Erstellt am 09. Januar 2015, 17:28

von APA/Red

"Charlie Hebdo"-Attentäter getötet. Die französische Polizei hat am Freitagabend Zugriffe auf die beiden Geiselnahmen in Paris durchgeführt.

Die französische Polizei hat am späten Freitagnachmittag mit zeitgleichen Einsätzen zwei Geiselnahmen durch islamistische Terroristen im Großraum Paris beendet. Bei den Geiselnahmen und den Einsätzen zur Befreiung wurden sieben Menschen getötet, darunter die drei Täter. Nach einer Verdächtigen wird weiter gefahndet. Frankreichs Präsident Hollande nannte die Geiselnahmen eine "Tragödie der Nation".

Zunächst wurde der Unterschlupf der mutmaßlichen Attentäter des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in der Ortschaft Dammartin-en-Goele gestürmt. Die beiden Terrorverdächtigen seien getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Die Geisel sei frei und unverletzt.

Die Polizei griff auch bei der zweiten Geiselnahme im Osten von Paris zu. In dem jüdischen Lebensmittelladen sollen fünf Menschen getötet worden sein, darunter der Geiselnehmer. Im französischen Fernsehen waren vier Explosionen zu hören. Mehrere Menschen waren beim Zugriff der Polizei aus dem jüdischen Lebensmittelladen gerannt.

Vier weitere Personen sollen schwer verletzt worden sein. Bei einem der Toten war zunächst unklar, ob es sich um einen möglichen zweiten Geiselnehmer oder um eine Geisel handelt.

Supermarkt wurde gestürmt

Unklar war zudem, ob die anderen Opfer vor oder bei der Erstürmung des Supermarkts getötet wurden. Bei dem Täter handelte es sich um den Islamisten Amedy Coulibaly, der bereits am Donnerstag südlich von Paris eine Polizistin getötet haben soll. Weiter gefahndet wird nach dessen Freundin, die als Komplizin verdächtigt wird. Es gibt keinen Hinweis, dass sich auch an der Geiselnahme beteiligt war.

Coulibaly soll die Attentäter von "Charlie Hebdo" gekannt haben und wie sie einen islamistischen Hintergrund haben. Bei der Attacke auf das Satire-Magazin am Mittwoch waren zwölf Menschen getötet worden.

Frankreichs Präsident François Hollande hat die doppelte Geiselnahme durch Terroristen als "Tragödie für die Nation" bezeichnet. In einer im Fernsehen live übertragenen Rede an die Nation sprach Hollande mit Blick auf die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt von einem "antisemitischen Akt".

Das Staatsoberhaupt lobte die Sicherheitskräfte, die die Geiselnahmen in Paris und nordöstlich der Hauptstadt professionell und effektiv beendet hätten. Er forderte die Franzosen auf, bei dem Solidaritätsmarsch für die Opfer der Terroristen am Sonntag mitzumachen und für Freiheit, Demokratie und Pluralismus einzutreten.

Zu dem Solidaritätsmarsch wollen am Sonntag auch die EU-Spitze und zahlreiche europäische Regierungschefs in die französische Hauptstadt kommen. Unter anderem haben die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Großbritanniens Premierminister David Cameron, Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, sein italienischer Kollege Matteo Renzi ihr kommen angekündigt. Österreich wird bei dem Marsch durch Nationalratspräsidentin Doris Bures vertreten. Auch Innenministerin Mikl-Leitner will an der Solidaritätskundgebung teilnehmen.