Erstellt am 07. März 2015, 23:10

Drei Festnahmen nach Mord an Kreml-Kritiker Nemzow. Bei den Ermittlungen zum Mord am Kremlkritiker Boris Nemzow ist nach Angaben der Behörden der Nordkaukasusrepublik Inguschetien ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden.

Damit stieg die Zahl der Festnahmen auf drei. Zwei der Verdächtigen seien Brüder, teilte Albert Barachajew vom Sicherheitsrat in der Republikhauptstadt Magas am Samstag mit.

Die Brüder Ansor und Schagid G. hätten länger in Moskau gelebt, der dritte Verdächtige, Saur D., sei einige Zeit in Tschetschenien gewesen, meldete die Agentur Interfax. Der russische Nordkaukasus ist islamisch geprägt. Extremisten kämpfen dort mit Anschlägen für ein eigenes Kalifat.

Schanna Nemzowa, die Tochter des Ermordeten, hat unterdessen schwere Vorwürfe gegen den Kreml erhoben. "Ich bin mir sicher, es war ein politisch motivierter Mord", sagte sie der "Bild am Sonntag". "Er wurde umgebracht, weil er gegen den Kreml war. Das ist klar." Kreml-Chef Wladimir Putin hatte den Mord als Provokation verurteilt.

"Mord mit voller Unterstützung der Machthaber"

Die 30-Jährige ist die älteste Tochter des vor gut einer Woche in der Nähe des Kremls hinterrücks erschossenen Nemzow. Sie ist überzeugt, dass "dieser Mord mit voller Unterstützung der Machthaber begangen wurde, dass die Täter sicher waren, dass sie nicht bestraft werden".

An eine Aufklärung des Mordes glaubt sie nicht: "Irgendjemand wird bestraft werden, aber nicht der wirklich Schuldige." Am Samstag hatten die Behörden mitgeteilt, es seien zwei Verdächtige im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen worden.

Die Folgen des Mordes schätzt Nemzowa als dramatisch ein: "Ich sehe keinen Oppositionspolitiker mehr in Russland, die Opposition ist enthauptet." Die Propaganda und der geschürte Hass seien so stark, dass sich selbst vernünftige Menschen oft nicht wehren könnten.