Erstellt am 03. August 2014, 13:30

von APA/Red

Bestürzung und Trauer nach Ableben Prammers. Der Tod von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hat auch am Tag nach dem Bekanntwerden für Bestürzung bei Weggefährten, aber auch Organisationen gesorgt.

In den nächsten Tagen werden der Ablauf und der Termin für die Trauerfeierlichkeiten festgelegt. Der im Amt verstorbenen Prammer steht ein Staatsbegräbnis zu. Ihr Nachfolger soll in einer Nationalratssondersitzung Ende August gewählt wird. 

Die Nachricht über den Tod der Nationalratspräsidentin am Samstag erschütterte am Wochenende die heimische Innenpolitik. Über alle Parteigrenzen hinweg würdigten die Wegbegleiter ihre Arbeit und ihr Engagement - sei es für die Gleichstellung oder gegen Rassismus - und dies auch noch während der schweren Krankheit.

Für Bundespräsident Heinz Fischer war Prammer "eine der großen Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Leben unseres Landes und auch über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt und geschätzt". Bundeskanzler und SPÖ-Parteichef Werner Faymann erklärte: "Barbara Prammer war eine bedeutende Sozialdemokratin, engagierte Frauenpolitikerin, große Demokratin und seit 2006 eine hervorragende Nationalratspräsidentin." Auch Vizekanzler und ÖVP-Obmann Michael Spindelegger unterstrich: "Barbara Prammer hat stets klare Positionen bezogen und sich als überzeugte Demokratin und Österreicherin durch ihre sachpolitische Arbeit ausgezeichnet."

Sonderpräsidiale am Montagnachmittag

Ihr Mitgefühl drückten neben den Regierungsmitgliedern und Landespolitikern auch zahlreiche Vertreter der unterschiedlichsten Organisationen und Institutionen aus. Auch die Oppositionspolitiker würdigten ihre Leistungen und zollten ihr Respekt dafür, dass sie ihr Amt trotz der Krebserkrankung ausübte.

Am Sonntag waren die Flaggen an öffentlichen Gebäuden wie dem Parlament oder der Präsidentschaftskanzlei sowie auch an Landhäusern auf Halbmast gesetzt. In einer Pressekonferenz wurde dann über die weiteren Schritte informiert. Voraussichtlich Ende August wird ihr Nachfolger in einer Nationalratssondersitzung gewählt, teilte der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP) dort mit. Morgen, Montagnachmittag, findet eine Sonderpräsidiale statt, um weitere Details zu klären. Bis zur Wahl des Nachfolgers führen Kopf und der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) die Amtsgeschäfte.

Der im Amt verstorbenen Nationalratspräsidentin steht ein Staatsbegräbnis zu, wobei der Staatsakt und das Begräbnis nicht vor Ende kommender Woche stattfinden dürften. Davor soll die Verstorbene in der Säulenhalle des Parlaments aufgebahrt werden, damit die Bevölkerung Abschied nehmen kann. Am Dienstag in der Früh wird im Parlament das Kondolenzbuch aufliegen, in das sich als erster Bundespräsident Fischer einträgt. Es wurde auch ein elektronisches Kondolenzbuch eingerichtet, es ist über die Parlamentshomepage abzurufen.

1997 als Frauenministerin in die Bundesregierung geholt

Prammer stammte aus dem Hausruckviertel, aus Ottnang, und lernte durch ihren Vater früh die Kommunalpolitik kennen. Nach dem Soziologie-Studium war sie als Frauenreferentin im Arbeitsmarktservice tätig und machte 1991 den ersten größeren Schritt in die Politik, als sie oberösterreichische Landtagsabgeordnete wurde. Landesrätin für Wohnbau und Naturschutz sowie die erste Frau in der oberösterreichischen Landesregierung waren weitere Stationen.

Vom damaligen Bundeskanzler Viktor Klima (SPÖ) wurde Prammer 1997 als Frauenministerin in die Bundesregierung geholt. Nach der schwarz-blauen Wende blieb sie im Nationalrat, wurde Zweite Nationalratspräsidentin und erlangte schließlich das zweithöchste Amt im Staat, das sie fast acht Jahre lang bekleidet hat. Prammer starb am Samstag, dem 2. August, in ihrer Wohnung im Kreis ihrer Familie.