Erstellt am 31. Oktober 2014, 16:23

von APA/Red

EU-Arbeitslosenrate - Österreich verlor Platz 1. Die Arbeitslosenrate in der EU ist im September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 10,8 Prozent auf 10,1 Prozent zurückgegangen.

Auch im Euroraum sank die Quote von 12 auf 11,5 Prozent. Beim Blick auf die einzelnen Länder hat sich Deutschland mit 5 Prozent Arbeitslosenrate an Österreich vorbei auf Platz 1 geschoben. In Österreich stieg der Wert im Jahresvergleich leicht von 5 auf 5,1 Prozent.

Das Spitzentrio vervollständigt nach Angaben des europäischen Statistikamts Eurostat Tschechien, das auf 5,7 Prozent Arbeitslosenquote kommt. Am anderen Ende der Skala finden sich Griechenland mit 26,4 Prozent im Juli (dem bis dato letzten vorliegenden Wert) und Spanien mit 24 Prozent. Allerdings kann Spanien mit einem Minus von 2,2 Prozentpunkten auch einen der höchsten Rückgänge bei der Arbeitslosenrate vermelden. Insgesamt konnten 21 der 28 Mitgliedsländer einen Rückgang auf Jahressicht verzeichnen, in sechs stieg diese an.

Jugendarbeitslosigkeit gesunken

Die Jugendarbeitslosigkeit sank im September ebenfalls - von 23,5 auf 21,6 Prozent in der EU und von 24 auf 23,3 Prozent im Euroraum. Auch hier verzeichnen Deutschland (mit 7,6 Prozent) und Österreich (9,1 Prozent) die niedrigsten Quoten, während Spanien mit 53,7 Prozent und Griechenland mit 50,7 Prozent (im Juli) nach wie vor Raten jenseits der 50 Prozent aufweisen.

Gegenüber dem August blieb die Arbeitslosenrate in der EU mit den genannten 10,1 Prozent stabil - was nach wie vor den niedrigsten Wert seit Februar 2012 darstellt. So waren im September in der gesamten EU 24,512 Millionen Menschen arbeitslos, davon 18,347 Millionen im Euroraum. Dies stellt gegenüber September 2013 einen Rückgang von 1,818 respektive 826.000 Personen dar.

Gang in die Frühpension erschwert

Als Grund für den Verlust der Spitzenposition Österreichs vermuten Experten das verhältnismäßig höhere Angebot an Arbeitskräften. Das hohe Angebot an Arbeitskräften resultiere einerseits aus dem Zustrom aus dem Ausland, so Thomas Horvath, Experte des Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). In Österreich gebe es zum Beispiel mit Ungarn ein grenznahes Gebiet mit einem vergleichbar schlechten Arbeitsmarkt. Andererseits gebe es mehr Menschen auf dem heimischen Arbeitsmarkt wegen Veränderungen beim Pensionszugangsrecht, mit Jahresanfang wurde der Gang in die Frühpension erschwert.

Als weiteren Grund für das Zurückfallen im EU-Arbeitslosenranking nannte Horvath die konjunkturelle Lage, die sich in Deutschland in den letzten Quartalen etwas besser entwickelt habe als in Österreich.

Für Ulrich Schuh, Leiter des Forschungsinstituts EcoAustria, liefert die Konjunkturlage keine Erklärung, da diese in beiden Ländern gleich sei. Der kontinuierliche Anstieg der Arbeitslosenrate in Österreich sei darauf zurückzuführen, dass es in Österreich ein strukturelles Problem bei den weniger Qualifizierten gebe. Bei den Personen mit maximal Pflichtschulabschluss - 700.000 Menschen in Österreich - gebe es mittlerweile eine Arbeitslosenquote von über 20 Prozent.

"Deutschland macht die bessere Politik, um Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die aktuellen Arbeitslosenzahlen untermauern, dass wir dieses Problem nicht im Griff haben, und damit fallen wir schrittweise zurück", so Schuh. Den Zustrom von Arbeitskräften aus dem Ausland habe Deutschland auch. Die Tendenz, dass Deutschland Österreich bei den Arbeitslosenzahlen davoneilt, werde sich laut Schuh mit Sicherheit weiter fortsetzen.