Erstellt am 03. November 2015, 15:16

von APA/Red

Drei Debütanten im ÖFB-Teamkader für Schweiz-Länderspiel. Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller verzichtet auch zum Abschluss des erfolgreichen Länderspiel-Jahres 2015 auf Experimente.

Goalie Lukse rutscht für den verletzten Almer ins Team  |  NOEN, APA

Durch mehrere Verletzungen erhalten im Trainingslager kommende Woche in Spanien aber drei Neulinge eine Chance. Altach-Torhüter Andreas Lukse, Italien-Legionär Robert Gucher und der nachnominierte Mattersburg-Stürmer Karim Onisiwo stehen erstmals im Aufgebot.

Lukse ersetzt den bis Jahresende ausfallenden Stammtorhüter Robert Almer. Im Testspiel am 17. November in Wien gegen die Schweiz soll laut Koller Ramazan Özcan im Tor beginnen. Gucher nimmt nach Verletzungen von Christoph Leitgeb, Veli Kavlak, Yasin Pehlivan oder Valentino Lazaro im Mittelfeld den Platz von Stefan Schwab ein, der wie Verteidiger Michael Madl durch die Genesung von Martin Hinteregger auf die Abrufliste rückte.

Neben Almer fehlt auch Stuttgart-Angreifer Martin Harnik wegen einer Knieverletzung. Beim 28-Jährigen wurde am Dienstag ein Teilabriss des Außenbandes diagnostiziert. An seiner Stelle darf sich der 23-jährige Onisiwo empfehlen. Ein Fragezeichen steht hinter den Stammkräften Julian Baumgartlinger und Kapitän Christian Fuchs, die ebenfalls an Blessuren laborieren und mit dem Teamchef in Kontakt stehen.

"Es ist für uns wichtig, dass wir nicht Spieler nach Spanien mitnehmen, die dann die ganze Woche nur in der Reha sind", erklärte Koller. Die Ersatzleute, auch Madl und Schwab, hätten sich bisher gut präsentiert. "Es heißt für uns, dass der Kader größer geworden ist. Gerade in der Defensive ist die Konkurrenz größer geworden", meinte der Schweizer. "Das ist gut für uns, weil wir wissen, wenn einer ausfällt, dass ein anderer nachrücken kann."

Einige mögliche Alternativen wie Rapid-Youngster Louis Schaub oder HSV-Stürmer Michael Gregoritsch ließ Koller aus Rücksicht auf die dortigen EM-Qualifikationsspiele gegen Finnland (13. November) und in Deutschland (17. November) beim U21-Team. Auch die im Ausland tätigen U21-Torhüter Daniel Bachmann (Bury/ENG) und Ivan Lucic stehen bei Koller erstmals auf der Abrufliste.

Erstmals in den A-Kader schafften es Lukse, Gucher und Onisiwo. Der Altach-Torhüter war zuletzt zweimal auf Abruf. "Er macht einen guten Job da", sagte Koller über den 28-Jährigen. Der vier Jahre jüngere Gucher ist Kapitän von Serie-A-Aufsteiger Frosinone. Koller: "Durch die Verletzungen haben wir die Möglichkeit, ihn kennenzulernen und diesen Pool größer werden zu lassen. Da heißt es auch für andere Gas geben, damit sie im Mai-Juni 2016 dabei sind."

Bis dahin muss Koller seinen Kader für die EM in Frankreich beisammen haben. Von größeren Experimenten sieht er weiter ab, weil er auf keine arrivierten Kräfte verzichten will. "Wir haben die letzten vier Jahre auf Vertrauen gebaut", begründete der Teamchef. "Wir möchten nicht einen, der immer dabei war, wenn nichts mit einer Verletzung ist, rausschmeißen. So etwas gibt immer eine gewisse Unruhe. Da wollen wir vor der EM nicht allzu viel reinlassen ins Team."

Im Camp in Orihuela bei Alicante (9.-15. November) will Koller auch an Details im taktischen Bereich arbeiten. Völlig neue Systeme werden nicht eingelernt. "Wir wollen das, was wir gut machen, weiterhin gut umsetzen", sagte der 54-Jährige, der sich gegen ein mögliches zweites Testspiel ausgesprochen hat. "Da wird die Zeit noch kürzer." 2013 habe man damit gute Erfahrungen gemacht, meinte Koller auch im Hinblick auf den "zwischenmenschlichen Bereich".

Das Duell mit seinen Landsleuten ist für Koller "ein spezielles Spiel". 55 Länderspiele hat er für die Eidgenossen absolviert. "Ich habe immer für die Schweiz gespielt und noch nie gegen sie", erinnerte der Ex-Verteidiger. "Aber ich bin ehrgeizig genug. Klar möchte ich gewinnen, es ist aber kein Wunschkonzert." Die Schweizer liegen in der Weltrangliste nur knapp hinter Österreich. "Wir spielen auf Augenhöhe", meinte Koller. Bis Dienstag waren 21.000 Karten verkauft.