Erstellt am 06. Juni 2014, 19:52

von APA/Red

Erste Kanada-Bestzeit an Alonso. Fernando Alonso ist einer der wenigen, die Mercedes 2014 wenigstens im Freien Training fordern können.

Der Ferrari-Star war am Freitag zum Auftakt des Kanada-Grand-Prix in 1:17,238 Min. knapp vor Lewis Hamilton und Nico Rosberg Schnellster. Sebastian Vettel hatte als Vierter fast eine Sekunde Rückstand. Seit Freitag ist zudem praktisch fix, dass die Formel 1 bis 2024 in Montreal bleibt.

Zweieinhalb Jahre hatte die Olympia-Stadt von 1976 um diese Vertragsverlängerung verhandelt, nun sind offenbar nur noch Formalakte für die Verlängerung um gleich zehn Jahre notwendig. Für den Verbleib im Kalender muss aber kräftig Geld in die Hand genommen werden. In den Kurs auf der schmalen Ile Notre Dame sollen zwischen 25 und 40 Mio. kanadische Dollar (27 Mio. Euro) investiert werden. Die Jahresgebühr an die FOM betrage 15 Mio. Dollar (10,11 Mio. Euro), indexiert mit vier Prozent jährlich, hieß es.

Der Kanada-Grand-Prix ist nicht nur bei den Fahrern eines der beliebtesten Rennen des Jahres. Die sportverrückten Zuschauer stürmen das Rennen in der vibrierenden Metropole am St. Lorenz-Strom in einem Maß, dass bereits ab Donnerstag "Blockabfertigung" notwendig ist, um die zahlreichen mit der U-Bahn angereisten Fans über die Zufahrtsbrücke zu lotsen.

Hamilton will vierten Kanada-Sieg

Im zweiten freien Training am Freitag setzte Lewis Hamilton ein Rufzeichen. Der Engländer war am Freitag in Montreal in 1:16,118 Min. Tagesschnellster, knapp (0,175) vor seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg. Weltmeister Sebastian Vettel hatte Getriebeprobleme am Red Bull und als Dritter schon fast eine halbe Sekunde Verspätung.

Für Hamilton ist der mit 4.361 Metern relativ kurze Hochgeschwindigkeits-Circuit Gilles Villeneuve so etwas wie eine Lieblingsstrecke. Dreimal hat der Brite hier schon gewonnen, darunter 2007 seinen ersten GP-Sieg überhaupt gefeiert. Am Freitag machte der in der WM vier Zähler hinter Rosberg liegende Engländer zunächst klar, dass er in zwei Wochen am liebsten als Führender zum Formel-1-Comeback nach Österreich kommen möchte.

Allerdings fabrizierte der Ex-Weltmeister auf dem noch rutschigen Straßenkurs mit seinen zentimetergenau zu treffenden Bremspunkten auch einige Ausritte, womit er am Ende trotz Sektorenbestzeiten Alonsos Marke um 0,016 Sekunden verpasste. Die Strecke gilt mit ihren langen Topspeed-Geraden als ideal für die starken Mercedes-Motoren.

Der Zweikampf zwischen den beiden in der WM weit voraus liegenden Titelanwärtern Rosberg und Hamilton geht in Kanada zweifellos weiter. Auch wenn die Piloten zuvor nach einer Aussprache den Friedensschluss erklärt haben und auch Aufsichtsrat Niki Lauda am Freitag fest hielt, dass er die Situation wieder - allerdings ohne Garantie - für "kontrollierbar" hält.

Gut möglich, dass der Kanada-GP nicht alleine über den Topspeed entschieden wird. Auch die Bremsen sind hier extrem kritisch und da, so gab Rosberg offen zu, "muss ich mich noch verbessern". Vettel weiß: "Für uns ist wichtig, wie viel wir auf den Geraden verlieren. Und wie viel wir beim Bremsen und in den Kurven wieder wettmachen können. Aber Mercedes ist hier wie erwartet verdammt schnell, Favoriten sind die anderen."

Red-Bull setzt weiter auf Renault

Neben Alonso bei Ferrari hofft auch Vettel im Red Bull auf eine Verbesserung seiner Motoreneinheit. Renault hat für Kanada einen weiteren Entwicklungsschritt versprochen, im ersten Freien Training ging das beim in der WM nur auf Platz sechs liegenden Vierfach-Weltmeister noch nicht ganz auf.

Im Gegensatz zum österreichischen Motorsportdirektor Helmut Marko, der Renault seit Saisonbeginn hart kritisiert, gab Red-Bull-Teamchef Christian Horner ein "Treuebekenntnis" ab. "In unserem Auto wird im nächsten Jahr zu hundert Prozent ein Renault-Motor sein", sagte der Engländer zu "Auto Motor und Sport".

Marko hatte wegen der vielen und Renault zugeschriebenen Probleme speziell am Vettel-Auto erst unlängst erklärt, dass man die Situation bis zum Österreich-Rennen am 22. Juni in Spielberg evaluieren und dann eine Entscheidung treffen werde. Horner hat offenbar mehr Vertrauen zu Renault. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir auch viele Erfolge mit ihnen hatten und wir trauen ihnen zu, dass sie die Probleme lösen", sagte Horner.

Am Freitag stand wie üblich noch ein weiteres Freies Training auf dem Programm. Womöglich sind die zwei 90-minütigen Freitags-Übungseinheiten aber bald Geschichte. Im Zuge der Sparpläne wird laut "Autosport" offensichtlich überlegt, ab 2015 nur noch eines dieser von wenig Zuschauer-Resonanz begleiteten Trainings durchzuführen. Damit könnten die Teams einen Tag später anreisen.