Erstellt am 18. November 2015, 19:42

von APA/Red

Drahtzieher von Paris-Terrorattacken möglicherweise tot. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, ist offenbar tot.

Das berichtete die "Washington Post" am Mittwoch unter Berufung auf Geheimdienstkreise. In einer Pressekonferenz sagte Staatsanwalt Francois Molins, dass Abaaoud nicht unter den bei einem Einsatz in Saint-Denis in Paris festgenommenen Verdächtigen ist. Die Identität der Getöteten werde noch ermittelt.

Fest steht nur, dass bei einem Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis am Mittwoch zwei Verdächtige getötet wurden. Darunter war auch eine Frau, die sich in die Luft sprengte. Laut Molins war die überwältigte Gruppe bereit zu weiteren Aktionen.

Auswertungen überwachter Telefongespräche

Auswertungen überwachter Telefongespräche hatten die französischen Ermittler auf die Spur nach Saint-Denis gebracht. Daraus hätten sich Hinweise ergeben, dass sich Abaaoud dort in einer Wohnung aufhalten könnte, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Unter den sieben Festgenommenen ist ein Mann, der die Wohnung zur Verfügung gestellt hatte, sowie eine Bekannte von ihm.

Der Mann sagte Berichten zufolge, er habe auf Bitte eines Freundes "zwei seiner Kumpel" aus Belgien in seiner Wohnung untergebracht. Er habe einen Gefallen tun wollen und nicht gewusst, dass es "Terroristen" waren. Er wurde anschließend von der Polizei in Handschellen abgeführt.

Eliteeinheiten hatten seit dem frühen Morgen eine Wohnung in Saint-Denis belagert, in der sich mehrere Verdächtige verschanzt hatten. Die Pariser Staatsanwaltschaft erklärte, eine Frau habe zu Beginn des Polizeieinsatzes eine Sprengstoffweste zur Explosion gebracht. Drei Männer seien in der Wohnung von Elitepolizisten festgenommen worden. Nahe der Wohnung sei es zu weiteren Festnahmen gekommen. Auch rund 50 Soldaten waren in Saint-Denis im Einsatz, um den Einsatzort zu sichern.

Tausende Einwohner saßen in ihren Wohnungen fest

Während des Einsatzes, bei dem sieben Polizisten verletzt wurden. saßen Tausende Einwohner in ihren Wohnungen fest. "15.000 bis 20.000 Personen wohnen in dem Viertel des historischen Zentrums und dürfen derzeit ihre Wohnungen nicht verlassen", sagte der beigeordnete Bürgermeister Stephane Peu noch während des Einsatzes. Er berichtete von einem fast ununterbrochenen Schusswechsel, der eineinviertel Stunde gedauert habe. Etwa 15 Menschen, darunter Kinder, seien aus dem von den Spezialkräften gestürmten Gebäude in Sicherheit gebracht worden.

Nach dem Anti-Terror-Einsatz haben Psychologen mehrere Dutzend traumatisierte Anrainer betreut. Zur Mittagszeit waren etwa 30 Menschen in einer Klinik untergebracht, wie ein Mediziner an Ort und Stelle mitteilte.

Im nördlich von Paris gelegenen Saint-Denis befindet sich die Fußballarena Stade de France, die eines der Ziele der Anschläge war. Die Polizei fahndet nach mindestens einem flüchtigen Verdächtigen, dem 26-jährigen Salah Abdeslam. Nach ihm wird auch in Belgien gesucht. Am Dienstagabend tauchte ein Video auf, das auf einen möglichen weiteren flüchtigen Attentäter hindeutet. Demnach hätte die Gruppe, die im Osten von Paris Bars und Restaurants angriff, aus drei Attentätern bestanden.

26-jährige Salah wird international gesucht

Nach zahlreichen Zeugenberichten saßen in dem Auto des Kommandos in Paris drei Insassen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um die Brüder Brahim und Salah Abdeslam sowie die mögliche weitere Person handelt. Der 26-jährige Salah wird international gesucht, Brahim hatte sich in die Luft gesprengt.

Die beiden Brüder waren bereits Anfang 2015 von belgischen Ermittlern verhört worden. Sie seien aber nicht weiter beobachtet worden, weil "keine Anzeichen einer möglichen Bedrohung" vorgelegen seien, erklärte die Staatsanwaltschaft in Brüssel. Der 31-jährige Brahim Abdeslam habe versucht, nach Syrien zu reisen, habe es aber "nur bis in die Türkei geschafft", sagte Behördensprecher Eric Van Der Sypt. "Er wurde bei seiner Rückkehr verhört, sein Bruder ebenso. Wir wussten, dass sie sich radikalisiert hatten und dass sie womöglich nach Syrien reisen würden, aber es gab keine Anzeichen einer möglichen Bedrohung".

Ihre französischen Kollegen schalteten die belgischen Ermittler nach Angaben Van Der Sypts nicht ein. "Selbst wenn wir sie Frankreich gemeldet hätten, bezweifle ich, dass man sie hätte aufhalten können." Gegen den späteren Selbstmordattentäter Brahim Abdeslam sei nicht weiter ermittelt worden, "weil wir keine Beweise hatten, dass er in die Aktivitäten einer Terrorgruppe verstrickt war".

129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt

Bei den Anschlägen auf die Konzerthalle Bataclan, auf eine Reihe von Bars und Restaurants sowie auf die Fußballarena Stade de France in Saint-Denis wurden mindestens 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt. Sieben Selbstmordattentäter starben. Zu dem Anschlag bekannte sich die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat". Seitdem gibt es umfassende Aktionen und Durchsuchungen der Polizei im ganzen Land.

Laut Innenminister Bernard Cazeneuve gab es seit Freitag 414 Hausdurchsuchungen. 64 Personen wurden demnach vorläufig festgenommen, 60 von ihnen kamen in Polizeigewahrsam. 118 Menschen seien unter Hausarrest gestellt worden. 75 Waffen wurden demnach beschlagnahmt. Cazeneuve unterstrich erinmal mehr die absolute Entschlossenheit der Regierung, den Terrorismus ohne Nachsicht zu bekämpfen.