Erstellt am 08. November 2016, 13:42

Wetter-Extreme töteten seit 1996 tausende Menschen. Es ist eine verheerende Bilanz: In den vergangenen 19 Jahren haben extreme Wetterereignisse wie Stürme, Hitzewellen und Überschwemmungen weltweit mehr als 528.000 Menschen getötet und Sachschäden von 2,78 Billionen Euro angerichtet.

Tropischen Wirbelstürme wie "Sandy" sorgen für Katastrophen  |  APA/ag.

So steht es im neuen globalen Klima-Risiko-Index (KRI), den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Dienstag in Bonn und Marrakesch veröffentlichte.

Der Index nimmt die Jahre zwischen 1996 und 2015 in den Blick. In diesem Zeitraum gab es demnach weltweit fast 11.000 extreme Wetterereignisse. Am stärksten betroffen waren Honduras, Haiti und Myanmar. Deren Spitzenplatz ist auf die drei tropischen Wirbelstürme "Mitch", "Nargis" und "Sandy" zurückzuführen, die 1998, 2008 und 2012 gewütet hatten und die von Germanwatch als "Ausnahmekatastrophen" eingestuft werden.

Österreich liegt dem Report zufolge auf Platz 50 mit einem deutlich geringeren Risiko als Deutschland (Platz 23) und der Schweiz (Rang 40). Demnach kam statistisch gesehen alle drei Jahre in Österreich ein Mensch pro 100.000 Einwohner durch ein extremes Wetterereignis ums Leben. Pro Jahr gab es seit 1996 etwas mehr als eine halbe Million US-Dollar Schäden (527.842 Dollar oder 477.166,88 Euro). Das entsprach einer jährlichen Belastung des Bruttoinlandsprodukts mit 0,167 Prozent.

Bei einer Einzelbetrachtung des vergangenen Jahres waren Mosambik und Malawi in Afrika sowie der karibische Inselstaat Dominica die laut KRI am stärksten betroffenen Länder. Mosambik und Malawi waren zum Jahreswechsel 2014/15 während des Monsuns verheerenden Regenfällen ausgesetzt, Dominica wurde im August 2015 von Tropensturm "Erika" verwüstet. Germanwatch zufolge entstanden auf Dominica dabei Schäden, die sich auf mehr als 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beliefen. 2015 lag Österreich auf Platz 53 vor Deutschland und der Schweiz.

Gestützt auf Daten des weltweit tätigen Rückversicherungskonzerns Munich Re errechnet Germanwatch mit dem KRI regelmäßig, wie stark Länder von Wetterextremen wie Stürmen, Hitzewellen und Überflutungen betroffen sind. Maßgeblich sind dabei die Todesopfer sowie direkte wirtschaftliche Verluste, die in Beziehung zur Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft gesetzt werden. Die Organisation veröffentlichte den Index bereits zum zwölften Mal.

Germanwatch betonte, dass der Index keine Aussage über den Einfluss des Klimawandels auf die Ergebnisse zulasse. Er sei aber eine Mahnung, betonte die renommierte Organisation mit Blick auf die derzeit im marokkanischen Marrakesch tagende UN-Klimakonferenz. Er könne als "Warnsignal" verstanden werden, sich durch Anpassung und mehr Katastrophenvorsorge besser klimawandelbedingte Wetterextreme vorzubereiten.

Experten gehen davon aus, dass der Klimawandel vielerorts zu stärkeren Wetterextremen führen wird. So kann warme Luft etwa mehr Wasser aufnehmen, was Niederschläge verstärkt. Die Folgen werden aber regional unterschiedlich sein.

Laut KRI waren 2015 Regen, Überflutungen und Erdrutsche die Hauptursachen für Schäden. "Das starke Auftreten extremer Regenfälle entspricht wissenschaftlichen Erwartungen verstärkter Wasserkreisläufe durch die Klimaerwärmung", erklärte Germanwatch dazu.

Die Organisation wies darüber hinaus darauf hin, dass vor allem ärmere Staaten von Wetterextremen betroffen sind. Neun der zehn zwischen 1996 und 2015 am heftigsten betroffenen Länder seien Entwicklungsländer mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen. Bei der UN-Konferenz in Marrakesch soll auch darüber beraten werden, wie besonders verwundbare, arme Länder bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels unterstützt werden können.