Erstellt am 16. Juni 2016, 12:24

Ermittlungen gegen Demo-Steinwerfer wegen Mordversuchs. Nachdem ein 17-jähriger Deutscher bei einer Demonstration gegen die rechtsextremen Identitären am Samstag in Wien durch einen Steinwurf schwer am Kopf verletzt worden war, ermittelt das Landesamt für Verfassungsschutz nun wegen Mordversuchs.

 |  NOEN, APA (POLIZEI)

Ein Unbekannter hatte den Stein von einem Dach in der Goldschlagstraße geworfen. Nach ihm wird gefahndet. Nach Angaben der Polizei passierte die Tat am Samstag um 15.35 Uhr an der Ecke Goldschlagstraße/Neubaugürtel. Linke Gegendemonstranten hatten dort den Demonstrationszug behindert und Rechtsextreme und Polizisten mit Flaschen, Steinen und laut Angaben der Exekutive auch Eisenstangen attackiert.

Es kam zu teilweise schweren Ausschreitungen. "Dort erzwang eine große Zahl Vermummter, aber auch friedlicher, nicht vermummter Demonstranten, die sich jedoch nicht von den gewaltbereiten Straftätern örtlich distanzierten, einen Stopp des Marsches der Identitären", schrieb die Polizei in einer Aussendung am Donnerstag.

Der unbekannte Steinwerfer hatte sich zuvor über ein Baustellenareal Zugang zu dem Gebäude in der Goldschlagstraße 2 verschafft. Dort brach er eine Tür zum Dachboden auf und kletterte über eine Luke auf das Dach. Von dort bewarf er den Demonstrationszug der Identitären laut Zeugenaussagen mit zumindest zwei Gegenständen - dem Stein sowie einem weißen Plastikkübel.

Der 17-Jährige wurde vom Stein getroffen, er brach verletzt zusammen. Der Mann wurde aufgrund seiner schweren Kopfverletzung operiert. Im Koma befand er sich jedoch nie. Falsche Gerüchte darüber führten noch in der Nacht auf Sonntag dazu, dass rund 150 Rechtsradikale bei einer nicht angemeldeten Demonstration durch die Josefstadt zogen. Seit Dienstag liegt der 17-Jährige auf der Normalstation im Krankenhaus. "Es geht ihm gut, er ist stabil", sagte Krankenhaussprecherin Karin Fehringer auf APA-Anfrage am Donnerstag.

Die Polizei veröffentlichte am Donnerstag Bildmaterial zum Tatgeschehen und Ablauf der Steinattacke und ersuchte sowohl Medienvertreter, als auch Privatpersonen um deren Videoaufzeichnungen. Diese sollen sich ebenso wie Personen mit zweckdienlichen Beobachtungen beim Landesamt Verfassungsschutz unter der Telefonnummer 01/31310/74035 melden.

Der Steinwerfer hatte sich laut Angaben der Polizei jedenfalls über die Baustelle den Zugang zum Gebäude verschafft. Auf einem Kran auf der Baustelle hatten Unbekannte auch ein Transparent mit der Aufschrift "Nationalismus raus aus den Köpfen" angebracht. Ein gleiches Plakat wurde auch auf dem Wiener Stadthallenbad aufgehängt. Die Polizei ersucht auch um Hinweise zu den Personen, die die Transparente hergestellt und angebracht haben.

Die Blockaden der rechtsextremen Identitären hatten zu zahlreicher Kritik geführt, ebenso das Einschreiten der Polizei. So sprachen die Neos etwa von einem "unverhältnismäßigen Gebrauch von Pfefferspray gegen Demonstrierende". Im Verlauf der insgesamt drei Versammlungen wurden 13 Menschen - darunter auch vier Polizisten - verletzt. Die meisten Verletzungen waren Folge des Pfeffersprayeinsatzes der Polizei und wurden an Ort und Stelle behandelt.

Der Aufmarsch der rechtsradikalen "Identitären" war am Samstag dann vorzeitig beendet worden. Die Polizei selbst war mit 14 Beweissicherungsteams an Ort und Stelle, zahlreiche Anzeigen wurden bereits erstattet, sagte Polizeisprecher Thomas Keiblinger. Eine Auswertung der Aufzeichnung werde "aber noch Wochen dauern".