Erstellt am 14. Juni 2014, 09:14

Debakel von Weltmeister Spanien. Spanien hat einen kapitalen Fehlstart in die Fußball-WM hingelegt. Der Weltmeister 2010 kam am Freitag zum Auftakt der Gruppe B gegen die Niederlande 1:5 (1:1) unter die Räder.

Die Spanier gingen zwar in Salvador durch Xabi Alonso in Führung (27./Foul-Elfmeter), wurden danach aber von den "Oranjes" deklassiert - Robin van Persie (44., 72.), Arjen Robben (53., 80.) und Stefan de Vrij (64.) trafen.

Damit gelang den Niederländern auch eindrucksvoll die Revanche für das WM-Finale vor vier Jahren. Im Juli 2010 hatten sich die Spanier im Endspiel in Johannesburg mit 1:0 nach Verlängerung durchgesetzt. Diesmal wurden die Spanier jedoch nach der Pause von den entfesselten Van Persie und Robben gedemütigt, vor allem die vor wenigen Wochen noch gefeierten Champions-League-Sieger Iker Casillas und Sergio Ramos waren völlig von der Rolle.

Diego Costa wieder fit

Nur in der Anfangsphase wurden Erinnerungen ans Finale vor vier Jahren geweckt. Damals war Robben alleine aufs spanische Tor gelaufen und an Casillas gescheitert, diesmal wurde Wesley Sneijder vom spanischen Goalie zunächst noch entzaubert (8.). Casillas war einer von gleich sieben Spaniern, die im Endspiel 2010 und auch am Freitag in der Startelf von Teamcoach Vicente del Bosque standen.

Neu bei den Iberern war hingegen u.a. der nach einer Oberschenkelblessur rechtzeitig fit gewordene Diego Costa. Der gebürtige Brasilianer wurde bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgebuht und bei seiner ersten Offensivaktion von seinem Spezialbewacher Ron Vlaar gestoppt (13.). Nach rund einer Viertelstunde übernahmen die Spanier kurz das Kommando.

Diego Costa holte dann nach nur 26 Minuten seines ersten Pflichtspiels für Spanien gleich einen Elfmeter heraus. Der Stürmer von Atletico Madrid ging nach einem Tackling von De Vrij zu Boden, Referee Nicola Rizzoli zeigte auf den Elferpunkt. Der Italiener sorgte damit für die nächste zumindest diskussionswürdige Entscheidung. Xabi Alonso trat an und verwertete flach ins linke Eck zum 1:0 (27.).

Mit Kopfball zum Ausgleich

Die Abwehr der "Oranjes" war vor allem bei Lochpässen immer wieder anfällig, doch David Silva scheiterte mit einem lässigen Lupfer an Tormann Jasper Cillessen (43.). Im Gegenzug gelang den Niederländern der Ausgleich. Nach weiter Flanke von Daley Blind entwischte Van Persie seinem Gegenspieler Ramos und setzte einen spektakulären Flugkopfball aus zwölf Metern über den verdutzten Casillas zum 1:1 ins Tor (44.).

Van Persie ist somit der erste Niederländer, der bei drei verschiedenen WM-Endrunden (2006, 2010, 2014) getroffen hat. Die Niederländer rochen nun Lunte und schlugen kurz nach dem Wechsel neuerlich zu. Wieder lieferte Blind mit einem perfekt getimten Diagonalpass die Vorlage. Robben nahm den Ball elegant an, ließ Gerard Pique aussteigen und schoss den von Ramos abgefälschten Ball zum 2:1 ein (53.).

Die Niederländer waren danach wie entfesselt, Van Persie knallte den Ball an die Latte (60.) und wenig später war Casillas zum dritten Mal geschlagen. Bei einer Freistoß-Flanke von Sneijder von der linken Seite kam der spanische Tormann nicht an den Ball, wurde dabei aber von Van Persie im Fünfmeterraum gecheckt. Am langen Eck wartete De Vrij und drückte den Ball per Kopf über die Linie (64.).

Teamchef "konnte Glück kaum fassen"

Dann leistete sich Casillas ein peinliches Blackout, ein harmloser Rückpass sprang ihm viel zu weit vom Fuß, Van Persie war zur Stelle und rollte zum 4:1 ein (72.). Doch es war für die Spanier noch lange nicht ausgestanden. Robben sprintete der gesamten spanischen Defensive davon, narrte Ramos und Casillas und schoss wuchtig zum 5:1 ein (80.). Im Finish verhinderte Casillas dann ein noch höheres Debakel.

Beim Gewinn der EURO 2012 hatten die Spanier übrigens im gesamten Turnierverlauf nur ein Gegentor hinnehmen müssen. Selbst "Oranje"-Teamchef Louis van Gaal, der für die Systemumstellung weg vom legendären 4-3-3 hart kritisiert worden war, konnte sein Glück kaum fassen. Die Spanier stehen hingegen bereits vor dem zweiten Match unter Druck. Das waren sie aber auch 2010, damals hatte es zum Auftakt ein 0:1 gegen die Schweiz gegeben.