Erstellt am 14. Januar 2015, 11:12

von APA Red

"Charlie Hebdo" bereits ausverkauft. Kurz nach dem Verkaufsstart der ersten "Charlie-Hebdo"-Ausgabe nach dem blutigen Terroranschlag auf die Redaktion ist das Heft an französischen Kiosken bereits ausverkauft. Die erste Million ausgelieferter Exemplare sei bereits vergriffen, hieß es am Mittwochvormittag.

Die Gesamtauflage wurde auf fünf Millionen erhöht. Zum Anschlag bekannte sich unterdessen der jemenitische Al-Kaida-Ableger.

Heft wurde in fünf Sprachen übersetzt

Am Nachmittag sollen weitere Exemplare ausgeliefert werden. Insgesamt sollen bis Samstag drei Millionen Zeitungen an die Kioske gehen, die restlichen zwei Millionen bis kommenden Mittwoch, teilte der Zulieferer am Mittwochvormittag mit.

In vielen Kiosken der Hauptstadt Paris war das Satiremagazin bereits um 7.00 Uhr in der Früh ausverkauft, vielerorts hingen Schilder mit "Kein Charlie Hebdo mehr".

Insgesamt wurde das aktuelle Heft in fünf Sprachen übersetzt und in mehr als 20 Ländern ausgeliefert. In Österreich ist das Heft gegenwärtig nicht erhältlich. Morawa teilte auf APA-Anfrage mit, möglicherweise erhalte man kommende Woche einige Exemplare.

In der jüngsten Ausgabe machen sich die noch lebenden Macher von "Charlie Hebdo"über die islamistischen Terroristen lustig, die beim Angriff auf die Redaktion zwölf Menschen erschossen hatten. In Karikaturen werden die Terroristen als geistig minderbemittelte Idioten der Lächerlichkeit preisgegeben.

Ägyptische Islamgelehrte mit scharfer Kritik

Das Titelbild zeigt erneut eine Mohammed-Karikatur. Über der Zeichnung steht "Tout est pardonné" (Alles ist vergeben). Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed bildlich dargestellt werden. Frühere, zum Teil sehr derbe Mohammed-Karikaturen von "Charlie Hebdo" gelten als Hintergrund des Terrorangriffs auf die Redaktion.

Der jemenitische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hat sich unterdessen zu dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" bekannt. "Es wurden Helden rekrutiert, und sie haben gehandelt", erklärte einer der Anführer von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), Nasser Ben Ali al-Ansi, in einem am Mittwoch im Internet erschienenen Video.

Ägyptische Islamgelehrte reagierten mit scharfer Kritik auf die neue "Charlie Hebdo"-Ausgabe. Diese "ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit" werde eine neue Welle des Hasses auslösen, erklärte die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo. Die Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) hatte zuletzt im Internet mit weiteren Angriffen auf Frankreich gedroht.

Iran-Außenamt: Missbrauch der Pressefreiheit

Auch der Iran hat das Titelbild der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe verurteilt. "Das ist eine provokative Geste und für Muslime verletzend", sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Mittwoch in Teheran. Sie sprach von einem Missbrauch der Pressefreiheit, der für Muslime inakzeptabel sei. Respekt für religiöse Heiligkeiten sei ein weltweit anerkanntes Prinzip, das auch europäische Staatsmänner akzeptieren sollten, so die Sprecherin.

In der mehrheitlich muslimischen Türkei hat die linksnationalistische Zeitung "Cumhuriyet" vier Seiten der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe als Beilage nachgedruckt. Das regierungskritische Blatt berichtete, die Polizei habe die Lastwagen mit den frisch gedruckten Zeitungen in Istanbul in der Nacht auf Mittwoch gestoppt.

Nachdem die Polizei festgestellt habe, dass die Karikatur des Propheten Mohammed von der neuen "Charlie Hebdo"-Titelseite nicht in dem Nachdruck enthalten ist, habe die Staatsanwaltschaft die Weiterfahrt erlaubt.

Türkische Zeitung will "Kampf der Meinungsfreiheit unterstützen"

"Cumhuriyet" nannte den Nachdruck, der mit türkischen Texten erschien, "ein Beispiel der Solidarität". Auf der Titelseite schrieb das Blatt: "Wir wollen den Kampf der Meinungsfreiheit in der Welt unterstützen." Chefredakteur Utku Cakirözer erklärte, man habe auf Religionsfreiheit ebenso wie auf religiöse Empfindlichkeiten geachtet. Die ultrakonservative Zeitung "Yeni Akit" kritisierte den Nachdruck als "große Provokation".

Der umstrittene französische Komiker Dieudonne ist unterdessen unter dem Vorwurf der Verherrlichung des Terrorismus festgenommen worden. Das verlautete am Mittwoch aus französischen Justizkreisen. Bereits am Montag hatte die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen dieses Vorwurfs gegen den Komiker eingeleitet.

Der 48-Jährige hatte in einem Facebook-Eintrag den Solidaritäts-Spruch "Ich bin Charlie" für die Anschlagsopfer mit dem Namen des Attentäters in einem jüdischen Supermarkt vermischt. Dieudonne wandelte ihn in "Ich fühle mich wie Charlie Coulibaly" um und verwendete dabei den Nachnamen von Amedy Coulibaly, der bei zwei Anschlägen fünf Menschen getötet haben soll, bevor Polizisten ihn am Freitag erschossen.

Dieudonne hatte schon vor einem Jahr international für Schlagzeilen gesorgt. Gegen den Komiker wurden damals in Frankreich wegen judenfeindlicher Äußerungen in seinem Bühnenprogramm mehrere Auftrittsverbote verhängt. Von ihm stammt auch der "Quenelle"-Gruß, der an den Hitler-Gruß erinnert.