Erstellt am 06. April 2014, 13:07

Davis-Cup-Team muss kleinere Brötchen backen. Österreichs Davis-Cup-Team bleibt auch 2015 die große Bühne Weltgruppe verwehrt.

Erstmals seit über zehn Jahren muss die rot-weiß-rote Equipe ein zweites Jahr in Folge in der Europa-Afrika-Zone verbringen. Die vorzeitige Niederlage in der Slowakei noch vor dem Schlusstag kam in dieser Form überraschend. Ohne den rekonvaleszenten Jürgen Melzer kam dieser Davis Cup für den aufstrebenden Dominic Thiem als Leistungsträger noch zu früh. Nun muss vom 12. bis 14. September in Lettland ein Sieg her, oder im Falle einer weiteren Niederlage spätestens vom 24. bis 26. Oktober voraussichtlich gegen Schweden oder Rumänien.

Doch so weit möchte im ÖTV verständlicherweise niemand denken. Unter Präsident Ronnie Leitgeb, der mit dem Viertelfinale 2012 in Spanien erstmals in diesem Amt tätig war, gab es nun in Spanien (1:4), in Kasachstan (1:3), in den Niederlanden (0:5) und nun in der Slowakei (Endstand folgt) vier Niederlagen en suite, allesamt auswärts. Kein einziges Single wurde vorbehaltlich der bedeutungslosen Partien am Sonntag gewonnen.

"Jedes Team hat seine Zeit"

Die nicht zuletzt auch durch die Verletzung von Jürgen Melzer erfolgte Verjüngung ist erfolgt. Und den Jungen muss man wohl auch etwas Zeit geben. "Das Team hat schon ganz anders ausgeschaut diesmal. Im Großen und Ganzen merkt man, dass die Jungen nachdrücken und auch ihre Chance bekommen müssen", sagte Leitgeb. "Davis Cup ist halt ein bisserl was anderes als Turniere spielen, noch dazu auswärts. Das ist sicher ein Lernprozess." Das junge Team müsse zusammenwachsen. "Jedes Team hat seine Zeit."

Für die nähere Zukunft, sprich dem Auswärts-Länderkampf in Lettland, sieht Leitgeb aber schon wieder Land in Sicht. "Wenn man überlegt, Dominic hat sich vom letzten Davis Cup bis heute in seinem Ranking fast halbiert und im Herbst haben wir hoffentlich auch den Jürgen wieder voll fit zur Verfügung. Dann schaut unser Team gleich wieder viel stärker und ganz anders aus."

Melzer warnt vor Lettland

Jürgen Melzer hat jedenfalls keinerlei Absichten, seine Davis-Cup-Karriere bald zu beenden. "Das stand nie zur Debatte", versicherte Melzer. Er warnte vor Lettland. "Wenn (Ernests) Gulbis spielt, dann wird es um einiges gefährlicher", sagte Melzer und fügte scherzend hinzu, "aber das hat der Günter (Bresnik, sein Trainer, Anm.) in der Hand, das kann er regeln für uns."

Was Melzer aber bedauert, ist freilich, dass er im Herbst seiner Karriere nun ein weiteres Jahr auf Weltgruppen-Niveau verliert. "Es ist halt schade. Wir verlieren jetzt quasi ein Jahr, in dem ich auf sehr gutem Niveau spiele und Dominic da ran kommt. Man kann jetzt nur das Beste daraus machen und in Lettland bestehen."

"Schauen, was wir besser machen können"

Die Enttäuschung war natürlich auch bei Kapitän Clemens Trimmel nach seinem fünften Davis Cup in dieser Funktion (Premiere mit dem 3:2-Heimsieg über Russland 2012) groß. "Das muss man alles erst einmal schlucken", sagte der Wiener, gab aber auch zu bedenken, dass man in den letzten Jahren auch "privilegiert" gewesen sei, in der Weltsportart Tennis eine Pendelnation zu sein. "Wir waren vor zwei Jahren im Viertelfinale, jetzt sind wir halt weiter unten. Fakt ist, da spielen die 16 besten Tennis-Nationen der Welt." Man müsse sich nur anschauen, welche Nationen im Play-off warten würden mit den USA, Spanien oder Argentinien.

"Wir werden aufstehen, zurückkommen und schauen, was wir besser machen können. Jetzt ist das Ziel, Lettland zu schlagen", versprach Trimmel. "Vielleicht weiß man es jetzt auch von den österreichischen Sportfans mehr zu schätzen, was es heißt, in der Weltgruppe zu spielen. Dort wollen wir auch wieder hin. Die Spieler sind motiviert, weil das das große Kino, die große Bühne ist."

Und selbst auf der großen Bühne sind für die besten Teams Siege gegen vermeintliche Außenseiter keine Selbstverständlichkeit. Betrachtet man beispielsweise die stark besetzte Schweiz mit Roger Federer und Stanislas Wawrinka, so hätte wohl kaum jemand gedacht, dass die Eidgenossen zu Hause gegen Kasachstan nach zwei Tagen mit 1:2 in Rückstand geraten würden. Trimmel hörte dies zum ersten Mal, doch drehte er den Spieß um: "Nichtsdestotrotz müssen es auch einmal schaffen, dass wir auch einmal gegen gute Nationen als Außenseiter gewinnen können. Jetzt gilt es einmal kleinere Brötchen zu backen, da müssen wir durch."