Erstellt am 21. Juni 2014, 12:16

von APA Red

Costa Rica feiert WM-Coup. Costa Rica ist bisher die Sensation schlechthin bei der Fußball-WM in Brasilien. Zum zweiten Mal nach 1990 haben es die "Ticos" in ein WM-Achtelfinale geschafft.

Nach dem verdienten 1:0-Sieg gegen Italien am Freitag in Recife herrscht in dem mittelamerikanischen Land Ausnahmezustand. Auf die "Squadra Azzurra" wartet dagegen nun ein Schicksalsspiel um den Einzug in die K.o.-Phase gegen Uruguay.

Nach dem Schlusspfiff schien ein ganzes Land zu explodieren. Costa Ricas Staatspräsident Luis Guillermo Solis schwenkte umringt von Fans eine blau-weiß-rote Flagge, Tausende Menschen riefen auf den Straßen der Hauptstadt San Jose wieder und wieder: "Si, se pudo" (Ja, wir können). Mit Autokorsos und Hupkonzerten feierte Costa Rica bis weit in die Nacht den Achtelfinal-Einzug seiner Nationalmannschaft.

Das Spiel hatten Tausende Menschen in San Jose auf Großbildleinwänden verfolgt, während der Partie stand das Land weitgehend still. In Behörden, Unternehmen und Schulen versammelten sich die Menschen vor den Fernsehern. "Riese der Todesgruppe. Bad der Seligkeit für Costa Rica", schrieb die Zeitung "La Nacion". Der Sender "Teletica" dichtete überschwänglich: "Costa Rica 2, Weltmeister 0. Heute sind wir die Besten des Planeten!"

"Ich habe meinen Spielern vorher gesagt: Lasst uns die Geschichte verändern", sagte Trainer Jose Luis Pinto, als er nach den 94 Minuten vor die Presse trat. "Das ist ein historisches Ergebnis." Zum zweiten Mal nach 1990 befindet sich das 4,8-Millionen-Einwohner-Land unter den besten 16 Teams bei einer Weltmeisterschaft. Im Euphorie- und Adrenalinschub nach dem verdienten Erfolg gegen den viermaligen Titelträger wurde auch jegliche verbale Zurückhaltung ad acta gelegt. "Wir wollen auch gegen England gewinnen. Und wir wollen noch mehr als das Achtelfinale", tönte Pinto.

Torschütze und Kapitän Bryan Ruiz, der mit seinem Tor (44.) noch dazu das WM-Aus Englands besiegelte, verkündete nach seiner Ehrung zum "Man of the Match": "Unser erstes Ziel haben wir erreicht. Jetzt wollen wir sehen, was noch möglich ist." Taktisch in einem variablen 5-2-2-1 System perfekt auf- und eingestellt, beeindruckten die couragierten Costa Ricaner gegen die Italiener auch mit ihrer körperlichen Präsenz und legten alles in allem eine Selbstverständlichkeit an den Tag, die in der Fachwelt für Erstaunen sorgt.

"Das ist eine starke Mannschaft mit Spielern von großer Qualität. Costa Rica war extrem gut organisiert und hat das sehr gut gemacht", sagte der geschlagene italienische Trainer Cesare Prandelli, der der Hitze keine Schuld für die Niederlage geben wollte. Seinem Team droht nach einem blutleeren Auftritt nun das gleiche Schicksal wie den bereits gescheiterten Fußball-Großmächten Spanien und England. Am Dienstag braucht es gegen Uruguay zumindest einen Punkt, um in das Achtelfinale einzuziehen - aber auch definitiv eine Steigerung.

Im Mittelfeld konnte sich Andrea Pirlo nur selten der gegnerischen Kontrolle durch eine aggressive Raumdeckung entziehen, im Angriff musste Mario Balotelli zu oft den Alleinunterhalter mimen. Die Defensive, traditionell das Prunkstück der Italiener, präsentiert sich auch längst nicht mehr als ein unverwüstliches Bollwerk. Gerade das könnte gegen Uruguay-Stürmerstar Luis Suarez, der sich gegen England in WM-Form geschossen hat, zum Verhängnis werden.

Prandelli und einige Spieler formulierten nach der Partie dennoch forsch ihre Achtelfinal-Ansprüche. "Gegen Uruguay werden wir eine großartige Partie spielen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen", sagte Antonio Cassano. "Ich bin mir sicher: Gegen Uruguay werden wir es viel besser machen. Das Ergebnis ist absolut offen", sagte der Trainer. "Blicken wir nach vorne, wir haben die Qualität, um Uruguay zu schlagen", pflichtete Alessio Cerci bei.