Erstellt am 11. März 2016, 14:06

von APA/Red

Bischöfe pochen auf "heiliges Recht" auf Asyl. Österreichs römisch-katholische Bischöfe haben nach ihrer Frühjahrsvollversammlung deutliche Worte zur aktuellen Flüchtlingskrise gefunden.

Schönborn blickt in eine Zukunft, in der mehr geteilt werden muss  |  NOEN, APA (Gindl)

Die Ursachen von Flucht und Migration seien solidarisch zu beheben, Asyl sei ein "heiliges Recht", hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung. Kardinal Christoph Schönborn bekräftigte dies in einer Pressekonferenz.

"Das wird halt auf Dauer nicht gehen, dass wir uns als Festung Europa einmauern", so die wohl auch an die Politik gerichtete Botschaft des Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Das Schließen der Balkanroute könne nur eine provisorische Notmaßnahme, aber sicher keine Dauerlösung sein, bekräftigte er. Auch könne man Griechenland nicht alle Lasten aufbürden und gleichzeitig europäische Solidarität fordern.

Die EU und ihre Mitgliedsstaaten hätten spät aber doch erkannt, dass die Zukunft des europäischen Friedensprojekts davon abhänge, eine gemeinsame und menschliche Antwort auf Flucht und Migration zu finden, hieß es in der Presseerklärung der Bischöfe. Gelingen werde dies nur mit einer gerechten Aufteilung der Verantwortung. Das "heilige Recht" auf Asyl müsse überall in der EU durch faire, qualitätsvolle und gerechte Verfahren sowie bestmögliche Betreuung der Schutzsuchenden garantiert sein.

"Ein bisschen mehr werden wir teilen müssen in Zukunft", meinte Schönborn. Für Soforthilfe und Entwicklungszusammenarbeit brauche es mehr Mittel, Österreich liege - wie viele andere Länder - weit unter den internationalen Vereinbarungen. Gleichzeitig lobte er die Leistungen des Landes in der Flüchtlingshilfe. Die Caritas betreue fast jeden zweiten Asylwerber in Österreich, daneben gebe es aber auch die viel umfangreichere Hilfe für Notleidende im Inland, unterstrich er.

Ein weiteres Thema der Bischofskonferenz diese Woche in Linz war die Hilfe für verfolgte Christen. "Es ist die flächen- wie zahlenmäßig größte Christenverfolgung der Geschichte", so Schönborn. Vor diesem Hintergrund hat die Bischofskonferenz die Hilfe für Länder des Nahen Ostens ausgeweitet, von 2,6 Mio. Euro im Jahr 2010 auf 7,5 Mio. Euro 2015. Der Kardinal wird als Zeichen der Unterstützung nach Ostern den Irak besuchen.

Auch Hilfe für nach Österreich geflüchtete Christen müsse es geben, und zwar auch gegen Ausgrenzung und Bedrängung aufgrund ihres Glaubens in Asylunterkünften. Gleichzeitig bestätigte er - ohne konkrete Zahlen zu nennen - das von den "Vorarlberger Nachrichten" und der "Tiroler Tageszeitung" berichtete gesteigerte Interesse an Konvertierungen vom Islam zu christlichen Religionen. Einer der Gründe dafür soll die Hoffnung auf bessere Chancen auf Asyl bzw. subsidiären Schutz sein. In der Erzdiözese Wien gehe es da um rund die Hälfte der 83 erwachsenen Taufbewerber im Vorjahr.