Erstellt am 13. April 2014, 14:14

Eklat bei ORF-Debatte der Kleinparteien. Mit einem Eklat hat am Sonntag die ORF-Debatte der vier zur EU-Wahl antretenden Kleinparteien begonnen.

Martin Ehrenhauser von der Wahlplattform "Europa anders" verließ nach einem Protestmonolog über "Überwachungswahn" und Bankenrettung das TV-Studio. Er habe damit ein "Zeichen setzen" und die Menschen wachrütteln wollen, sagte Ehrenhauser im Anschluss. Die Debatte ging ohne ihn weiter.

Angetreten waren am Termin der Sonntäglichen "Pressestunde" die Spitzenkandidaten der vier zur EU-Wahl antretenden Kleinparteien - also Ewald Stadler von den christlich-konservativen REKOS, Angelika Werthmann vom BZÖ, Robert Marschall von der Liste EU-STOP sowie Ehrenhauser.

Diskutiert wurde aber letztlich ohne Ehrenhauser. Denn der setzte, anstatt zu Beginn der Sendung eine Frage zu seinen häufigen politischen Positionswechseln - von Liberalen und ÖVP zu Hans-Peter Martin und "Europa anders" - zu beantworten, zu einem minutenlangen Dialog über "Überwachungswahn" und Bankenrettung an.

Nach sieben Minuten Sendezeit: Ehrenhauser verließ Studio

Anfangs mit ruhiger Stimme vorgetragen, gipfelte der immer wieder von ORF-Diskussionleiter Wolfgang Geier unterbrochene Vortrag in der emotionalen Ankündigung, den Menschen zeigen zu wollen, "dass man einfach aufstehen kann.""Ich werde einfach aufstehen, ich werde auf den Ballhausplatz gehen, ich werde mich dort hinsetzen und ich gehe dort nicht mehr weg", verkündete Ehrenhauser nach knapp sieben Minuten Sendezeit und verließ das Studio.

Zurück blieben ein sichtlich überraschter Moderator ("alles erlebt man zum ersten Mal") und die drei anderen Spitzenkandidaten, die sich eine weitgehend disziplinierte Debatte lieferten. Inhaltlich dominierte das Thema Bankenhilfe, wobei sowohl Stadler als auch Marschall die EU für die Krise mitverantwortlich machten. Werthmann beklagte, dass die Bankenhilfen nicht bei den Bürgern ankommen würden. "Die Bürger leiden nach wie vor", kritisierte sie mit Verweis auf Griechenland.

Stadler: Begriff "Neger" nicht zu verwenden ist Frage des guten Benehmens

Ein wenig überraschend kam allenfalls das Bekenntnis des EU-Austritts-Befürworters Marschall, bei der Volksabstimmung 1994 für den Beitritt gestimmt zu haben. Aktuell würde er die Europa-Fahne auf Kanzleramt und Präsidentschaftskanzlei aber gerne eingeholt sehen, wie er sagte.

Kritik an seinem früheren FPÖ-Weggefährdeten Andreas Mölzer übte Stadler: Mölzers Verteidigungsstrategie, den Sager "Negerkonglomerat" anfangs zu leugnen, und sich erst nach Auftauchen eines Tonbandmitschnitts zu entschuldigen, wertete Stadler als "peinlich". Er selbst würde den Begriff "Neger" nicht verwenden, das sei eine Frage des guten Benehmens.

Ehrenhauser machte sich indessen zu Fuß auf den Weg zum Ballhausplatz, wo er bis auf Weiteres auch bleiben möchte, wie er betonte: "Ich werde da jetzt einmal nicht weggehen." Via Twitter forderte Ehrenhauser einen Schlafsack an: "Die Nacht wird kalt." Beim ORF-Moderator entschuldigte er sich für die "unvorhergesehene Situation".