Erstellt am 10. November 2016, 11:19

Hahn betonte Rolle grenzüberschreitender Kooperation. "Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu pflegen ist wichtig", hat EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn am Donnerstag auf einer Konferenz zur EU-Donauraumstrategie in Krems betont. Gleichzeitig warnte er in seiner Eröffnungsrede: "Zäune werden schnell zu Mauern in den Köpfen von Menschen", und verwies auf einen wachsenden Nationalismus.

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Es gehe darum, keine Zäune und Wälle zu errichten, sie gar nicht erst entstehen zu lassen bzw. sie wieder niederzureißen, erklärte der EU-Kommissar bei der Tagung der Donaurektorenkonferenz (DRC) und der Konferenz zur EU-Donauraumstrategie (EUSDR) am Campus Krems. Angesichts des wachsenden Populismus brauche es "mehr Rationalität in der Politik", das dürfe aber nicht zulasten der Leidenschaft gehen.

Hahn sprach zudem von einem Brain Drain in vielen Bereichen des Donauraums. Ziel sei es, daraus "Brain Circulation" zu machen: Die Möglichkeiten in der Region müssten so attraktiv werden, dass junge Menschen dortbleiben. Einrichtungen wie Inkubatoren und Technology Parks bezeichnete er als "Keimzellen regionaler Entwicklungen".

Europa müsse schauen, "dass wir im globalen Wettbewerb unsere Position halten können, Industrie- und Wirtschaftsstandort bleiben und nicht nur Tourismusattraktion sind", betonte Hahn. Obwohl nur sieben Prozent der Weltbevölkerung auf dem Kontinent leben, sei Europa "mit Abstand die stärkste Wirtschaftskraft der Welt". Europa sei imstande, mehr als 40 Prozent der globalen Sozialleistungen zu finanzieren, verwies Hahn auf Standards in der Alters- und Gesundheitsversorgung.

Regionale Kooperation von Wissenschaft und Unis

Universitäten, Wissenschaft und Forschung seien ein zentrales Element der Donauraumstrategie, die laut dem EU-Kommissar "immer noch ein zartes Pflänzchen" ist. Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region könnten dafür sorgen, dass dieses Pflänzchen wachse und der Witterung - etwa in Form politischer Veränderung - standhalten könne. Hahn schlug etwa einen Donau-Hochschulraum auf Ebene der Master- und PhD-Studien vor, um Schwerpunktsetzungen gemeinsam zu planen.

Es brauche mehr Anstrengungen von Universitäten zur Umsetzung der EU-Donauraumstrategie, sagte Friedrich Faulhammer, Rektor der Donau-Universität Krems und Vizepräsident der DRC mit 67 Universitäten aus 14 Ländern. Der Gesamtrahmen für die europäische Entwicklung sei schwieriger geworden, so Erhard Busek, Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM). Der ehemalige ÖVP-Vizekanzler betonte jedoch gleichzeitig: "Resignieren ist völliger Unsinn", Wissenschaft und Universitäten seien aufgefordert, aktiv zu werden - auch in der regionalen Kooperation.