Erstellt am 22. Januar 2015, 16:01

von APA/Red

Sechsfachmord-Vorwürfe laut Anwalt "politisch". "Vollkommen haltlos" sind laut Nikolaus Rast, dem Rechtsbeistand des am vergangenen Samstag in Wien festgenommen angeblichen russischen Sechsfachmörders Aslan G., die Vorwürfe gegen den 44-Jährigen.

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"Ich werde jedes erdenkliche Mittel gegen die von Russland beantragte Auslieferung ergreifen", sagte Rast am Donnerstag.

Die falschen Anschuldigungen seien politisch motiviert und vom Leiter des Föderalen Ermittlungsbüros in Moskau gesteuert, erklärte Rast. Der Anwalt will nicht nur die Auslieferung verhindern, sondern für Aslan G. politisches Asyl beantragen.

Dem Rechtsvertreter zufolge soll der 44-Jährige in Russland bis 2010/2011 ein halbstaatliches Unternehmen besessen haben, das mit Schiffen und Flugzeugen handelte. Gemeinsam mit seinem damaligen Partner sollen monatliche Schmiergeldzahlungen von 1,2 Millionen Euro an das Föderale Ermittlungsbüro gegangen sein, die angeblich ein Adjutant des Behördenleiters einkassierte. Der Geschäftspartner von Aslan G. sei allerdings mit den Zahlungen säumig geworden und habe schließlich den 44-Jährigen fälschlicherweise belastet, mit einem Millionenbetrag untergetaucht zu sein. Dafür wolle sich der Leiter der um das Schmiergeld umgefallenen Behörde nun rächen, so Rast.

"Man hängt ihm diese Morde um"

Zudem habe sich sein Mandant seinerzeit in der im Nordkaukasus gelegenen autonomen Republik Nordossetien grobe Schwierigkeiten eingehandelt, weil dieser aufdeckte, dass nach dem Schulmassaker in Beslan - bei dem Terror-Akt im September 2004 fanden 334 Geiseln den Tod - Spendengelder in Höhe vom 600 Millionen US-Dollar verschwanden. "Dieses Geld ist nie bei den Hinterbliebenen der Opfer angekommen", meinte Rast. Aslan G. habe das aufgezeigt, sei dafür verschleppt und grausam gefoltert worden, was Wunden am gesamten Körper des Mannes belegen würden. Er selbst habe ein "schachbrettartiges Muster" am Bauch des 44-Jährigen gesehen, der aus Angst um sein Leben 2011 seine Heimat verlassen habe.

Die Politiker und Polizisten, die der Russe getötet haben soll, habe der angebliche Killer gar nicht gekannt. "Man hängt ihm diese Morde um, um ihn zurück nach Russland zu bekommen", sagte Rast. Sollte die heimische Justiz der Auslieferung zustimmen, wäre das nach Ansicht des Anwalts "das sichere Todesurteil. Man Mandant würde die Fahrt vom Flughafen zum Gefängnis nicht überleben."

Rast dementierte Berichte, sein Mandant sei der Bruder eines ehemaligen Banden-Chefs, deren Führung er übernommen habe, nachdem der Bruder gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt worden war: "Das ist nicht sein Bruder. Es handelt sich um eine zufällige Namensgleichheit."

Vorwurf: Hochrangige Beamte beseitigt

Aslan G. soll nach Darstellung der russischen Behörden in den Jahren 2012 und 2013 mindestens sechs Menschen erschossen und drei weitere verletzt haben. Seiner der organisierten Kriminalität zugeschriebenen Bande werden unter anderem die Morde am nordossetischen Vizepremier Kasbek Pagijew und den Bürgermeister der Hauptstadt Wladikawkas, Witali Karajew, zur Last gelegt, die 2008 ums Leben kamen. Darüber hinaus soll die Bande mehrere hochrangige Beamte beseitigt haben, die gegen sie ermittelten.

Zielfahnder des Bundeskriminalamts (BK) und das Einsatzkommando Cobra hatten den 44-Jährigen am Samstagabend vor dem Hauptbahnhof gefasst. Der Mann, der verfälschte Dokumente bei sich hatte, leistete gegen seine Festnahme, die nach einem Hinweis von Interpol Moskau erfolgte, keinen Widerstand. Aslan G. hatte zuletzt in einer Wohnung in Wien-Favoriten gelebt.

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