Erstellt am 24. April 2016, 09:38

von APA/Red

Die Bundespräsidentenwahl hat begonnen. Weniger für Ausflugswillige, dafür aber für die Demokratie günstig ist das Wetter am heutigen Wahlsonntag: Kalter Wind und hohe Regengefahr sollten zusätzlich dafür sorgen, dass relativ viele der 6,4 Millionen Wahlberechtigten den Weg in die Wahllokale finden.

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 Angesichts der vielen Bewerber und des erwarteten ungewöhnlichen Wahlausganges wird ohnehin ein deutlich Anstieg der Beteiligung erwartet. 

Denn bei der vorigen Bundespräsidentenwahl fiel sie auf erschreckend niedrige 53,57 Prozent, so wenig wie bei keiner anderen Hofburg-, Nationalrats- oder Landtagswahl je zuvor in Österreich. Damals ging es allerdings "nur" um die von vornherein sichere Wiederwahl Heinz Fischers - ohne ÖVP-Gegenkandidaten.

Das ist heuer anders: Nicht nur die SPÖ (Rudolf Hundstorfer) und wie 2010 die FPÖ (Norbert Hofer) haben Kandidaten im Rennen, auch die ÖVP (Andreas Khol) und die Grünen (Alexander Van der Bellen). Dazu gibt es noch zwei parteifreie Bewerber, Irmgard Griss und Richard Lugner. Was noch viel motivierender wirken könnte auf die Wähler: Der Ausgang war bis zuletzt relativ offen - und es ist ein Bruch mit der Tradition zu erwarten.

Bisher war die Hofburg fest in der Hand der Traditionsparteien: In den bisher zwölf Volkswahlen setzten sich immer Kandidaten von SPÖ oder ÖVP durch. Von den bisher sieben direkt gewählten Staatsoberhäuptern kamen fünf aus der SPÖ bzw. wurden von ihr unterstützt, und zwei von der ÖVP.

Heuer geben die Meinungsforscher den Oppositions-Bewebern und auch der unabhängigen (etwas von NEOS-Seite unterstützten) Griss die weitaus besseren Chancen. Erwartet wird, dass Hofer, Van der Bellen oder Griss in die Stichwahl einziehen. Die Überraschung des Wahltages wäre, wenn es Hundstorfer oder Khol gelingt. Österreichweiter Wahlschluss ist 17.00 Uhr. Erst danach dürfen die ersten Ergebnisse und Hochrechnungen veröffentlicht werden. Das vorläufige Endergebnis liegt üblicherweise rund um 19.30 Uhr vor.

Höchst überraschend wäre auch, wenn einer der sechs Bewerber auf mehr als 50 Prozent käme. Dies ist aber nötig, um Bundespräsident zu werden, womit davon auszugehen ist, dass es am 22. Mai zur Stichwahl kommt.

Nicht ausgeschlossen ist freilich, dass die sonntägliche Urnenwahl sehr knapp ausgeht. Dass also im vorläufigen Endergebnis, das Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) rund um 19.30 Uhr verlesen wird, die Bewerber am zweiten und dritten Platz sehr eng beieinander liegen. Dann könnten die Briefwähler den Ausschlag geben. Ihre Stimmen werden erst am Montag ausgezählt.

Das werden nicht wenige sein: 641.975 Wahlkarten (fast 40.000 davon aus dem Ausland) wurden angefordert, das entspricht zehn Prozent der Wahlberechtigten. Auch das ist ein Indiz dafür, dass die Wahlbeteiligung diesmal deutlich ansteigen wird.

Denn es wurden fast so viele Wahlkarten angefordert wie bei der NR-Wahl 2013. Damals waren es 668.810, fast 535.000 wurden für die Briefwahl verwendet (Wahlkarten dienen auch zur Stimmabgabe in "fremden" Wahllokalen am Sonntag), und die Beteiligung kam damit auf 74,91 Prozent. Bei der EU-Wahl 2014 wollten nur 444.000 Wahlberechtigte eine Karte, die Beteiligung fiel mit 45,39 Prozent sehr gering aus.