Erstellt am 08. Januar 2016, 15:37

von APA/Red

Bombenwerkstatt für Paris-Anschläge in Brüssel entdeckt. Nach den Anschlägen von Paris mit 130 Toten hat die belgische Polizei in Brüssel möglicherweise jene Wohnung gefunden, in der die von den Attentätern verwendeten Sprengsätze hergestellt wurden.

Sprengstoffspuren in Brüsseler Wohnung gefunden  |  NOEN, APA (AFP)

Neben Sprengstoffspuren und -gürteln sei dort ein Fingerabdruck von Salah Abdeslam entdeckt worden, der mutmaßlich an der Bluttat beteiligt war, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Bei der Durchsuchung am 10. Dezember seien in der Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek "drei handgefertigte Gürtel" entdeckt worden, die zum Sprengstofftransport eingesetzt werden könnten, erklärte die belgische Staatsanwaltschaft. Zudem seien Materialien sichergestellt worden, "die zur Herstellung von Sprengstoff benutzt werden können sowie Spuren von TATP", erklärte die Staatsanwaltschaft. Der hochexplosive Sprengstoff Triacetontriperoxid war von den Pariser Attentätern verwendet worden.

Entdeckt wurde auch ein Fingerabdruck von Salah Abdeslam, der seit den Anschlägen vom 13. November auf der Flucht ist. Die Ermittler wüssten aber nicht, "wann er hinterlassen wurde", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Eric Van Der Sypt: "Fingerabdrücke sind nicht mit Datum oder Uhrzeit versehen." Es könne sein, dass Abdeslam vor den Anschlägen in der Wohnung gewesen sei, um seinen Sprengstoffgürtel zu holen, sagte Van Der Sypt. Möglich sei aber auch, "dass er danach zurückkam".

Die Wohnung wurde laut Staatsanwaltschaft unter Angabe einer falschen Identität gemietet. Sie sei womöglich von einem Verdächtigen genutzt worden, der bereits in dem Fall in Haft genommen worden sei.

Die Wohnung befindet sich laut Staatsanwaltschaft im dritten Stock eines Hauses im nordöstlichen Brüsseler Stadtgebiet. Freunde sollen den aus Brüssel stammenden Abdeslam nach den Anschlägen von Paris zurück in die belgische Hauptstadt gebracht haben. Nach Angaben eines seiner festgenommenen mutmaßlichen Helfer wurde er am Tag nach den Anschlägen in einer Straße in Schaerbeek abgesetzt. Seitdem fehlt von Abdeslam jede Spur.

Bei den Pariser Anschlägen auf eine Konzerthalle, Restaurants und vor dem Fußballstadion Stade de France wurden 130 Menschen getötet. Die meisten Attentäter sprengten sich selbst in die Luft. Zu den Anschlägen bekannte sich die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Die Entdeckung der Wohnung und möglichen Bombenwerkstatt stützt die These, dass die Anschläge tatsächlich in Brüssel vorbereitet wurden. Berichte belgischer Medien, wonach die Sprengstoffgürtel der Pariser Attentäter in der Wohnung in Schaerbeek hergestellt wurden, bestätigte die Staatsanwaltschaft vorerst jedoch nicht. Laut früheren französischen Medienberichten, wurden die Attentate zudem von Brüssel aus mithilfe mehrerer Handys koordiniert.

Seit den Anschlägen hat die belgische Justiz Haftbefehl gegen zehn Verdächtige wegen Terrorismus erlassen. Neun von ihnen befinden sich weiter in Untersuchungshaft. Es geht um Männer, die Abdeslam bei der Flucht oder Vorbereitung der Anschläge geholfen haben sollen.

Die belgischen Behörden befürchten einen Terroranschlag am 15. Jänner. An diesem Tag jährt sich der Anti-Terroreinsatz der belgischen Polizei in Verviers nahe der deutschen Grenze mit mehreren Toten. Es bestehe das Risiko, "dass irgendjemand versucht, an diesem Tag ein Attentat in unserem Land zu verüben", sagte Generalstaatsanwalt Frederic Van Leeuw gegenüber dem Sender "VTM".

"Wir sind uns der symbolischen Bedeutung bewusst, die der 15. Jänner für Terroristen hat, aber wir sind vorbereitet", fügte Van Leeuw hinzu. In Paris hatte in Attentäter am ersten Jahrestag des "Charlie Hebdo"-Anschlages versucht, eine Polizeistation zu stürmen und wurde dabei von den Sicherheitskräften erschossen. Der gebürtige Marokkaner hatte ein Bekennerschreiben mit der Fahne der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bei sich.