Erstellt am 24. November 2014, 13:29

Erster Davis-Cup-Titel für die Schweiz. Roger Federer hat am Sonntag Tennis-Geschichte geschrieben, für die Schweiz war es überhaupt ein sporthistorisches Ereignis.

Noch nie hatten die Eidgenossen in einer Weltsportart einen großen Titel geholt, der erste Davis-Cup-Triumph mit dem 3:1 über Frankreich in Lille wurde entsprechend gefeiert.

Ein Davis-Cup-Titel mit der Mannschaft, das hatte Federer in seiner so langen Erfolgsliste noch gefehlt. Und wie nach einem großen Major-Erfolg sank der 33-jährige Weltranglisten-Zweite nach dem sicheren 6:4,6:2,6:2 vor der Rekord-Kulisse von 27.448 Zuschauern zunächst auf die Knie, um sich dann bäuchlings ganz in den Sand zu legen.

"Das ist ein bewegender Moment für mich, darauf habe ich so lange gewartet", sagte Federer im Anschluss und war sichtlich gerührt. "Ich bin unglaublich glücklich. Es ist ein großartiges Gefühl, gemeinsam mit Freunden zu feiern. Es war ein wunderschönes Wochenende für das Tennis."

Federer lobt Wawrinka

Federer vergaß aber nicht und wurde auch nicht müde, seinen Teamkollegen Stan Wawrinka zu loben. Der Australian-Open-Sieger war dem Schweizer Davis-Cup-Team weit öfter zur Verfügung gestanden als Federer selbst. "Am meisten freue ich mich für Stan. Das ist sein Sieg. Er hat in all den Jahren so viel gegeben für dieses Team", sagte der 17-fache Major-Sieger, der jahrelang auf den Davis Cup verzichtet hatte.

Nach langer Pause war der Weltranglisten-Zweite 2014 ins Davis-Cup-Team zurückgekehrt und marschierte zusammen mit Wawrinka, Marco Chiudinelli und Michael Lammer zum Triumph. "Das ist ein ganz spezieller Erfolg. Es war nicht einfach", sagte der Schweizer Teamchef Severin Lüthi. Federer war wegen seiner Rückenprobleme bis zuletzt fraglich gewesen und fand erst im Laufe des Wochenendes zu seiner Form.

"Wenn wir Probleme haben, dann reden wir miteinander" 

Zudem belastete bei der Ankunft in Lille ein Zwist zwischen den beiden Topspielern Federer und Wawrinka das Teamklima. Beide waren nach ihrem Halbfinalduell bei den ATP-World-Tour-Finals in der Kabine aneinandergeraten, nachdem Wawrinka sich während der Partie über Federers Frau Mirka beschwert hatte. Doch Federer und Wawrinka, seit Jahren gut befreundet, räumten die Dissonanzen rasch aus und feierten ihren nächsten großen gemeinsamen Erfolg nach Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen in Peking 2008.

"Wir haben ein großartiges Wochenende erlebt, nach einer nicht einfachen Woche", sagte Wawrinka. "Wenn wir Probleme haben, dann reden wir miteinander. Vor dem Wochenende dachten die Leute, wir hätten eine Krise, aber wir sind immer ruhig geblieben."

Bis zum großen Triumph war es aber ein langer Weg. Nachdem Wawrinka die Eidgenossen am Freitag gegen Jo-Wilfried Tsonga in Führung gebracht hatte, stand der noch sichtlich von Rückenbeschwerden geplagte Federer im zweiten Einzel gegen Gael Monfils völlig auf verlorenem Posten und unterlag klar in drei Sätzen.

"Medizinische Abteilung hat super Job gemacht"

Doch mit intensiver Pflege bekamen die Mediziner Federer wieder hin, sodass die Nummer zwei der Welt zur Überraschung vieler sogar im Doppel antrat. An der Seite von Wawrinka schlug er das französische Duo Gasquet/Julien Benneteau in drei Sätzen. "Ein großes Kompliment an unsere medizinische Abteilung. Sie hat einen super Job gemacht", sagte Federer. Gegen Gasquet, der für Tsonga zum Einsatz kam, war am Sonntag von Rückenbeschwerden endgültig nichts mehr zu sehen. Federer verwertete mit einem traumhaften Rückhandstopp seinen ersten Matchball.

Auch wenn den Gastgebern im Finish Tsonga wegen einer Armverletzung ausgefallen war: Die Franzosen suchten sportlich fair nach keinen Ausreden. "Lasst uns ehrlich sein, sie sind stärker. Es wäre eine ganz schöne Leistung gewesen, sie zu schlagen", sagte der technische Direktor des Verbands, Arnaud Di Pasquale. "Ich erinnere euch, dass wir gegen Roger Federer und Stan Wawrinka verloren haben, die sind auf dem Papier viel stärker als wir." Er wisse nicht, was man hätte anders machen können.

Frankreich erlitt die dritte Niederlage in ihren vergangenen drei Endspielen, 2002 unterlag man zu Hause Russland, 2010 auswärts Serbien. Kapitän Arnaud Clement, der 2013 den Job von Guy Forget übernommen hatte, wurde jedenfalls kein Vorwurf gemacht. "Sie haben das Maximum gemacht", sagte Di Pasquale.

Den Schweizern sollte Montagnachmittag (16.00 Uhr) in Lausanne ein großer Empfang bereitet werden. Offen blieb, ob sich das Siegerteam auch 2015 wieder gemeinsam den Gegnern stellen wird. Im Davis Cup 2015 treffen die Schweizer im März in Lüttich auf Belgien, im Falle eines Sieges winkt im Juli ein Viertelfinal-Heimspiel gegen Kanada oder Japan. Ob nach dem Gelingen des überfälligen großen Coups nun das Interesse verflacht, wird erst im nächsten Jahr beantwortet.