Erstellt am 29. Juni 2015, 12:40

Bund und Länder stocken Personal wegen Asylwerber auf. Der starke Zustrom von Asylwerbern nach Österreich sorgt nicht nur für volle Flüchtlingsunterkünfte, sondern stellt auch die zuständigen Verwaltungsstellen auf Bundes- und Landesebene auf die Probe.

 |  NOEN, APA (Archiv)

Vielfach wurde und wird das Personal aufgestockt, ergab ein Rundruf am Montag. So erhält das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (es ist dem Innenministerium nachgeordnet und unter anderem für die Erstaufnahmestellen zuständig) im kommenden Jahr 125 zusätzliche Planstellen. Der derzeitige Personalstand beträgt rund 750.

Eine rund zehnprozentige Personalaufstockung bekommt voraussichtlich auch das für Asyl-Einsprüche zuständige Bundesverwaltungsgericht. 42 zusätzliche Personen sind im Finanzrahmenplan für 2016 vorgesehen, allerdings nicht nur für Asyl-, sondern auch für Marktordnungsverfahren.

Ähnlich die Situation in den Ländern: In der Steiermark hat man im für Asylfragen zuständigen Sozialressort bereits Personal um 25 Prozent aufgestockt, wie es aus dem Büro von Landesrätin Doris Kampus (SPÖ) hieß. Dies sei seit dem Frühjahr geschehen, mit dem Stammpersonal wäre es nicht bewältigbar gewesen. Es gehe ja nicht nur um das Bearbeiten von Akten, man müsse auch verstärkt hinausfahren, um Quartiere anzusehen und gegebenenfalls zu adaptieren. Das zusätzliche Personal habe man aus der Landesverwaltung bzw. extern auf Zeit hinzugeholt.

Beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung gibt es in der für Asylfragen zuständigen Abteilung interne Umschichtungen, teilte Gerhard Dafert, Leiter der Abteilung Personalangelegenheiten, auf Anfrage mit. Zudem würden Überstunden geleistet und es werde nachbesetzt, wenn es zu Ausfällen wie z.B. längeren Krankenständen komme. Im Büro des für das Asylwesen zuständigen Landesrates Maurice Androsch (SPÖ) hieß es, dass man "eine Stundenaufstockung erhalten" habe.

In Kärnten hat es in den vergangen Wochen einen internen Wechsel in die Flüchtlingsabteilung gegeben, darüber hinaus war vorerst nichts geplant. Bei einem Gespräch am Dienstag von Flüchtlingsreferent Peter Kaiser (SPÖ) mit Bezirkshauptleuten, Gemeindevertretern und Vertretern kirchlicher Organisationen über die Bereitstellung weiterer Quartiere werde aber auch die Personalsituation in der Administration Thema sein, sagte Kaiser-Sprecher Andreas Schäfermeier. "In Zukunft wird es sicher noch schwieriger werden, mit dem derzeitigen Personalstand die größer werdenden Flüchtlingsströme zu bewältigen."

Das Bundesland Salzburg reagierte auf die ständig steigende Zahl an Asylwerbern bereits: Das Land hat den Mitarbeiterstab vor wenigen Wochen von fünf auf sieben aufgestockt, teilte das Büro der zuständigen Landesrätin Martina Berthold (Grüne) auf Anfrage mit.

Damit konnten auch bei der Akquise neuer Unterkünfte neue Schritte gesetzt werden. So erfolgte über die Wirtschaftskammer ein Aufruf an Unternehmer, leer stehende Gebäude für Flüchtlinge zu öffnen. In Thalgau wurde damit bereits eine erste Unterkunft für zunächst 50 Menschen (im Ausbau bis zu 150) gefunden. Über die Universität will das Land für die Sommermonate an leere Quartiere von Studierenden kommen, und auch bei Internaten und Schülerheimen wird nachgefragt. Über den Sommer erhofft sich Salzburg damit einen "Puffer", sagte Bertholds Sprecher Philipp Penetzdorfer.

Die landeseigene Tiroler Soziale Dienste GmbH, die die Flüchtlingsbetreuung in Tirol organisiert, zählt mit Montag 71 Mitarbeiter. "Wir haben die Mitarbeiterzahl innerhalb eines halben Jahres verdoppelt", erklärte Soziallandesrätin Christine Baur (Grüne), die eine weitere Aufstockung mit den wachsenden Flüchtlingszahlen nicht ausschloss: "Wir sind eine wachsender Betrieb". Die Soziale Dienste Gmbh ist eine 100 prozentige Tochtergesellschaft des Landes. Im Jänner hatte die Landesregierung ihr die Aufgaben der Flüchtlingskoordination übertragen. Mit 1. April nahm sie ihre Tätigkeit auf.

"Wir sind laufend dran, unser Personal aufzustocken", sagte der Leiter der Flüchtlingshilfe der Caritas Vorarlberg, Martin Fellacher. Derzeit verfüge die Flüchtlingshilfe über 80 Vollzeitstellen, vier in der Administration, 22,5 Stellen in der Begleitung minderjähriger Flüchtlinge und 35 bis 40 Personen in der Betreuung erwachsener Asylwerber.

"Mit anderen Caritas-Stellen ist diese Zahl schwer zu vergleichen", betonte Fellacher, denn die Caritas Vorarlberg habe zahlreiche Aufgaben übernommen, die in anderen Bundesländern die Landesregierung erfülle. Ein Großteil der administrativen Tätigkeiten, wie etwa die Auszahlung der Unterstützungsgelder an die Asylwerber, werde in Vorarlberg von der Caritas Flüchtlingshilfe erledigt. Zudem biete die Caritas Vorarlberg unter anderem Sprachkurse für alle Flüchtlinge an oder eine Rechtsberatung für Fälle, die über die allgemeine Beratung hinausgingen.