Erstellt am 07. September 2015, 16:17

von APA/Red

Grenzenlose Begeisterung in Island nach EM-Qualifikation. Ganz Island bejubelt die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Ein torloses Remis gegen Kasachstan genügte für die Rückeroberung der Tabellenführung in der Gruppe A - und garantiert, dass man das Quali-Rennen als Erster oder Zweiter beenden wird.

Ein torloses Remis, das gefeiert wurde wie ein Weltmeistertitel  |  NOEN, APA (epa)

 Tschechien fixierte das Euro-Ticket mit einem 2:1-Erfolg in Lettland. Wohl selten hat ein 0:0 so intensive Jubelstürme ausgelöst wie am Sonntag in Reykjavik. "Es ist unglaublich, ich bin schockiert", stammelte Mittelfeldspieler Aron Gunnarsson nach dem Schlusspfiff beim TV-Interview. "Teil des ersten isländischen Teams zu sein, das sich für eine Endrunde qualifiziert - als ich mit Fußball begonnen habe, habe ich nicht einmal davon geträumt." Nach dem Match legten die Spieler ein spontanes Tänzchen auf dem Rasen hin, gleich danach ging es zu den bereits ausgelassen feiernden Fans.

Gunnarsson war schon dabei, als die Isländer an der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien vorbeischrammten. Im Play-off behielt Kroatien in zwei Spielen knapp die Oberhand. Für die Truppe des schwedischen Trainer-Routiniers Lars Lagerbäck und seines einheimischen Adjutanten Heimir Hallgrimsson war das jedoch eher ein Ansporn denn ein Rückschlag.

Das Meisterstück von Lagerbäck und Hallgrimsson kam in der EM-Qualifikation. In einer Gruppe mit den Niederlanden, Tschechien, der Türkei und Lettland hatten viele sogenannte Experten keine Chance für die Nordländer, die bei der Auslosung nur im fünften Topf gewesen waren, gesehen. Doch nach acht Spielen hält das 330.000-Einwohner-Land bei sechs Siegen und einem Unentschieden. Dank einer Kombination aus Technik und überragender Physis spielten die Isländer die höher eingeschätzten Rivalen zeitweise an die Wand - zuletzt die Niederlande beim 1:0-Auswärtssieg in Amsterdam.

Bei zwei ausständigen Spielen hat Spitzenreiter Island sieben Punkte Vorsprung auf die drittplatzierte Türkei. Für die zweitplatzierten Tschechen gilt das Gleiche, da die Mannschaft von Trainer Pavel Vrba punktgleich ist, lediglich die schlechtere Tordifferenz aufweist. Schon neun Zähler hinten liegt der WM-Dritte Niederlande auf Rang vier.

Der Erfolg der Tschechen resultiert vor allem aus einem Kickstart in die Quali-Kampagne. "Dass wir unsere ersten vier Spiele gewonnen haben, hat uns auf unseren Weg gebracht", erklärte Petr Cech, der am Sonntag in Abwesenheit des rekonvaleszenten Tomas Rosicky die Kapitänsschleife trug.

Vor allem der 2:1-Auftaktsieg gegen die Niederlande habe viel Nervosität genommen, meinte der Arsenal-Tormann. "Holland war unser erster großer Test. Wir haben gewonnen und dann plötzlich realisiert, dass wir mit den besten Teams mithalten können und eine Chance haben." Der 33-Jährige wollte sich mit Aussagen zur Zukunft der jungen Truppe allerdings zurückhalten. "Ich bin nicht sicher, was das Potenzial des Teams ist. Wir sind froh, dass wir uns qualifiziert haben. Schauen wir, was passiert."