Erstellt am 24. August 2015, 13:06

von APA Red

Bisher 389 Erstanrufe bei Extremismus-Beratungsstelle. Bei der "Beratungsstelle Extremismus", die am 1. Dezember 2014 installiert wurde, sind bisher 389 Erstanrufe dokumentiert worden.

 |  NOEN, APA (Archiv)

Das berichtete Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Montag, in der sie über die ersten acht Monate Bilanz zog. Der Großteil der Fälle (136) betraf religiös begründeten Extremismus, nur in vier Fällen ging es um Rechtsextremismus.

Insgesamt (inklusive Mehrfachanrufen) wurde die Beratungsstelle 663 Mal kontaktiert. 143 Anrufe stammten von Jugend- und Sozialarbeitern, Lehrern oder Direktoren, 87 Anrufe von besorgten Angehörigen und Freunden. Die übrigen Anrufe drehten sich um allgemeine Fragen zum Thema.

"Dieser Erfolg der Anruferzahlen ist ein zwiespältiger"

Vor allem im Vergleich zu Deutschland, wo seit Einrichtung der Beratungsstelle im Jahr 2012 1.600 Anrufe dokumentiert worden seien, handle es sich um eine hohe Zahl. "Dieser Erfolg der Anruferzahlen ist ein zwiespältiger", meinte Karmasin. "In einer idealen Gesellschaft bräuchten wir keine Beratungsstelle, aber wir sind froh, dass es das Angebot gibt." Sie betonte den Präventionsanspruch der Beratungsstelle. Neben der Beratung biete die Stelle eine umfangreiche Vernetzung mit anderen Angeboten und den Bundesländern sowie Fortbildungen.

In zehn Fällen wurde der Verfassungsschutz informiert. Das geschehe meist auch auf Wunsch der Eltern, etwa wenn Jugendliche vor der Ausreise stehen, sagte Verena Fabris, Leiterin der Beratungsstelle. In einem Fall rief etwa eine Mutter an, deren Tochter im Auslandssemester in Istanbul Kontakt zu einem Austro-Jihadisten hatte, der sie nach Syrien schicken wollte, berichtete Fabris aus der Praxis.

"Hier konnten wir nichts mehr tun"

Das Mädchen kam schließlich zurück nach Österreich, brach den Kontakt zu den Bekannten in Syrien ab und konnte im Gymnasium wieder Fuß fassen. In einem anderen Fall war der Jugendliche bereits ausgereist, als sich der Vater an die Beratungsstelle wendete. "Hier konnten wir nichts mehr tun. Deshalb auch mein Appell an Angehörige, uns frühzeitig zu kontaktieren", sagte Fabris.

Buben und Mädchen sowie Personen mit Migrationshintergrund und Österreich-stämmige seien gleichermaßen betroffen. In 27 Fällen ging es um Jugendliche, die zum Islam konvertiert sind. "Es gibt nicht das Bild des gefährdeten Jugendlichen, aber sehr wohl Indikatoren, die die Gefährdung erhöhen", sagte Fabris. Dazu zählen etwa Arbeitslosigkeit und Diskriminierungserfahrung. Auch familiäre Problem spielen eine Rolle.

Den hohen Anteil an Fällen, die sich um religiös motivierten Extremismus drehen, begründete Fabris unter anderem damit, dass es beim Thema Jihadismus sehr viel mehr Angst und Unwissen gebe als bei Rechtsextremismus und das Thema in den Medien so präsent sei. "Da geht es sehr oft auch darum, Ängste abzubauen."

Das Angebot ist kostenlos und anonym, beraten wird in den Sprachen Deutsch, Englisch, Türkisch, Persisch und Arabisch.