Erstellt am 13. August 2015, 13:04

von APA Red

Dutzende Tote bei Autobombenanschlag in Bagdad. Bei einem Autobombenanschlag auf einem belebten Markt in Bagdad sind am Donnerstag mindestens 70 Menschen getötet und mindestens 170 verletzt worden.

 |  NOEN, APA (epa)

Ein mit Sprengstoff beladener Kühllaster sei am frühen Morgen im Jamila-Markt im überwiegend schiitischen Bezirk Sadr City explodiert, teilte die Polizei mit. Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu der Tat.

In einer Erklärung im Internet hieß es, das Attentat habe sich gegen Soldaten und Milizionäre in dem Viertel gerichtet. Der Jamila-Markt ist einer der größten Lebensmittelmärkte in der irakischen Hauptstadt. Der Anschlag dort zählt zu den schwersten Attentaten in Bagdad seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Haider al-Abadi vor einem Jahr.

"Wir machen die Regierung dafür verantwortlich"

Im Explosionstrichter auf dem Markt mischten sich Früchte und Gemüse mit Trümmern, aus denen Rauch aufstieg. Helfer bahnten sich einen Weg durch Blechfetzen, die zuvor Wände und Dächer von Verkaufsständen gebildet hatten. An der Anschlagsstelle sammelten sich Menschen, die weinten oder die Namen vermisster Verwandter riefen. "Wir machen die Regierung dafür verantwortlich, voll und ganz", sagte ein Augenzeuge. Zugleich forderte er die Behörden auf, Armee und Schiiten-Milizen in Marsch zu setzen, um Kontrollposten in der Stadt zu errichten.

Abadi war im vergangenen Sommer nach dem Kollaps der irakischen Armee ins Amt gekommen, die unter dem Ansturm des IS auf die Großstadt Mosul zusammenbrach. Seither ist die Führung in Bagdad abhängig von Milizen, um die Hauptstadt zu verteidigen und verlorene Gebiete zurückzuerobern. Abadi hat den Irakern tief greifende Reformen versprochen, um Korruption und Günstlingswirtschaft im Land zu bekämpfen.

Der Anschlag ereignete sich offenbar gegen 6.00 Uhr (Ortszeit, 5.00 Uhr MESZ), einer Stoßzeit für Geschäftsinhaber, die Gemüse für den Tag einkaufen. Im Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter verbreiteten Extremisten eine Stellungnahme, die dem IS zugeschrieben wird. Demnach hat eine Gruppe, die sich "Islamischer Staat in der Provinz Bagdad" nennt, einen Lastwagen inmitten von irakischen Armeeangehörigen und Schiiten explodieren lassen. Dabei seien mindestens 90 Menschen getötet und 200 verwundet worden. Ob die Nachricht tatsächlich vom "Islamischen Staat" stammt, konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Aussehen und Wortwahl erinnerten allerdings an frühere Mitteilungen.

Erst im vergangenen Monat hatte sich der "Islamische Staat" zu einem Bombenattentat auf einen Markt in der östlichen Provinz Diyala bekannt. Bei dem Angriff starben 120 Menschen. Am Montag waren bei zwei Explosionen nordöstlich von Bagdad mindestens 40 Menschen getötet und 75 verletzt worden - auch hier bekannte sich der IS zu der Tat. Die militanten sunnitischen Islamisten kontrollieren weite Gebiete im Westen des Iraks sowie im Nachbarland Syrien.

Deutsche Kämpfer wurden zum Ziel

Indes wurden von der deutschen Bundeswehr ausgebildete Kurden-Kämpfer im Nordirak zum Ziel eines Chemiewaffenangriffs. Die Peschmerga-Kämpfer hätten dabei "Reizungen der Atemwege" durch das Giftgas davongetragen, sagte ein Sprecher des Berliner Verteidigungsministeriums am Donnerstag. Deutsche Soldaten in der Region seien dabei "nicht betroffen und nicht gefährdet" gewesen.

Über den Vorfall im Nordirak hatte am Donnerstag zunächst die "Bild"-Zeitung berichtet. Bei der eingesetzten Waffe soll es sich laut dem Blatt um Chlorgas gehandelt haben.

Nach Erkenntnissen der Bundeswehr ereignete sich der Angriff südwestlich der Kurdenmetropole Erbil (Arbil). Ausgeführt wurde er demnach mit Mörser- oder Artilleriegranaten - diese sind Waffen mit einer relativ kurzen Reichweite von wenigen Kilometern. Aus Bagdad seien irakische und US-Spezialisten zum Einsatzort unterwegs, um die genauen Umstände zu prüfen, sagte der Ministeriumssprecher.

Konkrete Konsequenzen für den Fortgang des Bundeswehreinsatzes im Nordirak werde der Chemiewaffenangriff nicht haben: "Der Schutz unserer Soldaten im Nordirak ist ohnehin auf dem höchsten Stand", sagte der Ministeriumssprecher.

Seit September vergangenen Jahres unterstützt Deutschland den Kampf der nordirakischen Peschmergaverbände gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen und Schulungen. Derzeit sind 89 Bundeswehrangehörige für die Ausbildungsmission im Nordirak.