haus für Haus auf Rentabilität prüfen.

Ein Signa-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentierten. Den "SZ"-Informationen zufolge will Benko zehn Jahre oder mehr bleiben und in das Unternehmen investieren. Er plane, Markenhändler als zusätzliche Mieter in die meisten Karstadt-Häuser zu holen und sie zu größeren Einkaufszentren umzubauen.

In Branchenkreisen wird auch vermutet, Benko könnte in Zukunft einen neuen Anlauf unternehmen, eine "Warenhaus AG" aus Karstadt und dem Konkurrenten Kaufhof zu schmieden. Arbeitnehmer warnen bereits vor solchen Plänen. Zunächst aber müsste sich der Investor mit der Karstadt-Sanierung befassen, heißt es in der Handelsbranche - und die werde ein sehr harter und auch kostspieliger Brocken.

Metro wollte Spekulationen nicht kommentieren

Die Idee einer Warenhausallianz ist nicht neu, schon in der Vergangenheit hatten Benko und auch der scheidende Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen versucht, Zugriff auf den Kaufhof zu bekommen. Gespräche mit dessen Mutterkonzern Metro führten nicht zum Erfolg: Metro-Chef Olaf Koch hatte den Verkaufsprozess für den Kaufhof nach seinem Amtsantritt im Jänner 2012 auf Eis gelegt. Auf Dauer, daran hat er keinen Zweifel gelassen, sei kein Platz für die Warenhäuser unter dem Metro-Dach.

Metro wollte Spekulationen um Kaufhof und Karstadt am Freitag nicht kommentieren. Ein Signa-Sprecher wollte sich nicht zu konkreten Plänen äußern. In Branchenkreisen hieß es aber, aktuell gebe es keinen Kontakt zwischen Benko und dem Düsseldorfer Handelsriesen.

Vielleicht geht dieser aber auch einen Umweg: Immer wieder gibt es Gerüchte um Gespräche zwischen Benko und dem Metro-Großaktionär Haniel. Es habe lose Kontakte Benkos zu Haniel gegeben, hieß es in Branchenkreisen. Haniel wollte sich ebenfalls nicht zum Thema Kaufhof äußern.

"Der Markt ist groß genug für zwei Warenhauskonzerne"

Auch Planspiele für die Umsetzung einer Warenhausfusion gibt es bereits: Kaufhof könnte Karstadt schlucken oder umgekehrt - oder ein dritter Investor könnte auf den Plan treten und beide Warenhausriesen übernehmen und zusammenführen. Nach einem Umbau könnte die "Warenhaus AG" dann an die Börse gebracht werden.

Eines haben alle Szenarien gemein: Überflüssige Standorte würden geschlossen, Tausende von Beschäftigten müssten um ihren Job zittern. "Der Markt ist groß genug für zwei Warenhauskonzerne", sagte Arno Peukes, ver.di-Vertreter im Aufsichtsrat von Karstadt. Er hoffe, dass dies auch Benkos Sicht sei - dieser müsse bald seine Überlegungen für die Karstadt-Zukunft vorlegen.

Dabei hatten zumindest die damals noch rund 25.000 Karstadt-Mitarbeiter nach der Übernahme des Konzerns durch den Milliardär Berggruen 2010 auf ruhigere Zeiten gehofft. Berggruen wurde damals als Retter gefeiert. Das änderte sich rasch.

"Statt in Karstadt zu investieren, hat Herr Berggruen über 2000 Arbeitsplätze vernichtet und Kapital aus dem Unternehmen gezogen", bilanzierte die Gewerkschaft Verdi nun. Investitionen wären aber dringend nötig gewesen, um Karstadt wieder auf Kurs zu bringen. Es sei nun an Benko, Geld in die Hand zu nehmen.