Erstellt am 10. Mai 2015, 15:43

Duell mit Deutschland wohl letzte Chance für ÖEHV-Team. Das erste Finalspiel um den Klassenerhalt wurde gegen Lettland (1:2 n.V.) unverdient verloren, am Montag (16.15 Uhr/live ORF Sport+) hat Österreichs Eishockey-Team die zweite und wohl letzte Chance. Österreich benötigt bei der WM in Prag gegen Deutschland zumindest einen Punkt, um sicher zu gehen, aber einen Sieg nach 60 Minuten, um erstmals seit elf Jahren nicht gleich wieder abzusteigen.

Daniel Ratushny trug trotz der Niederlage viel Optimismus zur Schau, die Entwicklung des Teams stimme ihn zuversichtlich. Der ÖEHV-Teamchef konnte mit dem Auftritt seiner Truppe tatsächlich zufrieden sein, lediglich die Effektivität vor dem Tor fehlte. "Das war unser stärkstes Spiel bei dieser WM", sagte der Kanadier.

Er hat gegen Frankreich 9 Torchancen gezählt, gegen Lettland aber 23. "Das ist viel, da können wir Selbstvertrauen daraus ziehen. Natürlich geht es in einem Spiel nicht um Torchancen, sondern um Tore. Aber wenn du so viele Chancen herausspielst, dann kommen auch Tore. Hoffentlich kommen sie früher als später, weil wir brauchen Tore gegen Deutschland", erklärte Ratushny.

Im Training wurde daher intensiv der Abschluss trainiert. "Wir arbeiten daran. Kann man Tore schießen trainieren? Darüber kann man diskutieren. Aber wir versuchen es, wir warten nicht und sagen: Lassen wir die Götter entscheiden, ob wir treffen", sagte der Coach.

Ratushny ist auch überzeugt, dass seine Mannschaft die mentale Kraft hat, sich schnell von der unglücklichen Niederlage zu erholen. "Wenn du nach ein paar Niederlagen down gehst, solltest du nicht im Sport sein. Ein Teil des Geschäftes ist, dass du mental stark sein musst", betonte der Kanadier, der sein Team bereit für das Entscheidungsspiel sieht. "Druck kann gut sein, er gibt dir einen Extra-Fokus, wenn er nicht zu viel wird. Aber die Fähigkeit eines Profis muss sein, mit dem Druck umgehen zu können."

Er stellt sein Team auf einen Gegner ein, der "groß, physisch" ist und "ähnlich wie Lettland, kontrolliert und kompakt", spielt. Also ein Gegner auf Augenhöhe, wie auch Michael Raffl meint. "Die Deutschen sind sicher in unserer Reichweite", betonte der Stürmer.

Nur mit einem Sieg sind Österreichs Chancen auf einen Platz bei der WM 2016 in Moskau und St. Petersburg gut. Gegen Top-Favorit Kanada sind zum Abschluss am Dienstag (12.15) keine Punkte zu erwarten, gegen Deutschland könnte ein Zähler auch zu wenig sein. Denn dann wäre Schützenhilfe von Lettland in Form eines Sieges gegen Frankreich am Dienstag notwendig. Aber schon einmal hat Österreich vergeblich auf deren Hilfe gehofft. Bei der WM 2007 in Moskau und Mytischi besiegte die ÖEHV-Auswahl die Ukraine 8:4, im Parallelspiel gingen aber die bis dahin sehr starken Letten, die schon gerettet waren, gegen Norwegen mit 4:7 unter. Österreich stieg dadurch ab.

Ob es für Deutschland gegen Österreich noch um mehr als nur ums Prestige geht, entschied sich am Sonntag gegen Tschechien. Sollten sich die favorisierten WM-Gastgeber durchsetzen, hat das DEB-Team im Match 24 Stunden später keine Chance mehr, erstmals seit 2011 das Viertelfinale zu erreichen.

Dennoch haben die Deutschen trotz widriger Umstände ihr Minimalziel erreicht. Als "Lame Duck", so deutsche Medien, war Teamchef Pat Cortina zur WM gefahren, weil sein Vertrag nach dem Turnier abläuft und eine Vertragsverlängerung kein Thema ist. Cortina, 2007/08 Kurzzeittrainer in Innsbruck, hatte für die WM 22 Ausfälle zu beklagen. Nicht alle von ihnen sind verletzt, weshalb dem Italo-Kanadier auch die Absagen angelastet werden. Anfang April hatte er verkündet, dass die Nordamerika-Profis nach ihrem Saisonende alle zur Verfügung stünden. In Prag ist aus der NHL aber nur Tobias Rieder (Arizona Coyotes) dabei.

Und nachdem die DEB-Auswahl wehrlos in ein 0:10-Debakel gegen Kanada gelaufen war, wurden in Prag Misstöne im Team laut. Aber die Deutschen kämpften sich zurück und machten mit einem im Schlussdrittel herausgespielten Sieg gegen Lettland den Klassenerhalt so gut wie fix.