Erstellt am 11. Juli 2016, 10:12

von APA Red

Ronaldo feiert Titel nach Verletzungs-Drama ausgelassen. Cristiano Ronaldo wollte den großen Silberpokal gar nicht mehr hergeben.

 |  APA/dpa/ag.

 Immer wieder küsste er die Trophäe und posierte stolz für die Fotografen. Kurz balancierte Portugals Superstar den "Coupe Henri Delaunay" sogar auf dem Kopf. Der 31-Jährige freute sich über den Gewinn des ersehnten EM-Titels wie ein kleines Kind. Immer wieder schüttelte er fassungslos den Kopf.

"Ich hatte Pech, weil ich mich verletzt habe", meinte Ronaldo. "Aber ich wusste, dass diese Spieler zusammen mit unserer Strategie stark genug sein werden, um Frankreich zu schlagen." Eine offizielle Diagnose zur Schwere seiner Verletzung gab es vorerst nicht. Die gewöhnlich gut informierte spanische Zeitung "Marca" berichtete von einer Innenbandzerrung, womit der Angreifer von Real Madrid in einigen Wochen wieder fit sein dürfte.

Mit einer Manschette um das Knie war der Kapitän zur Siegerehrung gehumpelt. Noch während der Partie war er an die Seitenlinie zurückgekehrt und feuerte seine Mannschaft im Stile eines Trainers immer wieder an. "Er war sehr wichtig für uns, in der Kabine und auf dem Platz", lobte Trainer Fernando Santos. "Er hat immer daran geglaubt, dass heute die Nacht der Nächte, unsere Nacht, war."

Den entscheidenden Mann zu verlieren, sei schwer gewesen, berichtete Portugals Abwehrchef Pepe. "Aber wir haben uns geschworen, für ihn zu gewinnen. Und wir haben es geschafft." Der eingewechselte Eder erlöste den auf der Bank leidenden Kapitän in der 109. Minute. Und Ronaldo hatte auch daran seinen Anteil. "Cristiano hat mir gesagt, dass ich das entscheidende Tor schießen werde", erklärte der Matchwinner. "Er hat mir Stärke und positive Energie gegeben."

Ausgerechnet Ronaldo, dem Kritiker immer wieder ein zu großes Ego vorwerfen, war in der entscheidenden Phase als Motivator zur Stelle. "Er hat einen fantastischen Teamspirit gezeigt", lobte Teamchef Santos. Zweimal habe es der Superstar versucht, trotz seiner Verletzung aufs Feld zurückzukehren. "Und er hat mich die ganze Zeit über unterstützt."

Als Lohn gab es den ersten großen Titel für Portugal. Zwölf Jahre nach dem bitteren 0:1 im Finale der Heim-EM gegen Griechenland nutzte die "Selecao" ihre zweite Chance in einem Endspiel. Ronaldo war damals die Entdeckung gewesen. Als 19-jähriger Flügelspieler weinte er bittere Tränen. Ob er jemals wieder so eine Gelegenheit erhalten würde, wusste er nicht. Im Stade de France waren es nach dem Drama samt Verletzung am Ende Freudentränen.

"Ich habe so lange darauf gewartet, seit 2004. Ich habe Gott um eine weitere Chance gebeten, weil ich glaube, dass die Portugiesen das verdienen", meinte Ronaldo. Der dreifache Weltfußballer hat mit seinen Clubs Manchester United (bis 2009) und Real Madrid alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der erste große Titel mit dem Nationalteam ist die Krönung - eine, die seinem ewigen Widersacher Lionel Messi vom FC Barcelona bisher verwehrt geblieben ist.

Um exakt 23.48 Uhr durfte Ronaldo, der lädierte Kapitän, endlich den Pokal in den Nachthimmel von St. Denis stemmen. "Portugal hat das verdient, das waren so viele Jahre voller Opfer. Es ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens", betonte der Ausnahmekönner. "Ich wollte unbedingt einen Titel mit Portugal gewinnen, und es hat endlich geklappt. Diesen Triumph werde ich nie vergessen."