Erstellt am 06. Juni 2016, 15:24

von APA/Red

Djokovic geht nach Paris-Triumph auf Grand Slam los. Fast ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis nun wieder ein Tennisspieler alle vier Grand-Slam-Titel zur gleichen Zeit hält.

Der Serbe hat sich in Paris einen großen Traum erfüllt  |  NOEN, APA (AFP)

 Auf zuletzt den Australier Rod Laver 1969 folgte am Sonntag mit seinem ersten Titelgewinn bei den French Open Novak Djokovic. Der Serbe hat mit dem Paris-Triumph ein ihm wichtiges Ziel abgehakt, mit dem Grand Slam und sogar dem Golden Slam aber heuer noch zwei Vorhaben.

Neben Laver (auch 1962) hatte der US-Amerikaner Don Badge die Regentschaft über alle Majors gleichzeitig innegehabt, und zwar 1938. Und beide Legenden holten in diesen Jahren auch den echten Grand Slam (Sieg bei allen vier großen Turnieren in einem Kalenderjahr). Djokovic hatte dafür schon im Vorjahr nur ein Sieg gefehlt, nämlich der im Paris-Finale. Nachdem er dort vom Schweizer Stan Wawrinka besiegt worden war, feierte der "Djoker" auf Grand-Slam-Ebene 28 Match-Erfolge en suite. Noch 14 weitere mehr, und der Grand Slam wäre perfekt.

Würde der 29-Jährige dazu auch noch in Rio de Janeiro Olympia-Gold holen, wäre es sogar der Golden Slam. Den hatte 1988 bisher nur bei den Damen die Deutsche Steffi Graf geholt. "Ich will nicht überheblich klingen, aber ich denke, dass alles im Leben erreichbar ist. Ob ich das schaffe oder nicht - es ist immer noch eine Möglichkeit", sagte der Tennis-Weltranglisten-Erste in Paris nach seinem ersten Triumph im Stade Roland Garros.

Allerdings schränkte Djokovic auch ein: "Ich denke jetzt nicht darüber nach." Er wolle zunächst diesen Triumph genießen, dem er lange vergeblich hinterhergelaufen war. Vor dem 3:6,6:1,6:2,6:4 gegen den Schotten Andy Murray am Sonntag hatte Djokovic drei Endspiele bei den French Open verloren. Nun erhielt er auch von Laver Lob und Ansporn. "Gratuliere, Novak, zu dieser großartigen Leistung", sagte der 77-Jährige in einer Video-Botschaft. "Ich wünsche dir für Wimbledon und US Open das Beste."

Mit dem Einzug in nun sechs Grand-Slam-Endspiele en suite jagt Djokovic zudem weiter die Serie von Spitzenreiter Federer mit zehn Major-Finali in Serie. Der Eidgenosse hatte das von Wimbledon 2005 bis zu den US Open 2007 geschafft und nimmt mit einer weiteren Achter-Serie (French Open 2008 bis Australian Open 2010) auch den zweiten Platz direkt vor Djokovic ein. Der zog mit seiner 20. Grand-Slam-Finalteilnahme mit Nadal gleich, nur noch Federer mit 28 hat mehr.

Djokovic nannte den Konkurrenzkampf mit den einstigen Weltranglisten-Ersten Federer und Nadal als seinen größten Ansporn. "Am Anfang war ich nicht glücklich, Teil ihrer Ära zu sein. Dann habe ich verstanden, dass alles im Leben einen Sinn hat und ich stärker werden muss", sagte Djokovic. Federer anerkannte die Leistung seines Rivalen. "Jetzt hat er alle am Stück gewonnen. Das ist Weltklasse, das ist selten", erklärte der 34-Jährige im Rahmen des Stuttgarter Rasenturniers.

Viele andere Spieler gratulierten via Twitter. Daheim in Serbien überschlugen sich die Medien ein weiteres Mal mit Lobeshymnen. "Novak macht sich mit Sieg in Roland Garros unsterblich", schrieb die Zeitung "Novosti" und fügte hinzu: "Er war der Größte, jetzt ist er eine Legende." Djokovic habe den Mount Everest bestiegen, so das Nachrichten-Portal B92, nachdem er als achter Spieler nun alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen hat.

"Djokovic verjagt die alten Geister - endlich Paris", notierte die italienische Zeitung "La Repubblica". "Djokovic, stärker als Nadal und Federer", urteilte die französische Sportzeitung "L'Equipe". Beide gewannen die vier wichtigsten Turniere nie nacheinander. Federer empfindet deswegen keine Wehmut. "Jeder hat seine Karriere, jeder hat seine Meilensteine gehabt."

Ein bisschen in Vergessenheit droht über der sporthistorischen Leistung von Djkokovic Finalist Andy Murray zu geraten. Zu Unrecht: Der nur sieben Tage ältere Olympiasieger von 2012 ist erst der zehnte Spieler der Profi-Geschichte, der in allen Grand-Slam-Endspielen stand. Pech nur, dass in Melbourne und Paris immer Djokovic im Weg stand. Von bisher zehn Final-Teilnahmen hat der Brite lediglich zwei für sich entschieden.