Erstellt am 02. Juni 2015, 15:16

von APA/Red

Ägypten verschob Bestätigung des Mursi-Todesurteils. Die endgültige Bestätigung des Todesurteils gegen Ägyptens Ex-Präsidenten Mohammed Mursi ist am Dienstag verschoben worden.

Mursi war einmal ägyptischer Präsident  |  NOEN, APA (epa)

Der zuständige Richter erklärte, eine Entscheidung werde am 16. Juni gefällt. Zur Begründung erklärte er, die Kammer brauche Zeit, um die Meinung des Großmuftis zu bewerten. An dem Urteil hatte es international heftige Kritik gegeben.

Besuch des Präsidenten in Berlin nun nicht überschattet

Mit der Verschiebung verhindert Ägypten auch, dass der Besuch von Präsident Abdel Fattah al-Sisi in der deutschen Hauptstadt Berlin am Mittwoch durch eine Bestätigung des Todesurteils überschattet wird. Auch die deutsche Bundesregierung hatte scharf dagegen protestiert, den ersten frei gewählten Präsidenten Ägyptens hinzurichten.

Das Gericht hatte vor zwei Wochen das Todesurteil verkündet und es dem Großmufti, der obersten religiösen Autorität, zur Bewertung vorgelegt. Dessen Votum ist aber rechtlich nicht bindend. Über den Inhalt der Stellungnahme des Muftis wurde nichts bekannt.

Mursi und weiteren hochrangigen Vertretern der Muslimbruderschaft wird vorgeworfen, 2011 während des Aufstands gegen den damaligen Machthaber Hosni Mubarak Polizisten getötet zu haben und aus dem Gefängnis ausgebrochen zu sein.

Mehr als 100 weitere Angeklagte sollen sterben

Zusammen mit Mursi sollen nach dem Willen des Gerichts mehr als 100 weitere Angeklagte sterben. Unter ihnen sind Khairat al-Schater und Mohammed Beltagi, die der Führung der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft angehörten. Mursi hatte 2012 als Kandidat der Bruderschaft die erste freie Präsidentenwahl in der Geschichte Ägyptens gewonnen.

Im Juli 2013 hatte ihn das Militär unter Al-Sisis Führung nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft gestürzt. Seitdem sitzt er in Haft. Nach dem Sturz Mursis 2013 schlug das Militär die Demonstrationen der Islamisten blutig nieder. Die Bruderschaft wurde verboten und zur Terrororganisation erklärt. Fast die gesamte Führung wurde verhaftet. Mursi erkennt den Prozess gegen sich nicht an und sieht ihn als Teil des Staatsstreichs gegen ihn.

Sisi, der zur Zeit des Aufstands gegen Mubarak Armeechef und Verteidigungsminister war, geht hart gegen die inzwischen als Terrororganisation verbotene Muslimbruderschaft vor. Unter anderem wirft er der Gruppe Verschwörung mit anderen islamistischen Organisationen wie der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah vor.