Erstellt am 27. Juni 2014, 13:07

von APA Red

DFB-Coach Löw warnt vor Algerien. In Deutschland wird über Achtelfinal-"Glücksgegner" Algerien gejubelt, in Brasilien aber vermeidet Joachim Löw jede Euphorie.

Der deutsche Fußball-Teamchef öffnete für seine WM-Gruppensieger nach der Rückkehr vom 1:0 gegen die USA das Campo Bahia für die Spielerfrauen, er selbst fokussierte sich schon auf den nächsten Gegner. "Dass die Algerier unbequem sind, haben sie bewiesen", sagte Löw.

Der ehemalige Austria- und Tirol-Trainer warnte vor dem Duell am Montag in Porto Alegre mit dem krassen Außenseiter aus Nordafrika: "Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keine Wunschgegner, auch keine einfachen Gegner, schon gar nicht in den K.o.-Spielen."

Löw und seine Spieler hatten sich auf dem Rückflug nach Porto Seguro befunden, als sich der Weltranglisten-22. mit einem 1:1 gegen Österreichs in der Gruppenphase gescheiterten EM-Qualifikationsgegner Russland in Gruppe G überraschend den zweiten Platz hinter Belgien sicherte. Porto Alegre, Rio de Janeiro, Belo Horizonte und noch mal Rio - so lautet der Wunsch-Reiseplan der Deutschen bis zum Finale am 13. Juli.

"Wir haben riesigen Ehrgeiz, ein großes Ziel zu erreichen", verkündete Siegestorschütze Thomas Müller. "Wir sind nicht hier, um ins Achtelfinale zu kommen und dann auszuscheiden. Wir sind hier, um den Titel zu holen", betonte Mesut Özil.

"Jetzt geht es um alles oder nichts. Entweder man gewinnt oder man fährt nach Hause", erklärte Löw und versprach den Fans für das erste von erhofften vier Endspielen: "Wir werden uns auf Algerien gut vorbereiten." Die Historie allerdings warnt: Gegen die Nordafrikaner hat Deutschland erst zwei Länderspiele bestritten - beide wurden verloren. Das letzte 1982 mit 1:2 bei der WM in Spanien.

"Man kennt ja die nordafrikanischen Mannschaften", erklärte Torwart Manuel Neuer: "Sie sind sehr agil, sie rennen rauf und runter, sind auch vom Einsatz her da. Am Ball können sie eigentlich alles." Ein größeres Kaliber als Jürgen Klinsmanns Amerikaner aber dürfte Algerien keinesfalls darstellen. "Ich sehe jetzt keine Mannschaft, die unschlagbar ist", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Auch Klinsmann traut seinem Nachfolger Löw den großen Wurf in Südamerika zu. "Deutschland ist unter den vier, fünf Favoriten", urteilte der ehemalige Bundestrainer, der wie sein Freund Löw froh war, dass das brisante Match in Recife für beide gut ausgegangen war. "Es wurde relativ viel Wind gemacht um unser Duell. Ich bin froh, dass es jetzt abgehakt ist", gestand Klinsmann.

Der erste Druck ist beim deutschen Team abgefallen. "Es wäre eine Schande gewesen, wenn wir nicht ins Achtelfinale eingezogen wären", sagte Neuer. "Wir haben definitiv einen großen Schritt nach vorne gemacht", resümierte Lahm.

Löws wichtigste Erkenntnis in Recife war, dass er nun im Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger eine echte Alternative zu Sami Khedira hat. Mit dem Bayern-Mittelfeld Lahm, Kroos, Schweinsteiger trat das DFB-Team "absolut dominant" auf, wie Löw hervorhob. 75 Minuten lang haute sich besonders der erstmals in der Startelf aufgebotene Vize-Kapitän Schweinsteiger in jeden Zweikampf, kurbelte das Offensivspiel an und strahlte exakt jene Präsenz aus, die in der Zentrale erforderlich ist.

Bei einem Favoritensieg gegen Algerien wäre im Viertelfinale im Endspielstadion Maracana von Rio Frankreich oder Nigeria der Gegner. Und im Halbfinale würde auf jeden Fall eine Mannschaft aus Südamerika warten, womöglich Gastgeber, Rekord-Weltmeister und Topfavorit Brasilien.