Erstellt am 21. September 2016, 14:49

Todesdrohungen gegen US-Football-Profi. Football-Profi Colin Kaepernick hat am Dienstag gesagt, dass er mehrere Todesdrohungen wegen seiner Protestaktionen beim Abspielen der US-Nationalhymne erhalten habe.

 |  APA/ag.

Er hätte zwar mit Kritik an seinem Verhalten gerechnet, "an so etwas habe ich aber nicht gedacht", erklärte der 28-Jährige, der seit den NFL-Testpartien im August bei der US-Hymne stets niederkniet und nicht steht.

"Sollte so etwas passieren, würde es genau mein Ansinnen beweisen", lautete Kaepernicks Antwort, als er auf die Möglichkeit angesprochen wurde, dass diese Morddrohungen wahr werden könnten.

Der Backup-Quarterback der San Francisco 49ers sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. "Ich werde nicht aufstehen, um meinen Stolz für die Flagge eines Landes zu zeigen, das Schwarze und Farbige unterdrückt", hatte Kaepernick seinen Hymnen-Protest nach einem Vorbereitungsspiel gegen die Green Bay Packers am 26. August begründet. "Für mich ist das größer als Football, und es wäre selbstsüchtig von mir, würde ich wegsehen", betonte der 1,96 m große Sohn eines Afroamerikaners, der bei weißen Adoptiveltern aufgewachsen ist.

Seinem Protest, der große Diskussionen in den USA ausgelöst hat, haben sich inzwischen einige NFL-Profis angeschlossen. Mitunter knien sie nicht nieder, sondern erheben ihre Faust beim Abspielen der Hymne. Diese "Black Power"-Geste wurde durch die US-Olympioniken Tommie Smith und John Carlos berühmt. 1968 hatten die beiden Afroamerikaner bei der 200-m-Siegerehrung in Mexiko ihre in einem schwarzen Handschuh steckende geballte Hand in den Himmel gestreckt, um während der US-Hymne für Menschenrechte zu protestieren. Auch Olympiasieger Smith und sein drittplatzierter Teamkollege Carlos hatten damals Todesdrohungen erhalten.

Kaepernick erinnerte am Dienstag an den jüngsten Fall von rassistisch motivierter Polizeigewalt am vergangenen Freitag in Tulsa/Oklahoma, bei dem der 40-jährige unbewaffnete Afroamerikaner Terence Crutcher erschossen wurde. "Sie haben auf einen Mann geschossen und ihn getötet und sind anschließend um ihn herumgegangen, als würde es sich um kein Lebewesen handeln", lautete Kaepernicks Kommentar zu den schockierenden Videobildern, welche die Polizei in Tulsa am Montag zu dem Vorfall veröffentlicht hatte.

"Das ist das perfekte Beispiel dafür, um was es geht", bekräftigte Kaepernick, der nun zehn Monate lang jeweils 100.000 US-Dollar (rund 89.400 Euro) für wohltätige Zwecke spenden will. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Justiz in der Pflicht steht, solche Fälle von Polizeigewalt entsprechend zu bestrafen. "Es wird sehr viel aussagen, was nun mit der Polizistin geschieht, die den Mann erschossen hat", meinte Kaepernick mit Blick auf die Geschehnisse in Tulsa, die eine Mordanklage nach sich ziehen könnten.