Erstellt am 04. August 2014, 21:05

von APA/Red

Dreitägige Waffenruhe im Gazastreifen angekündigt. Israel und palästinensische Vertreter haben sich nach ägyptischen Angaben auf eine dreitägige Feuerpause im Gazastreifen geeinigt.

Die Waffen sollten ab Dienstag 7.00 Uhr (MESZ) für 72 Stunden ruhen, sagte ein hoher ägyptischer Regierungsvertreter am Montagabend. Die israelischen Streitkräfte erklärten unterdessen, alle bisher bekannten Tunnel aus dem Gazastreifen zerstört zu haben.

Israel und palästinensische Vertreter hätten sich auf die dreitägige Feuerpause geeinigt. Zudem lädt Kairo hochrangige israelische und palästinensische Delegationen ein, um über eine langfristige Waffenruhe zu beraten.

Israel scheint prinzipiell aber nicht bereit die Militäroffensive zu beenden. "Wir werden nicht abziehen, wir werden im Gazastreifen bleiben", sagte Militärsprecher Moti Almos dem TV-Sender Channel 2, nachdem er zur vollständigen Zerstörung des Tunnelsystems Stellung nahm.

Israel hatte vor knapp vier Wochen Luftangriffe auf Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen gestartet und dabei nach palästinensischen Angaben mehr als 1.850 Palästinenser getötet. Mit den Luftangriffen sollte der Beschuss mit Raketen aus dem Gazastreifen gestoppt werden. Nach Beginn der Angriffe wurden auch Soldaten in den Gazastreifen geschickt. Auf israelischer Seite wurden in dem Konflikt 64 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

Trotz Waffenruhe wurde Kind bei Beschuss eines Flüchtlingslagers getötet

Am Montag hatte Israel einseitig eine siebenstündige Feuerpause ausgerufen. Nach Ablauf der Frist kündigte Regierungschef Benjamin Netanyahu an, der Militäreinsatz werde "erst enden, wenn für einen dauerhaften Zeitraum Ruhe und Sicherheit für Israels Bürger hergestellt sind". Trotz der Waffenruhe war am Morgen ein Kind beim Beschuss eines Flüchtlingslagers getötet worden.

Die einseitig von Israel erklärte Waffenruhe hatte offiziell von 10.00 bis 17.00 Uhr Ortszeit im Großteil des Gazastreifens gegolten. Nur Minuten nach Inkrafttreten wurde jedoch nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste ein Haus in einem Flüchtlingslager im Westen von Gaza beschossen, wobei ein acht- oder neunjähriges Mädchen getötet und etwa 30 Menschen verletzt wurden.

Die radikalislamische Hamas hatte angekündigt, sich nicht an die Waffenruhe zu halten. Laut israelischen Militärangaben feuerten die Palästinenser in den ersten Stunden der Feuerpause 24 Raketen ab. 15 von ihnen schlugen auf israelischem Gebiet ein.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft Israel Verstöße gegen das Kriegsrecht und mögliche Kriegsverbrechen im Gazastreifen vor. In einem am Montag veröffentlichten Bericht beschuldigt HRW die israelischen Streitkräfte unter Berufung auf palästinensische Augenzeugen, Zivilisten in dem Ort Chusaa im Süden des Gazastreifens beschossen und getötet zu haben.

"Willkürliche Angriffe auf Zivilisten sind Kriegsverbrechen"

"Willkürliche Angriffe auf Zivilisten, die nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, sind Kriegsverbrechen", erklärte HRW. Der Bericht bezieht sich auf Vorfälle in Khusaa nahe der Stadt Khan Junis vom 23. bis zum 25. Juli. In Khusaa verbliebene Zivilisten seien beschossen worden und von der Versorgung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Medizin abgeschnitten gewesen, heißt es in der HRW-Mitteilung. Beim Versuch, vor den Kämpfen zu Fuß nach Khan Junis zu fliehen, seien Einwohner willkürlich verhaftet oder beschossen worden, berichteten die Aktivisten unter Berufung auf geflohene Anrainer von Khusaa.

Der Beschuss einer UNO-Schule im Gazastreifen durch die israelische Armee sorgt unterdessen weiter international für Empörung. Großbritanniens Premierminister David Cameron schloss sich am Montag der Kritik von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon an, der den Angriff mit mindestens zehn Toten als moralisch verwerflich und "Verbrechen" verurteilt hatte. "Die UNO hat sich sehr deutlich geäußert und ich denke, sie hat Recht", sagte Cameron der BBC. Angriffe auf Zivilisten seien in jedem Fall "vollkommen falsch und illegal".

Präsident Hollande fordert Europa zum Handeln auf

Auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius verurteilte das Vorgehen des israelischen Militärs. Das Recht Israels auf Sicherheit "rechtfertigt nicht, dass man Kinder tötet und Zivilisten massakriert", sagte Fabius. Präsident Francois Hollande erklärte, angesichts der "Massaker" im Gazastreifen müsse Europa handeln.

Die Spannungen des Gazakonflikts griffen erneut auf Jerusalem über. Bei einem Attentat rammte ein Baggerfahrer einen Omnibus und tötete einen Israeli. Fünf weitere wurden verletzt, bevor Polizisten den Attentäter erschossen, wie die Polizei mitteilte. Demnach handelte es sich bei dem Mann um einen 25-jährigen Palästinenser aus Ost-Jerusalem. Kurz darauf wurde ein Soldat in der Nähe angeschossen und schwer verletzt, die Polizei fahndete nach dem Angreifer.