Erstellt am 22. April 2016, 19:36

von APA/Red

Van der Bellen attackiert Griss. Alexander Van der Bellen hat am Freitag in Wien ein letztes Mal seinen Siegeswillen bei der Bundespräsidentenwahl betont.

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"Platz eins oder zwei ist gleichgültig, aber ich will in die Stichwahl kommen und ich will der nächste Bundespräsident werden", sagte er beim Wahlkampfabschluss in St. Marx. Es könne wirklich knapp werden, meinte er und attackierte seine Konkurrentin Irmgard Griss.

Vor grüner Prominenz und anderen Unterstützern nahm er - für seinen bisherigen Wahlkampf ungewöhnlich - die frühere OGH-Präsidentin für ihren eher unpolitischen Lebensweg aufs Korn. "Ich glaube schon, dass man, um in stürmischen Zeiten politisch zu bestehen, ein Mindestmaß an politischer Erfahrung braucht", so Van der Bellen. Dass Griss das anders sehe, habe ihn negativ überrascht.

Ebenso überrascht zeigte er sich darüber, dass Griss keine klaren Worte zur Zeit des Nationalsozialismus in Österreich gefunden habe. Seine Konkurrentin vertrete "ein Geschichtsbild, das spätestens seit Helmut Qualtinger vollkommen überholt ist", spielte er auf dessen Figur des "Herrn Karl" an.

Van der Bellen: "Bin kein Scharfmacher, sondern ein Verbinder"

Sich selbst stellte der frühere Grünen-Bundessprecher erneut im besten Licht dar. Er könne das Amt gut ausüben und überparteilich wirken, nicht wie andere als verlängerter Arm einer Parteispitze. Van der Bellen reklamierte auch erneut den Heimat-Begriff für sich und verwies auf Unterstützer sowohl aus dem roten als auch aus dem schwarzen Lager. Erst vor wenigen Stunden habe sich zudem LIF-Gründerin Heide Schmidt für ihn deklariert, gab er bekannt. "Sie kennen mich alle. Ich bin kein Scharfmacher, sondern ein Verbinder. Das braucht man für das Amt des Bundespräsidenten."

Von Wahlkampfmanager Lothar Lockl wurde zuvor eine Unterstützungsbotschaft von Impressario Andre Heller verlesen, der vor verlorenen Stimmen für die Kandidaten von SPÖ und ÖVP warnte und die mögliche Kür Van der Bellens als Gegengewicht zu absehbaren FPÖ-Triumphen hervorhob. Zu Wort meldete sich auch Journalistin Sybille Hamann und Moderator Christian Clerici. Der zeigte sich mit dem Abend zufrieden und leitete zum informellen Teil über. "Jetzt betrink ma uns ein bissl", so sein Aufruf.

Griss: "Versöhnen statt spalten"

Mit geringem Aufwand und ohne Getöse beendete die unabhängige Präsidentschaftskandidatin Irmgard Grissihren Wahlkampf Im Kreis ihrer Unterstützer verströmte sie auf dem Platz der Menschenrechte beim Museumsquartier nochmals Zuversicht. Ihre Botschaft an die geschätzten knapp 200 Anhänger: "Wir können nicht verlieren, wir haben schon gewonnen."

Griss erinnerte in ihrer kurzen Rede an jene Zeit, "als diese Bewegung noch ein kleines Pflänzchen war". Gewachsen sei es unter anderem durch freiwilliges Engagement und private Spenden. Die ehemalige Höchstrichterin hielt ein Plädoyer gegen Lethargie und Fatalismus. "Versöhnen statt spalten" sei die Devise. "Es ist möglich, dass ein Ruck durch das Land geht", motivierte Griss noch einmal ihre Anhänger. Zum Schluss ihrer Rede hielt Griss ein Schild mit der Ankündigung "I geh Hofburg" in die Kameras.

Zuvor hatte man eine Art "Speaker's Corner" vor dem Museumsquartier aufgebaut, wo rund zehn Unterstützer Plädoyers für ihre Kandidatin abhielten und ihre Botschaften auf einer Tafel festhielten. "It's time for a change" war unter anderem zu lesen und "Allein mehrheitsfähig sein". Eine junge Mutter erklärte, warum selbst ihren Kinderwagen ein Griss-Plakat schmückt, eine andere versuchte es mit dem Naheliegenden: "Ich hoffe, dass am Sonntag ein G'riss sein wird um die Griss.""Sie kann reden. Sie kann schreiben", lautete ein weiteres Argument für die ehemalige OGH-Präsidentin.

Nach rund einer Stunde war der Wahlkampfabschluss auch schon wieder erledigt. Zuvor hatte das Team mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt: "Das Museumsquartier hat uns den Strom abgedreht, weil sie keine politische Veranstaltung wollen", begründete diese Wahlkampfleiter Milo Tesselaar.

Hundstorfer: "Integrationskraft eines Landes sein"

SPÖ-Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer beging am Freitagabend den Abschluss seines Wahlkampfes dort, wohin ihn seine Kandidatur führen soll, nämlich in der Hofburg. "Die Integrationskraft eines Landes zu sein, das verstehe ich unter einem Bundespräsidenten und ein solcher Bundespräsident möchte ich werden", zeigte er sich vor rund 700 Unterstützern zuversichtlich.

Groß inszeniert wurde bereits das Eintreffen des Kandidaten, der gemeinsam mit seiner Frau Karin Risser und begleitet von einem Team aus Wahlhelfern knapp zehn Minuten lang zu lauter Musik und Applaus in den rot ausgeleuchteten Großen Redoutensaal einzog. Im Rahmen der rund eineinhalbstündigen, streng durchgeplanten Veranstaltung kamen unter anderem Bürgermeister aus verschiedenen Gemeinden sowie der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl, der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl zu Wort, um "unseren Rudi" als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit und Brückenbauer zu loben.

Österreich brauche einen Präsidenten, der sich zu Fairness und Gerechtigkeit bekenne und dem das Land vertrauen kann. "Wir brauchen dich, Rudi Hundstorfer", betonte auch Parteichef und Bundeskanzler Werner Faymann. Österreich sei ein Land, "dass sich einen Ruf aufgebaut hat, ein Land, in dem sozialer Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten erreicht wurde", so Faymann. "Dafür steht unser Rudolf Hundstorfer als jemand, der das Gemeinsame sucht und nicht den Hass schürt."

Seitenhiebe in Richtung der Konkurrenz gab es vor allem gegen den blauen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer. "Wir brauchen jemanden, der Brücken baut, der mit Erfahrung und einem guten Schmäh die Leute zusammenführt", meinte Häupl. "Was wir mit Sicherheit nicht brauchen, ist ein deutschtümelnder Rambo, auch wenn er als Smiley vom Strache herumläuft", so Häupl. "Rudi, keine Frage, wir wollen, dass du Bundespräsident wirst und wir arbeiten auch dafür", betonte der Wiener Bürgermeister.

Hundstorfer bedankte sich in seiner Rede bei den Wahlhelfern und Unterstützern und rief diese zum Endspurt im Kampf um die Stimmen auf: "Wir haben noch 48 Stunden, bitte nützen wir diese 48 Stunden. Wenn wir am Sonntag in der Früh, wenn die Wahllokale öffnen, alle keine Stimme mehr haben, dann haben wir sie richtig genützt."