Erstellt am 02. Juli 2014, 11:05

von APA/Red

Erste Frau seit 22 Jahren in Königsklasse. Mit Susie Wolff nimmt am Freitag in Silverstone erstmals seit 22 Jahren wieder eine Frau an der Formel-1-Weltmeisterschaft teil. Die 31-jährige Schottin ist in Großbritannien und zwei Wochen später in Hockenheim für die jeweils ersten Freitag-Trainings in einem Williams vorgesehen.

Wolff sitzt damit in einem der schnellsten Formel-1-Autos der Gegenwart.

Lediglich fünf Frauen hatten es vor Wolff in die Königsklasse geschafft, nur die Italienerin Lella Lombardi kam ein Mal auch in die Punkteränge. Maria Teresa de Filippis (1950er-Jahre), Divina Galica (1976 bis 1978), Desire Wilson (1980) und 1992 die Italienerin Giovanna Amati scheiterten in der Motorsport-Königsklasse mehr oder weniger klar. Der jüngste Versuch der Spanierin Maria de Villota endete tragisch.

Die seit 2011 mit dem österreichischen Mercedes-Motorsportchef Toto verheiratete Wolff hat sich als Susie Stoddart u.a. über die DTM zur Entwicklungs- und Testfahrerin bei Williams hoch gearbeitet. Und bei den Testfahrten bisher überzeugt. Dementsprechend furchtlos und selbstbewusst geht die Britin nun ans Werk. "Ich werde ein ziemlich schnelles Auto haben", weiß Wolff und gestand eine gewisse Nervosität ein. "Aber ich bin bereit. Das ist eine Super-Super-Chance, die nicht viele bekommen", blickte die in der Schweiz lebende Wahl-Österreicherin dem Kommenden erwartungsfroh entgegen.

Abstimmungsarbeiten im ersten Training

Das Traditionsteam Williams ist nach einigen Krisenjahren 2014 auch dank des Griffs zu Mercedes-Motoren auf die Erfolgsstraße zurückgekehrt. Felipe Massa hätte in Montreal bereits gewinnen können, zuletzt in Österreich raste der Brasilianer vor seinem finnischen Williams-Teamkollegen Valtteri Bottas zur Pole-Position. Im Rennen belegten Bottas und Massa hinter den beiden überlegenen Mercedes die Plätze drei und vier.

Den von Wolff mitentwickelten Bottas-FW36 mit der Nummer 77 wird die Schottin Freitagvormittag in Silverstone pilotieren. Bestzeiten sind aber nicht die Aufgabe der Rennfahrerin. Im ersten Training stehen stets vor allem Anpassungs- und Abstimmungsarbeiten im Vordergrund.

"Für Williams ist das ein Test, bei dem Susie ein Programm abarbeiten muss", erklärte der als Management-Berater eng mit dem Team verbundene Alexander Wurz. Der Österreicher ist angetan von Wolff. "Sie hat bereits mehrmals gezeigt, dass sie schnell und voll bei der Musik dabei ist."

"Dafür kämpfe ich"

Auch Wolff selbst warnt vor falschen Erwartungen. "Wer glaubt, ich gehe auf einen Qualifying-Run und muss zeigen, wie schnell ich bin, ist auf dem Holzweg", verwies sie darauf, dass es in erster Linie um eine gute Auto-Abstimmung für das Rennwochenende gehe. Die kommenden Tests sollen weitere Schritte hin zur Erfüllung des Traumes von der Teilnahme an einem Grand Prix sein. "Dafür kämpfe ich", so Wolff.

Die Profi-Rennfahrerin will aber auch ihren Geschlechtsgenossinnen Mut machen. "Es gibt keinen Grund, warum eine Frau nicht im Auto oder im Fahrerlager erfolgreich sein könnte", ist Wolff überzeugt. Einen Blondinen-Autofahrerwitz konnte sie sich aber selbst nicht verkneifen. "Der wichtigste Teil meines Freitag-Jobs ist, Valtteri das Auto in einem Teil zurückzubringen. Und nicht in 20."