Erstellt am 31. Juli 2016, 14:41

von APA Red

Top-Manager der Deutschen Bank klagen. Führende Manager der Deutschen Bank wollen einem Zeitungsbericht zufolge vor Gericht die Auszahlung ausstehender Boni erstreiten. Vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main forderten sie Summen von jeweils ein bis zwei Millionen Euro, die ihr Arbeitgeber bisher eingefroren habe, berichtete die "Bild am Sonntag".

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Die Deutsche Bank wollte sich gegenüber der Zeitung nicht äußern. Das Blatt zitierte jedoch einen Manager, der in der Auszahlung von Boni ein "fatales Signal" sah, da die Deutsche Bank derzeit Filialen schließe und Jobs abbaue.

Die Deutsche Bank hält die juristischen Altlasten für den Hauptgrund für ihr schlechtes Abschneiden im europäischen Banken-Stresstest. Die sogenannten operationellen Risiken, zu denen Fehlverhalten von Mitarbeitern und unzureichende Kontrollen gehören, waren erstmals in den Stresstest einbezogen worden.

"Dazu schreiben die Tester die Vergangenheit in die Zukunft fort", erläuterte Risikovorstand Stuart Lewis der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" in einem Interview. Rechtsfälle haben die Bank seit 2012 mehr als zwölf Milliarden Euro gekostet. "Daran leiden wir bis heute, haben aktuell 5,5 Milliarden Euro dafür zurückgestellt. Wenn andere im Stresstest besser abschneiden, ist das der Grund", sagte Lewis.

Die Deutsche Bank war im diesjährigen Stresstest unter den schwächsten zehn von 51 getesteten Banken gelandet. Nach einer schweren Rezession würde ihre harte Kernkapitalquote danach bis 2018 auf 7,8 Prozent abschmelzen. Das ist nur wenig mehr als sie aufgrund ihrer Bedeutung für das weltweite Finanzsystem auf Dauer mindestens vorhalten muss. Reuters hatte aus Finanzkreisen erfahren, dass allein die operationellen Risiken die Quote der Deutschen Bank im Stresstest um 2,2 Prozentpunkte verschlechtert haben. Im eigentlichen Geschäft habe die Deutsche Bank gut abgeschnitten, sagte Lewis: "Die Qualität unserer Bilanz ist top, auch bei den Ausfallrisiken für Kredite schlagen wir uns bestens." Sorgen um die Bank seien unbegründet.

Frisches Kapital von außen brauche die Deutsche Bank nicht, bekräftigte Lewis. "Der Stresstest hat es bestätigt: Es gibt keinen Grund, jetzt eine Kapitalerhöhung zu machen." Derzeit kommt das größte deutsche Geldhaus auf eine harte Kernkapitalquote von 10,8 Prozent. "Das Ziel für 2018 beträgt 12,5 Prozent. Das schaffen wir, wenn wir unsere Strategie umsetzen", sagte Lewis. "Unsere Bank kann vier bis fünf Milliarden Euro verlässlich an Gewinn erwirtschaften, um so organisch Eigenkapital zu schaffen." Im zweiten Quartal war die Bank allerdings nur knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt.