Erstellt am 18. April 2014, 13:20

Boston-Marathon heuer "sicherster Platz der Erde". Renndirektor Dave McGillivray spricht vom "sichersten Platz der Erde", doch wenn am Ostermontag der 118. Boston-Marathon gestartet wird, bleibt ein mulmiges Gefühl.

Ein Jahr, nachdem im Zielbereich zwei Bomben explodierten, drei Menschen starben und mehr als 260 verletzt wurden, steht trotz eines starken Läuferfeldes diesmal der Sicherheitsaspekt klar im Vordergrund.

"Ich bin selbstbewusst, aber meine Sorgen sind wahrscheinlich auf einem Allzeithoch", betonte McGillivray. Er ist seit 2001 der Renndirektor des ältesten Stadtmarathons weltweit. Noch nie waren die Vorbereitungen auf dieses Großereignis so intensiv wie diesmal. Seit September wurde das Sicherheitskonzept bis ins Detail durchgeplant. "Wir werden die Zuschauer offensiv miteinbeziehen", erklärte Kurt Schwartz, Staatssekretär für öffentliche Sicherheit im Bundesstaat Massachusetts. Das Motto lautet: "See something, say something" - Siehst du etwas, sag etwas.

Um die Sicherheit der 36.000 Läufer sowie der erwarteten eine Million Zuschauer gewährleisten zu können, werden 130 Elitesoldaten die Strecke von Hopkinton bis Boston abmarschieren. Knapp 3.500 Polizisten und Sicherheitskräfte kommen zum Einsatz. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. 500 von ihnen mischen sich inkognito unters Volk.

"Wo immer größere Menschenmengen sind, haben wir zusätzliche Überwachungskameras", sagte Schwartz. Der Beauftragte der Bostoner Polizei, William Evans, kündigte an, dass seine Beamten die Zuschauer bei einer zu großen Ansammlung auffordern werden, das Rennen von einer anderen Stelle aus zu verfolgen. Rucksäcke sind trotz der Geschehnisse vor einem Jahr nicht verboten, werden aber einer strengen Kontrolle unterzogen, so Schwartz. "Was Sie nicht wirklich vor Ort brauchen, sollten Sie zu Hause lassen", ergänzte Evans.

Am 15. April 2013 hatten die beiden Attentäter selbst gebaute Bomben in Rucksäcken zum Zielbereich gebracht. Die Erinnerungen an eine der größten Tragödien der Stadtgeschichte werden in diesen Tagen bei vielen wieder wach. Zwei Detonationen hatten innerhalb von Sekunden alles Sportliche in den Hintergrund gedrängt. Aus dem Jubel wurden Hilfeschreie.

Fünf Tage lang herrschte Ausnahmezustand in der Massachusetts-Metropole. Bei der Verbrecherjagd wurde ein Polizist erschossen, ehe einer der mutmaßlichen Attentäter tot und sein Bruder gefasst waren. In den Krankenhäusern litten derweil Frauen, Männer und Kinder weiter. Bei 16 von ihnen mussten Gliedmaßen amputiert werden.

Ein Slogan hat die Einwohner seit jenen traurigen Tagen vereint: "Boston Strong". Eine Stadt zeigt gemeinsam Stärke - auch jetzt. Entlang der Boylston Street hängen Fahnen in den blau-gelben Farben des Marathon-Veranstalters Boston Athletic Association. "We run together" lautet diesmal das Motto und ist in vielen Schaufenstern entlang der Straße zu lesen. Amerikaner und Ausländer machen sich gemeinsam auf die 42,195 Kilometer. Knapp 5.600 davon konnten im Vorjahr ihr Rennen nicht beenden, wurden von der Polizei gestoppt. Sie wollen diesmal die Ziellinie im Herzen von Boston überschreiten.

Und der Ort der Tragik soll zur Gasse der großen Gefühle werden. "Wenn die Sonne am Montag über der Boylston Street aufgeht, werden Hunderttausende zusammenkommen und der Welt die Bedeutung von Boston Strong zeigen, indem sich eine Stadt dazu entscheidet, wieder zu laufen", hatte US-Präsident Barack Obama betont.