Erstellt am 09. Juni 2014, 10:18

von APA Red

Bewerbungen von Oberwart bis Unterpremstätten. Bis zum 13. Juni haben Interessenten noch Zeit, sich als Austragungsort für den Eurovision Song Contest 2015 zu bewerben.

 |  NOEN, ORF/MILENKO BADZIC (APA)
Der ORF hat in der Zwischenzeit sein Kompetenzteam unter Leitung von Edgar Böhm zusammengestellt, während in den Bundesländern viele Standorte in den Löchern scharren – von Unterpremstätten bis Oberwart. Einzig Vorarlberg und Salzburg dürften fix aus dem Rennen sein.

Wien habe die nötige Infrastruktur

 In Wien rüstet man sich für Gespräche mit dem ORF und bringt vor allem die Stadthalle als Location in Position. "Wir haben beim Stadt Wien Marketing eine zentrale Anlaufstelle für den ORF eingerichtet", erklärte Medienstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) gegenüber der APA. Nun warte man darauf, wie der ORF weiter vorgehen wolle.

Die Variante Stadthalle werde derzeit jedenfalls "prioritär" behandelt: "Wir haben eine fertige und vollfunktionsfähige Halle, die allen derzeit bekannten Anforderungen entspricht", so Oxonitsch. Auch die Infrastruktur mit Hotels, weiteren Hallen oder einem Pressezentrum könne man zur Verfügung stellen. Natürlich gebe es auch Alternativen, sollten spezielle Wünsche oder noch unbekannte Anforderungen auftauchen. "Dann denken wir gerne über andere Lösungen nach, gehen aber derzeit nicht davon aus", so Oxonitsch.

"Wir haben noch nicht aufgegeben"

Die Stadt Linz prüfe das Anforderungsprofil des ORF noch im Detail, erklärte Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) auf APA-Anfrage. Doch schon jetzt stehe fest, dass bestehende Einrichtungen wie Design Center, Musiktheater oder eine Fabrikshalle am Gelände der voestalpine nicht geeignet sind. "Wir haben aber noch nicht aufgegeben", sagte Luger.

Er hat den Linzer Hafen im Visier, der gerade umstrukturiert werde. Dort könnte eine bestehende Halle eventuell mit Zubauten versehen werden. Auch ein temporäres Gebäude wie es als Spielstätte für Linz Europäische Kulturhauptstadt 2009 errichtet und danach als Kühlhalle weiterverwendet wurde, werde vor allem hinsichtlich der Kosten überlegt.

Die Stadt Wels bietet indes eine bestehende und eine in Bau befindliche Messehalle an. Bürgermeister Peter Koits (SPÖ) gesteht eine Außenseiterposition ein, sieht aber dennoch "realistische Chancen für einen Zuschlag". Das Stadtmarketing erarbeitet derzeit Unterlagen für ein Angebot. In der Region Mühlviertel Kernland, die für den Song Contest eine Zeltstadt an der Grenze zu Tschechien errichten will, sind zumindest die Flächen dafür vorhanden.

Aus dem Rennen ist die Traunseestadt Gmunden mit ihren Open-Air-Plänen, die nicht dem ORF-Anforderungsprofil entsprechen. Über den geforderten überdachten Veranstaltungsort mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Personen verfügt sie nicht, bedauerte Tourismus-Chef Andreas Murray.

Pröll: "Sind in einer Analysephase"

Auch Niederösterreich ist weiterhin an der Austragung des Eurovision Song Contest 2015 interessiert. Das Land verfüge über viel Erfahrung, wie man Großveranstaltungen ausrichtet. Zurzeit befinde man sich in einer Analysephase, hieß es auf Anfrage aus dem Büro von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP).

Die Vorgaben seitens des ORF würden nun geprüft werden. Als Location wurde etwa dem Vernehmen nach die Korneuburger Werft ins Spiel gebracht. "Es ist spannend für uns, dass wir genannt werden", sagte Bürgermeister Christian Gepp (ÖVP) gegenüber der APA und bestätigte laufende Gespräche. In der Werft wäre der notwendige Platz vorhanden. Die Infrastruktur müsste freilich geschaffen werden, sagte Gepp. Ein Thema sei außerdem der Schutz vor Donau-Hochwasser.

Olympiaworld wäre möglicher Austragungsort

In Tirol arbeitet derzeit Innsbruck laut Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) intensiv an der Bewerbung für den Song Contest. "Mit der Olympiaworld haben wir den perfekten Austragungsort, der allen Anforderungen entspricht", sagte die Bürgermeisterin.

Eine Task Force gebe es in Innsbruck zwar nicht, man habe aber ein gut eingespieltes Team, das mit der Organisation von Großveranstaltungen vertraut ist. "Wir rechnen uns wirklich sehr gute Chancen aus, den Song Contest nach Innsbruck zu holen", zeigte sich Oppitz-Plörer optimistisch. Wie viel Geld die Stadt beisteuern würde, wollte die Bürgermeisterin jedoch nicht sagen. Dies müsse in der Bewerbung noch nicht konkret genannt werden.

Graz: Stadthalle oder am Schwarzlsee?

Die beiden steirischen Bewerber, die Stadt Graz mit der Stadthalle und das Freizeitzentrum Schwarzlsee in Unterpremstätten bei Graz, sind voll mit den Vorbereitungen für die Einreichung beschäftigt. Die Verantwortlichen beider potenzieller Austragungsstätten bekundeten auf APA-Anfrage, dass sie die Bewerbungen inklusive Pflichtenheft fristgerecht bis 13. Juni abgeben werden.

"Der Schwarzlsee hat kein K.o.-Kriterium nach den Anforderungen des ORF. Ich denke auch, dass wir mit Abstand die größte und perfekteste Lokation sind, was Umfeld und Logistik anbelangt – vom Flughafen bis zum Autobahn-Parken", machte Geschäftsführer Klaus Leutgeb Werbung in eigener Sache.

Ebenfalls in Front sieht Messe-Congress-Vorstand Armin Egger "seine" Stadthalle: "Wir können so ziemlich die beste Infrastruktur auch rund um die Halle zur Verfügung stellen." Der Gemeinderat der Stadt Graz hatte sich ja in einem Grundsatzbeschluss für die Bewerbung ausgesprochen.

Klagenfurt bewirbt sich mit Stadtion

In Kärnten wird sich Klagenfurt mit dem Wörtherseestadion fix als Austragungsort bewerben. Das kündigte Bürgermeister Christian Scheider (FPÖ) im APA-Gespräch an. Eine "Task Force", die sich mit den vom ORF fixierten Kriterien und ihrer Umsetzung befasst, sei bereits eingerichtet – besetzt mit Technikern und "ein paar im Veranstaltungsbereich sehr erfahrenen Leuten".

Scheider glaubt, dass mit dem offenen Veranstaltungsort Stadion alle Kriterien zu erfüllen sein werden. "Unsere Leute sagen, da ist beim Stadion alles machbar." Auch eine Klimatisierung? "Klimatisieren nicht, aber das wird man im Freien nicht brauchen." Einwände, dass es zu kalt sein könnte, will Scheider nicht gelten lassen. Und dass der ORF die Location sechs Wochen exklusiv haben will, wird nicht zum Problem werden – auch wenn ein Fußball-Cupfinale im Weg stehe.

Da sieht der FPÖ-Politiker schon eher eine Schwierigkeit, allerdings: "Vor der Situation wird jeder stehen ...". Den Knackpunkt sieht das Klagenfurter Stadtoberhaupt bei den Kosten. "Entscheiden werden die finanziellen Rahmenbedingungen. Letztendlich soll es ja auch wirtschaftlich etwas bringen." Scheider will vorerst keine Zahl nennen: "Das geht nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Bund, Land, Stadt und ORF."

Niessl will Song Contest nach Oberwart holen

 Im Burgenland hält man am Vorstoß von Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), den Song Contest in Oberwart über die Bühne gehen zu lassen, weiterhin fest. Aus dem favorisierten Messezentrum in der Stadt ließ Geschäftsführerin Sylvia Stampf der APA Folgendes ausrichten: "Wir haben uns offiziell für die Austragung des Song Contest 2015 beworben.

Wir gehen davon aus, dass wir alle Anforderungen für diese Veranstaltung erfüllen." Auch Niessl zeigte sich "überzeugt, dass der Song Contest in unserer burgenländischen Stadt der Vielfalt, Oberwart, stattfinden soll", hieß es aus seinem Büro.

Vorarlberg und Salzburg aus dem Rennen

Vorarlberg dürfte als Austragungsort des Song Contests bereits aus dem Rennen sein. Im Festspielhaus Bregenz käme für die Austragung nur der Außenbereich – also die Seebühne – infrage. Sie bietet Platz für rund 7.000 Besucher – deutlich weniger als vom ORF gefordert – und scheidet auch als Open-Air-Bühne aufgrund des Anforderungsprofils aus.

Die Halle 6 der Messe Dornbirn, die zweite mögliche Ausstrahlungsstätte, fasst mit maximal 5.000 noch weniger Besucher. Zudem steht die Messe Dornbirn vor einem großen Umbau, mit ersten Arbeiten soll bereits im April 2015 begonnen werden.

Bereits von vornherein hatte sich Salzburg aus dem Spiel genommen. "Der Song Contest 2015 wird sicher nicht in Salzburg stattfinden, bitte bleiben wir auf dem Teppich", legte sich Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) fest. Und auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hatte gemeint, dass "diese Veranstaltung nicht in das weltweit einzigartige Kulturprofil des Landes passt".