Erstellt am 15. November 2015, 14:55

Entsetzen unter heimischen Flüchtlingen nach Paris-Anschlag. Der blutige Anschlag in Paris hat auch in den Flüchtlingsunterbringungen der Caritas in Österreich Bestürzung ausgelöst. "Die Flüchtlinge machen sich große Sorgen. Sie sind ja genau vor diesen Bomben und dem Terror geflüchtet", sagte Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner am Sonntag im APA-Gespräch.

 |  NOEN, APA (Scheriau)

"Wir wissen was es bedeutet, Menschen bei Bombenanschlägen zu verlieren. Wir wollen Frieden, jede Form des Terrorismus ist abscheulich", zitierte Schwertner einen jungen Afghanen. "Heute bin ich Europäer und fühle mit den Schwestern, Brüdern, Müttern und Vätern mit, die ihre Angehörigen verloren haben. Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieses Verbrechens", meinte der junge Mann.

Ein Friseur, der im Alter von 13 Jahren aus Bagdad geflüchtet war, macht sich Sorgen, dass "jetzt alle wieder in einen Topf geworfen werden. Momentan habe ich einen Bart, ich komme aus dem Irak, und schon glauben manche, ich könnte gefährlich sein", sagte der Stylist, der heute in einem Salon im Wiener Bezirk Alsergrund arbeitet, auf Facebook. Europa stehe für Frieden. "Die Anschläge in Frankreich - ich verstehe nicht, wie man so etwas tun kann. Ich verstehe nicht mal, wie jemand auch nur eine einzige Waffe produzieren kann, das ist ja schon der Anfang von Krieg."

Viele Menschen, auch die freiwilligen Helfer, die tagtäglich in die Einrichtungen der Caritas kommen, stellten sich nach dem Terroranschlag viele Fragen, meinte Schwertner. Sie machten sich Sorgen und es entstünden erneut Diskussionen über die Registrierung von Flüchtlingen. Dennoch überwiege das "Jetzt erst recht"-Gefühl. Am Sonntag sei eine Spenderin zur Caritas gekommen und habe betont, dass sie gerade jetzt die Hilfe weiterhin unterstützen werde, erzählte Schwertner.

"Wir dürfen uns durch Hass und Terror nicht spalten lassen. Sonst wird man zum Mitläufer von diesen Terroristen. Werte, die uns wichtig sind, können von einzelnen zwar verraten, aber nur von uns allen gemeinsam bewahrt werden", meinte der Caritas-Generalsekretär. "Die Antwort kann nur lauten: Integration, Integration, Integration." Den Menschen eine Chance geben und dabei auf die Österreicher, die ebenfalls Hilfe brauchen, nicht vergessen. Die Not von Menschen dürfe nicht gegeneinander ausgespielt werden, betonte Schwertner.